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Marburg Live aus Marburgs Moschee
Marburg Live aus Marburgs Moschee
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12:59 05.05.2020
Sheikh Yassin Batieh betete vor der Übertragungskamera. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Anstatt im großen Ramadanzelt auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz gemeinsam zu feiern und das Fastenbrechen zu begehen, gab es eine virtuelle Ausgabe im Internet mit vielen Grußworten, Gebeten und einen Einblick in die Gemeindearbeit. Nur das gemeinsame Essen gab es nicht, das hatte durch die Zusammenarbeit mit der Marburger Tafel am Nachmittag bereits den Weg in die Wohnungen und Häuser der Gläubigen gefunden.

„Ich glaube, das ist einmalig in Deutschland“, sagte Bilal Farouk El-Zayat, Erster Vorsitzender der Islamischen Gemeinde Marburg, während Yasemin Sögüt in der Moschee durch den Live-Stream moderierte. Die Masterstudentin für Politik und Wirtschaft des nahen und mittleren Ostens „hatte Bange, ob das auch alles so funktioniert“. Sie ist schon immer aktiv in der Gemeinde und dementsprechend „voll gerne dabei“ gewesen. „Es ist ein schöner Ersatz, auch wenn es für uns zeitweise sehr anstrengend und herausfordernd war“, stellte sie lachend fest.

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Der Mix aus Live-Videos der Gastredner und auch vorher schon gedrehter Videobotschaften war besonders und vor allem eins: sehr virtuell. Yasemin Sögüt sprach live in zwei Kameras, „das war schon komisch“, gab sie zu. Dabei verfolgten das virtuelle Ramadanzelt auf dem eigenen YouTube-Kanal am Samstagabend knapp 700 Nutzer, mittlerweile sind es mehr als 1 000. Denn das gut anderthalbstündige Programm ist immer noch abrufbar.

„Seit Donnerstagabend saßen wir an der Umsetzung“, berichtete Bilal Farouk El-Zayat. Dabei stammte die Idee gar nicht aus der Gemeinde selbst, sondern von Monika Bunk und Thorsten Schmermund aus der jüdischen Gemeinde. Sowohl von deren Vorsitzenden Amnon Orbach, als auch von den christlichen Gemeinden kamen am Samstag Grußworte und Bittgebete. Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies schaute nach seinem Rehaaufenthalt persönlich in der Moschee vorbei und freute sich über die Kreativität der Islamischen Gemeinde. Er forderte und dankte gleichzeitig allen Marburgern für deren Geduld und Standhaftigkeit in der Corona-Krise.

In einem eigenen kleinen Video wurde auch die Gemeindearbeit vorgestellt. Gerade jetzt, wo gemeinsame Treffen nicht erlaubt sind, wird über webbasierte Konferenzen oder Podcasts Kontakt gehalten. „Wir sind eine kreative Gruppe, bei der die Herkunft keine Rolle spielt. Wir sind Unterschiedlichkeit gewohnt“, erklärte der Erste Vorsitzende und ergänzte noch. „Palästinenser, Libyer, Türken, Syrer, Ägypter – alle haben an diesem virtuellen Ramadanzelt mitgearbeitet. Die Völker vertragen sich, die Politik leider nicht.“

Hinter den Kulissen arbeiteten und organisierten – neben den Vorstandsmitgliedern Bilal Farouk El-Zayat und Hamdi Elfarra – vor allem Yassin Battieh und Aladin Atalla. Während Ersterer als Multitalent die technische Infrastruktur bereitstellte und nebenbei auch als renommierter Sänger aus dem Koran vorlas, war der Live-Stream für den Software-Entwickler Atala auch eine Premiere. „Die vielen Wechsel zwischen den Live- und Videoaufnahmen, das war schon hektisch und man hatte Mühe, den Überblick zu behalten“, gab er zu und wünscht sich für das nächste Jahr eine Live-Schalte aus dem richtigen Ramadanzelt, was dann wieder auf dem Elisabeth-Blochmann-Platz stehen soll.

von Katja Peters

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