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Marburg Aktionsbündnis will den "Afföller retten"
Marburg Aktionsbündnis will den "Afföller retten"
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17:59 23.09.2019
Samstag demonstrierte das Aktionsbündnis „Afföller retten“ gegen den Verkauf des Afföller-Geländes an eine Tochtergesellschaft der Pohl-Stiftung.  Quelle: Volker Kubisch
Marburg

Das Marburger Aktionsbündnis „Afföller retten“ hatte am Samstag klar gemacht, was es von den Plänen der Stadt hält, den Afföller-Parkplatz an die Marburger Gesellschaft für Projektförderung (MPG), eine Tochtergesellschaft der Anneliese-Pohl-Stiftung, zu verkaufen. Um zwölf Uhr, nach einigen fordernden Statements von Aktivistinnen und Aktivisten, startete eine Demonstration am Erwin-Piscator-Haus in Marburg. Diese zog sich durch Biegen-, Deutschhaus- und Robert-Koch-Straße in die Bahnhofstraße, ständig begleitet durch Rufe wie „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsre Stadt verkauft“.

Am Verwaltungsgebäude der DVAG wurde ein Zwischenstopp eingelegt. Hier hatte Renate Bastian, Stadtverordnete der Partei Die Linke, Gelegenheit, ihrem Unmut über den angedachten Verkauf Luft zu machen und zu lancieren, dieser werde durch Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) im Hinterzimmer forciert. Sie wolle den Magistrat vor einem verhängnisvollen Fehler für die Stadt bewahren. Denn dadurch werde die Stadt nur ärmer und der Investor auf Dauer immer reicher.

Nachdem sich der Protestzug weiter durch die Rosenstraße, vorbei am Schulungs- und Kongresszentrum der DVAG und am Cafè Rosenpark, bis zum Afföllergelände bewegt hatte, nahmen dort noch einige Aktivisten Stellung: So schlug der emeritierte Politologe Professor Georg Fülberth in die gleiche Kerbe wie vor ihm bereits Renate Bastian, ergänzte aber, dass „die Pohls auch Gutes und Sinnvolles für die Stadt tun. Das tun sie aber, um Hegemonie zu stiften.“ Kein Handeln ohne Hintergedanken also.

Afföller retten

Das Aktionsbündnis „Afföller retten“ will den Verkauf des Afföller-Geländes verhindern. Der Parkplatz ist mit einer Fläche von rund 27.000 Quadratmetern die letzte große innerstädtische Fläche, die noch im Eigentum der Stadt Marburg ist. Die Pohl-Familienstiftung (Marburger Projektentwicklungsgesellschaft mbH) will dort ein Altenheim und ein Parkhaus für das Schulungszentrum der Deutschen Vermögensberatung errichten. Derzeit läuft eine Online-Petition, die schon fast 900 Gegner unterzeichnet haben.

Allerdings gebe es noch andere kapitalistische Player in Marburg, und der „schlafmützige Marburger Magistrat“ lasse sich nur allzu gerne von denen einlullen. Etwas praktischer im Hinblick auf die direkt Betroffenen bei einem Verkauf – in erster Linie Jugendliche – wurden von anderer Seite aber auch die Vorteile des aktuellen, unbebauten Zustandes hervorgehoben: Dies sei der einzige Raum in Marburg, wo man als Jugendlicher nichts kaufen, nichts konsumieren müsse, der gut zu Fuß oder per Bus erreichbar ist, ein Ort der Begegnung, der Kreativität und Zwanglosigkeit.

Dies sei auch ein Beitrag „gegen wachsende rechte Tendenzen“. Hier nun eine „Seniorenresidenz der gehobenen Klasse“ zu bauen, Flächen zu versiegeln und die jetzigen konsumunwilligen oder -unfähigen Nutzer gleichsam vom Hof zu jagen, dagegen werde man entschieden ankämpfen.

von Volker Kubisch