Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Linke bemängeln sozialen Nachholbedarf
Marburg Linke bemängeln sozialen Nachholbedarf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:58 01.02.2021
Sozialwohnungen in der Friedrich-Ebert-Straße. Der Kreisverband der Linken fordert mehr sozialen Wohnungsbau in der Kreis- und Stadtpolitik.
Sozialwohnungen in der Friedrich-Ebert-Straße. Der Kreisverband der Linken fordert mehr sozialen Wohnungsbau in der Kreis- und Stadtpolitik. Quelle: Foto: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Wohnungsbau-Kritik, Klimakrise-Kampf und politische Seitenhiebe nach rechts – beim Online-Neujahrsempfang brachten die Linken Marburg-Biedenkopf ihre Wahlkampf-Themen auf den Tisch, ohne selber klassischen Wahlkampf machen zu wollen, wie mehrere Sprecher betonten.

50 Teilnehmer verfolgen den Linken-Neujahrsempfang

Rund 50 Teilnehmer verfolgten das per Zoom-Meeting abgehaltene Treffen des Linken-Kreisverbands. Eingeladen war ebenfalls Janine Wissler, Linken-Fraktionsvorsitzende im Hessischen Landtag, die als sichere Kandidatin für den Bundesparteivorsitz gilt. Ebenso zu Wort meldeten sich Renate Bastian, Oberbürgermeisterkandidatin der Marburger Linken, und Anna Hofmann, Spitzenkandidatin für den Kreistag. Hofmann hob wie auch Moderator und Landesvorsitzender Jan Schalauske die Auswirkungen von linker Politik in Marburg-Biedenkopf hervor, vor allem in Klimaschutz-Fragen, von vergünstigten ÖPNV-Tickets und der Etablierung als Fairtrade-Landkreis bis zu Forderungen wie der Reaktivierung der R50 Teilregiotram Marburg-Gießen. Um die Stadt sozial und klimafreundlich aufzuwerten, gebe es dabei „noch viel nachzuholen“, betonte Hofmann und erneuerte im selben Zug die A-49-Kritik der Partei.

Bedürftigkeit in der Wohnungsfrage als zentralen Ausgangspunkt forderte OB-Kandidatin Bastian ein und übte Kritik an Amtsträger Dr. Thomas Spieß und „an dem Spruch: bauen bauen bauen“: Diese Schwerpunktsetzung klammere die Schaffung von tatsächlichen Sozialwohnungen aus, „wir brauchen aber mehr sozialen Wohnungsbau, und das nicht nur am Stadtrand“, betonte Bastian.

Die linke Lösung: ein Stadtentwicklungsplan, über den Bau-Investoren dazu gebracht werden, stärker auf den Sozialaspekt setzen zu müssen. Um einen „sozial-ökologischen Umbau“ zu finanzieren, sei der Pharmastandort Marburg dazu in einer bequemen Position – die Linke fordert mehr Gewerbesteuer für große Steuerzahler“. Es gehe nicht darum, kleine Unternehmen zu schröpfen, „es geht um die großen Firmen, die können ihren Beitrag leisten“, betonte Bastian. Das Ziel: Soziale Ungleichheit bekämpfen – dazu führte auch Janine Wissler eine lange Mängel-Liste an, hob gesellschaftliche Diskrepanzen hervor, welche die Corona-Krise noch deutlicher hervortreten lasse, „die Pandemie trifft alle, aber sie trifft eben nicht alle gleichermaßen“.

Von den vom sozialen Status beeinflussten Homeschooling-Erfolgen bis zu härteren Auswirkungen von Kurzarbeit bei der Kulturbranche, „wir erleben jetzt schon, wie ungerecht die Hilfen verteilt werden“. Wissler forderte daher eine Vermögensabgabe und als „Sofortmaßnahme“ eine Anhebung der Hartz-IV-Sätze.

Kabarettist vergleicht Wahlkampf mit erstem Date

Kabarettist Jean-Philippe Kindler streute zwischendurch Beiträge ein und zog über den laufenden Wahlkampf her, den er mit einem ersten Date verglich. Gefüllt mit politischem „Gelaber“ und leeren Versprechen der um Wähler buhlenden Parteien. Jeder bekam sein Fett weg, neben der Groko mit der „rot-schwarzen Brille“, vor allem die Konservativen, denen er vorwarf, eine „politisch gemachte Armut“ zu ignorieren.

Oder den Grünen, die wandelbar „so tun, als wären sie genau das, was die Wähler gerade brauchen“, während die AfD ihr „Date“ mit Versprechungen ohne Inhalt bombardiere, „mit nichts, das den Begriff ‚sozial‘ verdient“. Anders, so beschreibt es Kindler, bei den Linken: Während alle anderen im Wahlkampf-Date wortreich die Wähler rumkriegen wollten, kriegen die Linken „den Mund nicht auf“. Versemmeln also das „Date“, setzen auf Themen statt auf Getöse, so sein Fazit.

Von Ina Tannert

Marburg Alter Botanischer Garten - Idylle mit Schattenseiten
31.01.2021
01.02.2021