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Marburg Leserfragen zum Thema Verkehr
Marburg Leserfragen zum Thema Verkehr
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08:00 11.03.2021
Ein Lastenfahrrad im Marburger Südviertel.
Ein Lastenfahrrad im Marburger Südviertel. Quelle: Thorsten Richter
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Verkehr

Was werden Sie unternehmen, um das Fahrradfahren in der Stadt sicherer und attraktiver zu machen?

Nadine Bernshausen (Bündnis 90/Die Grünen): Ein weites Feld, deswegen nur einige Stichworte: Neben dem Bau weiterer Radwegeverbindungen in der Stadt - einige fertig geplante Maßnahmen liegen seit dem Ende der rot-grünen Zusammenarbeit "auf Eis" - müssen meines Erachtens auch die Verbindungen in die Stadt und aus der Stadt heraus viel stärker in den Fokus kommen. Verbindungen auf die Lahnberge durch den Wald, straßenbegleitend nach Wehrshausen oder zum Görzhäuser Hof sind hier Beispiele. Die Sicherheit muss insbesondere an neuralgischen Punkten im Hinblick auf die Aufteilung der Straßenräume überprüft werden.

Andrea Suntheim-Pichler (BfM): Für Respekt und Rücksichtnahme gegenüber allen Verkehrsteilnehmern werben. Die Ergebnisse von "move 35" abwarten. Das ganzheitliches Verkehrs- und Mobilitätskonzept wird uns zeigen, wie  sich die Bürgerinnen und Bürger sowie die Wirtschaftsunternehmen Verkehr in Marburg und in der Zukunft vorstellen.

Dr. Frank Michler (Weiterdenken Marburg): Bessere Anbindung und Sanierung z. B. des Lahntalradweges zur Entzerrung des Verkehrs, Attraktivität erhöhen durch Aufstellen von Sitzbänken. Des weiteren würden wir Hinweisschilder aufstellen, die vor den Gefahren beim Tragen von FFP2-Masken während des Fahrradfahrens warnen.

Michael Selinka (FDP): Da ich kein Verkehrsplaner bin und meine eigenen Grenzen kenne, werde ich mit wirklich guten Verkehrsplanern ein zukunftsorientiertes Verkehrskonzept entwickeln, das keine Denkverbote hat und keine Verkehrsmittel gegeneinander ausspielt oder sie dogmatisch ausschließt. Dieses Konzept möchte ich den Bürger*Innen zur Abstimmung vorlegen. Wenn Sie auf meine Homepage gehen, finden Sie Skizzen und Ideen meiner Stadtentwicklung. Diese sind aber eher ein Impuls, wie eine Fahrrad-Schnelltrasse oder auch vielleicht eine Tunnellösung in den Westen, eine Aufstiegshilfe auf die Lahnberge und eine Reduktion des motorisierten Verkehrs auf einigen Strecken.

Dirk Bamberger (CDU): Dort wo es baulich und Verkehrstechnisch möglich ist, kann eine Trennung der Fahrspuren von Auto- und Radverkehr durchaus umgesetzt werden. Wichtig ist mir aber auch, eine gute und sichere Infrastruktur für Fußgänger zu etablieren. Denn nicht jeder Einwohner in Marburg kann alle seine Erledigungen mit dem Fahrrad bewerkstelligen. Das darf vor dem Hintergrund des demografischen Wandels nicht vergessen werden. Und viele Bürgersteige in Marburg bedürfen eine gründlichen Sanierung.

Mariele Diehl (Klimaliste): Es müssen neue Fahrradstraßen und Rad(schnell)wege geschaffen werden, nicht auf Kosten des Fußverkehrs, sondern z.B. durch Ausweisung ehemaliger (Auto-)Straßen als Fahrradstraßen. Baulich vom Autoverkehr getrennte Fahrradwege sind wegen der höheren Sicherheit dabei zu bevorzugen, sonst ist zumindest ein ausreichender Abstand zum Autoverkehr zu gewährleisten. Auch sollten alle Kreisstraßen auf ihre Tauglichkeit (Sicherheit) für den Fahrradverkehr überprüft werden. 

Dr. Thomas Spies (SPD): Mein Ziel lässt sich einfach zusammenfassen: unter die ersten 10 im ADFC Radfahrerzufriedenheitstest kommen! Lange waren wir hier das Schlusslicht. In den letzten Jahren sind wir schon auf Platz 24 von 100 aufgestiegen. Aber das genügt mir nicht. In den letzten Jahren habe ich bereits zahlreiche Verbesserungen angeordnet. Dazu gehören z. B. nahezu durchgängige Fahrradschutzstreifen auf der Hauptachse von der Neuen Kasseler Straße, Bahnhofstraße, Elisabethstraße, Pilgrimstein, Rudolphsplatz, Gutenbergstraße mit Gegenspur, über Radwege durch das Südviertel und dann die Großseelheimer Str. auf die Lahnberge, die Fahrradzone in der Uferstraße, das weltweit erste Ampelbeschleunigungsprogramm für Radfahrer „SiBike“, Fahrradampeln auf Augenhöhe, Lastenfahrradparkplätze und vieles mehr. Jetzt sind noch Förderprogramme für den Erwerb von E-Bikes dazugekommen. Für die Zukunft hat für mich der weitere Ausbau der Radwegeverbindungen Priorität: in die Außenstadtteile, bessere Beschilderung von bestehenden Radverbindungen, schnelle Fahrradtrassen auf beiden Seiten der Lahn mit Lahn-Querung bei Wehrda und östlich der Eisenbahn. Wir setzen den Radverkehrsentwicklungsplan weiterhin um, gerne noch schneller! Dazu: weiter konsequent Öffentlichkeitsarbeit zu Schutzregeln für Radfahrer*innen (wie z. B. 1,5 m Seitabstand beim Überholen) und für mehr Fairness, Rücksicht und Respekt im Verkehr.

Renate Bastian (Die Linke): Ich werde dafür Sorge tragen, dass der Radverkehrsentwicklungsplan, dessen Fortschreibung die Marburger Linke vor mehreren Jahren initiiert hat und von dessen über 200 Maßnahmen bisher nur einige Hand voll umgesetzt wurden, endlich konsequent angegangen wird. Das reicht vom Bau neuer Fahrradwege über eine nachhaltige, von Kontrollen und Markierungen begleitete Kampagne für die Einhaltung des 1,50m Mindestabstands bis zur qualitativen Ausweitung gesicherter Fahrradabstellmöglichkeiten.

 

Marburg und das Umland bestehen nicht nur aus jungen, dynamischen Fahrradfahrern, die ihre Besorgungen jederzeit unschwer mit einem Lastenfahrrad erledigen können. Haben die Kandidaten und Kandidatinnen bei ihren Verkehrskonzept-Überlegungen für Marburg den demografischen Wandel und damit einhergehend die Tatsache im Blick, dass Fahrradfahren für einen großen Teil der Bevölkerung nicht möglich oder nicht zumutbar ist?

Nadine Bernshausen (Bündnis 90/Die Grünen): Die Förderung des Radverkehrs heißt ja nicht, dass andere Formen des Individualverkehrs dadurch ausgeschlossen oder gar verboten würden. Dabei müssen in einem wohlgeplanten Prozess die Verkehrsräume in Marburg überprüft werden. Gerade im Hinblick auf die Elektromobilität wird es ja notwendig sein, sowohl die Vorteile des E-Autos als auch die großen Potentiale von E-Fahrrädern (auch für Seniorinnen und Senioren oder für Leute, die  zum Beispiel Kinder transportieren wollen und müssen) im Blick zu haben. Innerhalb der nächsten 10 Jahre wird auch, ob man das gut findet oder nicht, sicherlich die autonome Mobilität (autonomes Fahren ohne Person, die fährt) an Bedeutung gewinnen. Auch diese Entwicklung muss man heute bei allen Entscheidungen bedenken. Insgesamt ist das Fahrrad und insbesondere das Elektrofahrrad in den letzten Jahren für viele Menschen aus eigenem Antrieb "zumutbar" und "wünschenswert" geworden. Leider sind aber viele Verbindungen für das Rad - zum Beispiel von der Innenstadt auf die Lahnberge - heute wenig attraktiv und kaum "zumutbar". Das sollten wir im Interesse aller -auch derjenigen, die Auto fahren oder künftig autonom fahren wollen - ändern.

Andrea Suntheim-Pichler (BfM): Ja, das habe ich im Blick. Ich setze mich für eine Gerechtigkeit im Straßenverkehr ein. Das heißt, dass jeder die Wahl haben muss, welches Verkehrsmittel in welcher Lebenssituation tagesaktuell genutzt werden kann. Es gibt so viele Gründe das Auto zu nutzen oder es nutzen zu müssen. Dafür muss man sich nicht in Marburg rechtfertigen müssen. Viele Menschen fühlen sich verletzt und nicht ernst genommen, wenn man ihnen predigt, das Fahrrad zu nehmen, obwohl sie es aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht können. 

Dr. Frank Michler (Weiterdenken Marburg): Vor allem ältere Menschen sind auf den Individualverkehr angewiesen. Pkw, Busse und Bahn, Fahrräder und Fußgänger müssen gleich berechtigt möglichst entzerrt nebeneinander existieren können.

Michael Selinka (FDP): Ja, ich habe dies im Blick und die Topografie Marburgs ist mir auch sehr bewusst. Ich möchte, wie gesagt, ein zukunftsorientiertes Verkehrskonzept entwickeln, das keine Denkverbote hat und keine Verkehrsmittel gegeneinander ausspielt oder sie dogmatisch ausschließt. Dies wird nicht leicht umzusetzen sein, daher benötige ich die Erfahrung und die Ideen von guten Verkehrsplanern. Marburg ist ein Oberzentrum, dies ist auch mit einer Verantwortung für die Außenstadtteile und das Umland verbunden – Marburg muss für alle erreichbar sein. In den ländlichen Regionen wird der motorisierte Individualverkehr auch weiterhin eine Rolle spielen, wir werden gut erreichbare und bezahlbare Parkplätze in Zentrumsnähe benötigen. Alleine mit E-Bikes und Bussen werden wir die Erreichbarkeit nicht gewährleisten können.

Dirk Bamberger (CDU): Genau deswegen verfolgen wir als CDU auch die Politik, die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer nicht gegeneinander auszuspielen und nicht zu priorisieren. Allen Verkehrsgruppen muss eine Mobilität ermöglicht werden, damit sie am Leben in der Stadt  teilnehmen können.

Mariele Diehl (Klimaliste): Das Verkehrskonzept sieht neben dem Ausbau von Fahrrad Infrastrukturen auch den Ausbau der ÖPNV Kapazitäten vor. Die KL steht für eine gesamtgesellschaftliche Vision einer enkeltauglichen Zukunft für alle. Klar ist, dass der private Verbrennungsmotor nicht Teil dieser Vision ist, zumal dessen Zeit auch durch Peak Oil vorbei ist. Diese Transformation unserer Mobilität muss aus unserer Sicht mit Mut, Bürger*innenbeteiligung und Weitsicht geschehen. Wie wäre es mit Fahrradlieferdiensten, die regionale Lebensmittel liefern, mehr Märkten, Stadtteil- und Dorfläden, vielleicht sogar Bürger*innen-kantinen? Kurze Wege und eine sozial gerechte Transformation unserer Mobilitätsgewohnheiten machen für uns mehr Sinn, als am Auslaufmodell des privaten PKW mit Verbrennungsmotor  festzuhalten. Eine solche Transformation ist nicht leicht, sie braucht Aufmerksamkeit und Beteiligung, dafür wollen wir uns einsetzen.

Dr. Thomas Spies (SPD): Marburg ist eine wunderbare Stadt mit historischer Bausubstanz in einem Tal, dass stellenweise nur 700 m breit ist – samt Lahn, Bahn und B3a. Deshalb muss der knappe Raum optimal genutzt werden. Desto mehr Menschen auf Fahrrad und ÖPNV umsteigen, desto mehr Platz, weniger Stau und mehr freie Parkplätze bleiben für diejenigen, die für Besorgungen, Einkauf, Teilhabe an Kultur und gesellschaftlichem Leben auf das Auto angewiesen sind. Weil wir nicht mehr Platz schaffen können, müssen wir den vorhandenen Platz rücksichtsvoll und fair gemeinsam nutzen. Darüber hinaus arbeiten wir an einem Programm zur langfristig geplanten, strukturierten Sanierung der Straßen – weil auch das Mobilität für alle leichter macht. Mit dem Mobilitätskonzept MoVe 35 untersuchen wir gerade, welche Mobilitätsbedürfnisse es in Marburg und nach Marburg gibt, damit wir die Verkehrslenkung optimal an die Bedürfnisse der Menschen anpassen. Diesen Weg werde ich konsequent weitergehen und umsetzen.

Renate Bastian (Die Linke): Obwohl der Magistrat sich bis zum Ende der Wahlperiode konsequent geweigert hat, dies durch Verkehrszählungen zu erfassen, ist für alle offensichtlich, dass der Radverkehr in der Stadt in den letzten Jahren nicht zuletzt durch das E-Rad quer durch alle Altersstufen erheblich zugenommen hat. Eine strukturelle Verbesserung des ÖPNV , incl. Nulltarif, sowie der Fußwegebeziehungen gerade auch für ältere Menschen wird von uns gleichrangig angegangen. Dem dann noch verbleibenden PKW-Verkehr insbesondere aus den Außenstadtteilen ist zuzumuten für Fahrten in der Stadt durch Tempo 30, Aufpflasterungen, mehr Querungshilfen usw. einige Minuten mehr Fahrzeit einzuplanen.

Wie stehen Sie zu der Idee, einen Teil der Stadtautobahn zu überbauen beziehungsweise einzutunneln? Wer würde das Projekt vorantreiben – und was sollte in dem Bereich dann entstehen?

Nadine Bernshausen (Bündnis 90/Die Grünen): Sicherlich ist es eine schöne Vision, den Lärm aus der Stadt zu verbannen, und auch die städtebaulichen Möglichkeiten zu entwickeln, die eine Untertunnelung oder Einhausung bieten könnten. Allerdings sollte man viele Aspekte im Auge haben: Ein solches Projekt wird sicherlich Jahrzehnte der Planungs- und Realisierung benötigen. (Die Planfesteststellung für den Riederwaldtunnel in Frankfurt begann 1989.) Der Bund muss überzeugt werden, den wesentlichen Teil der Kosten zu übernehmen, da dieses Projekt die finanziellen Möglichkeiten ​der Stadt um ein vielfaches übersteigen würde. Daher muss die Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan angestrebt werden.

Andrea Suntheim-Pichler (BfM): Die Eintunnelung, bzw. Überbauung der Stadtautobahn ist ein großer Gewinn für die Lebensqualität in Marburg. Dieses Projekt muss Chef-, bzw. Chefin-Sache sein. Als Oberbürgermeisterin setze ich mich für eine Prüfung der Machbarkeit ein. Wenn man dieses Projekt wirklich umsetzen möchte, darf man nicht nur auf Hessen Mobil schauen in Bezug auf die Übernahme der Kosten. Marburg wird sich daran beteiligen müssen. Nur mit einer Eintunnelung werden wir wertvolle Flächen gewinnen, die mit Bürgerbeteiligung für Wohnen und Stadtgrün verwendet werden können.

Dr. Frank Michler (Weiterdenken Marburg): Um die Emissionen der Stadtautobahn zu vermindern, ist eine Überdeckelung oder Tunnelung mit anschließender Begrünung sinnvoll. Bundesmittel aus dem Verkehrswegeplan und Mittel einheimischer Unternehmer sollen dazu ihren Beitrag leisten. Dadurch können neue Flächen für Freizeit und Wohnen entstehen.

Michael Selinka (FDP): Diese Idee ist meine zentrale Stadtentwicklungsidee und zwingend umzusetzen! Überbauen ist für mich eine unnötige Krücke, die B3 zerteilt unsere Stadt und es wäre großartig, sie einfach in einen Tunnel zu packen und die oberirdischen Verkehre neu zu ordnen. Wir brauchen Platz und gute Konzepte. Die gewonnenen Flächen möchte ich für mehr Grün, mehr Wasser und für eine neue Urbanität nutzen. Ökologisch, pfiffig mit einer hohen Qualität der Gebäude und der Angebote. Die Stadtentwicklung habe ich in meinem Wahlprogramm schon recht konkret aufgegriffen und auch schon graphisch umgesetzt – auch wenn es mir eher um einen Impuls als um ein fertiges Konzept geht. Die Stadt bietet hier ein großes Entwicklungspotential, das über die platte Idee des unreflektierten Bauen, Bauen, Bauen hinausgeht. Diese Idee wird dem Anspruch von Marburg nicht gerecht und berücksichtigt Menschen und „Mitwelt“ nicht in einer angemessenen Form. In diesem Areal (und ich rechne bewusst die alte UB und die Philfak hinzu) können Wohnungen und Gewerbeflächen entstehen, aber es wird auch Plätze für Kultur geben, Pflanzen und Wasser sind für mich zwingend. Wir brauchen mehr Lebensqualität und Ökologie in der Stadt. Wie die Umsetzung finanziert werden kann, müssen wir prüfen. Aber es ist allein über die Bodenwerte schon möglich, zusammen mit Fördermöglichkeiten von Bund und Land, eine Umsetzung zu finanzieren. Die Sparkasse ist auch auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern und wir haben noch große örtliche private Geldinstitute – und auch hier sollen die Bürger*Innen entscheiden dürfen. 

Dirk Bamberger (CDU): Ich bin immer noch ein Fan dieser Idee. Natürlich ist es ein visionäres Projekt, aber man sollte es nicht aus den Augen verlieren. Eine Überbauung bietet der Stadt erhebliches Entwicklungspotenzial, was Wohnungen sowie Flächen mit hoher Aufenthaltsqualität angeht. Unter Einbeziehung einer Fahrradschnellstraße wären die Fußgänger an anderer Stelle entlastet. Und genau deswegen haben wir diesen Punkt auch in unser Wahlprogramm aufgenommen. 

Mariele Diehl (Klimaliste): Ich halte es für äußerst sinnvoll, einen großen Teil der Stadtautobahn einzutunneln. Die Tunneloberfläche kann dann zum Beispiel mit Photovoltaikanlagen bestückt werden. Doch gegen Lärm und Luftverschmutzung durch Autobahnen kommt man nur an, in dem man den motorisierten Individualverkehr entschieden unattraktiver macht und Alternativen konsequent ausbaut. 

Dr. Thomas Spies (SPD): Der Lärm der Stadtautobahn und die Abgase sind für Marburg, insbesondere für Menschen, die an den Hängen wohnen, eine erhebliche Belastung. Hinzu kommt noch der Lärm der Eisenbahnstrecke. Kurzfristig habe ich mich wiederholt beim Land dafür eingesetzt, das Tempo auf der Stadtautobahn zu reduzieren. Einem B3-Tunnel stehe ich sehr positiv gegenüber und unterstütze dieses Ziel seit langem nachdrücklich. Allerdings sind dazu viele Frage offen. Ein großes Einfahrtsloch mitten in der Stadt will sicher niemand. Auch bliebe dann der Lärm der Eisenbahnlinie. Eine Überbauung sollte zunächst bildlich simuliert werden, damit klar ist, wie stark ein solches Bauwerk, das die Umgebung sicher um 15 bis 20 m überragt, in das Stadtbild eingreift. Für eine Machbarkeitsstudie stehen Mittel im Haushalt zur Verfügung. Meines Erachtens sollte parallel geprüft werden, in wie weit zwischen Südspange und Wehrda auch ein teilweiser Rückbau auf eine innerstädtische vierspurige Straße mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit möglich ist. Der gewonnene Raum könnte im Zusammenhang mit einer Neufassung des PhilFak-Areals, als Radschnellweg oder in ähnlicher Weise genutzt werden. Diese Alternative sollte meines Erachtens mitgeprüft werden.

Renate Bastian (Die Linke): Aus Erwägungen eines schöneren Stadtbilds ist eine Untertunnelung/Einhausung der Stadtautobahn sicherlich zu begrüßen. Auch würden die Anwohner*innen von Lärm und Luftverschmutzung befreit. Eine Nutzung der dann frei gewordenen Fläche müsste den Bahnhofsvorplatz und die Elisabeth-Brücke mit einbeziehen und zusammen mit den Anwohner*innen erarbeitet werden. Allerdings ist zu bedenken, dass das Ziel, eine Verkehrswende einzuleiten und den PKW-Verkehr auf diese Weise zu verringern, nicht erreicht werden kann. Der Verkehr würde lediglich unter die Erde verlagert. 

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