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Marburg Leihen wird salonfähig
Marburg Leihen wird salonfähig
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12:00 04.11.2021
Zülfiye Tükenmez, Projektkoordinatorin des Leihladens im Waldtal, fiebert der Eröffnung entgegen.
Zülfiye Tükenmez, Projektkoordinatorin des Leihladens im Waldtal, fiebert der Eröffnung entgegen. Quelle: Foto: Silke Pfeifer-Sternke
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Marburg

Ein Trend macht in Marburg die Runde. Nach den Repair-Cafés, in denen Kaputtes möglichst wieder repariert wird, ist nun das Ausleihen von Dingen, die man nicht unbedingt täglich benötigt, in Leihläden ein weiterer Schritt hin zu mehr Umweltschutz. Gegenstände werden geteilt, statt sie verstauben zu lassen. Gerade für Menschen mit geringem Einkommen ist das Leihen eine Möglichkeit, an Dinge zu kommen, für die sonst das Geld fehlt. Der Leihladen bietet eine neue Perspektive, die zudem den Fokus auf mehr Nachhaltigkeit legt. Das Prinzip des Leihladens ist in Großstädten ist bereits seit Jahren etabliert. In Berlin eröffnete 2010 der erste Leihladen in der Kastanienallee.

In Marburg eröffnete die „Ausleihbar“ am Oberstadtaufzug am Pilgrimstein (die OP berichtete) mit hochwertigen Alltagsgegenständen wie Bohrmaschinen, Lötkolben, Tapeziertischen oder auch Küchengeräten wie Waffeleisen oder Fondueset; nun folgt am 5. November die Eröffnung von „,Leihla’ – der Leihladen“ im Waldtal.

Registrierung über die Homepage

Der Leihladen im Ginseldorfer Weg 50 verfolgt ein erfolgversprechendes Konzept. Dort kann man Geschirr und Besteck für Großveranstaltungen wie Hochzeiten oder runde Geburtstage, Haushaltsgeräte, Gartengeräte, Werkzeug, Kinderspielzeug und Multimediageräte leihen. Welche Gegenstände dort ausleihbar sind, kann man auf der Homepage des Vereins AKSB (Arbeitskreis Soziale Brennpunkte) Marburg anschauen und für die benötigte Zeit reservieren. Voraussetzung ist jedoch, dass sich der Ausleiher als Mitglied registriert und ein Pfand hinterlässt, das bei Rückgabe des ausgeliehenen Gerätes wieder zurückgegeben wird.

Schon vor der Eröffnungsfeier ist der Leihladen gut bestückt, es können aber noch weitere Geräte abgegeben werden, um sie anderen zur Verfügung zu stellen. Der Leihladen hat eine Besonderheit: Er wird von den Bewohnerinnen und Bewohnern des Waldtals geführt. Nach der Eröffnungsfeier am Freitag, 5. November, um 14 Uhr mit Flohmarkt direkt vor dem Laden, ist die Ausleihe ab dem 11. November einmal wöchentlich – jeweils donnerstags von 13 bis 15 Uhr – möglich.

Nachhaltige Nutzung von Geräten und Materialien

Der Leihladen „ist ein gutes Beispiel für eine sinnvolle und auch nachhaltige Nutzung von Geräten und Materialien. Die Umwelt, die Natur und der persönliche Geldbeutel werden geschont und trotzdem sind zum Beispiel die benötigen Werkzeuge vorhanden“, sagt Luitgard Lemmer, Geschäftsführerin AKSB Marburg.

Der Leihladen im Waldtal befindet sich zurzeit noch in einem Kellerraum, in dem Gebäude, in dem der AKSB seine Büros hat. Über diese Lösung ist Projektkoordinatorin Zülfiye Tükenmez nicht ganz glücklich. Mit der Einrichtung hat sie sich trotzdem viel Mühe gegeben. Der Kellerboden ist mit einem Teppich ausgelegt und die Gegenstände in den Regalen stehen in Reih’ und Glied – fast so wie in einem Ladengeschäft. Dass das Angebot weiter ausgebaut werden kann, darauf hofft Tükenmez. Vor allem der Flohmarkt, der vor dem Gebäude – „bei hoffentlich schönem Wetter“ – geplant ist, soll Geld in die Kassen für den Kauf neuer Tauschwaren spülen.

Möglich war die Umsetzung des Leihladens durch das Bundesprojekt BIWAQ (Bildung, Wirtschaft und Arbeit im Quartier), das durch den Europäischen Sozialfonds gefördert wird.

Von Silke Pfeifer-Sternke