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Marburg Leichte Hoffnung auf dem Arbeitsmarkt
Marburg Leichte Hoffnung auf dem Arbeitsmarkt
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20:00 01.06.2021
Zahl der Arbeitslosen im Landkreis binnen Jahresfrist um knapp zwölf Prozent gesunken.
Zahl der Arbeitslosen im Landkreis binnen Jahresfrist um knapp zwölf Prozent gesunken. Quelle: Felix Kästle
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Marburg

Es gibt eine leichte Entspannung auf dem Arbeitsmarkt: Im Mai waren 5 463 Personen im Landkreis arbeitslos – 12 Prozent oder 716 Personen weniger, als noch vor einem Jahr. „Das wäre eigentlich ein Grund, eine Freudenkerze anzuzünden“, sagt Volker Breustedt, Leiter der Marburger Arbeitsagentur. Doch habe auch schon der Mai vergangenen Jahres deutlich im Zeichen von Corona gestanden. „Wenn man auf den März vergangenen Jahres schaut, haben wir zu heute ein Plus von knapp 12 Prozent an Arbeitslosen zu verzeichnen“, sagt er. Somit sank die Arbeitslosenquote im Vergleich zum Vorjahr um 0,5 Zähler auf 4,1 Prozent.

Die Verringerung der Arbeitslosenzahlen sei in den meisten Personen- und Altersgruppen zu beobachten. „Große Sorgenkinder sind jedoch die Langzeitarbeitslosen“, sagt Breustedt. Denn insgesamt sei mehr als ein Drittel der gemeldeten Arbeitslosen – 1 931 an der Zahl – langzeitarbeitslos, ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von 386 Personen oder 25 Prozent. „Das hat uns dazu bewogen, dass wir vergangenen Monat in der Agentur ein Programm aufgelegt haben, um aktiv dagegenzuhalten“, erläutert der Agenturleiter. So würden verstärkt Gespräche mit den Langzeitarbeitslosen geführt – vor allem die Folgegespräche seien vergangenes Jahr aufgrund der Pandemie etwas eingeschränkt gewesen. Und zwar nicht nur aufgrund des großen Zulaufs an Arbeitslosen, sondern auch, weil zahlreiche Mitarbeiter der Marburger Arbeitsagentur mit dem Thema Kurzarbeit beschäftigt gewesen seien, wie Breustedt auf Nachfrage bestätigt. Und: Auch auf die berufliche Weiterbildung lege man das Augenmerk. „Wir müssen verhindern, dass die Langzeitarbeitslosigkeit sich einzementiert“, sagt Breustedt.

Insgesamt zeichne sich jedoch eine leichte Entspannung ab, „der Arbeitsmarkt nimmt langsam wieder Fahrt auf“, so Breustedt. 1 038 Personen meldeten sich im Mai neu arbeitslos – 62 oder 5,6 Prozent weniger als noch vor einem Jahr und 179 oder rund 15 Prozent weniger als im April. Davon kamen 370 aus vorheriger Erwerbstätigkeit, das waren 153 oder knapp 30 Prozent weniger als im Vorjahresmonat. „Ein gutes Zeichen“, konstatiert Breustedt, „der Fuß ist langsam von der Arbeitsmarkt-Notbremse runter“. 1 244 Personen meldeten sich aus der Arbeitslosigkeit ab, 427 oder rund 52 Prozent mehr als im Vorjahr. Gegenüber April waren es 269 oder rund 18 Prozent weniger.

Weiterhin ein Thema ist auch die Kurzarbeit: Im Januar – den letzten validen Zahlen – gab es in 951 Betrieben im Kreis Kurzarbeit, davon waren 6 695 Menschen betroffen. Im Dezember waren es noch 5821 Menschen in 814 Betrieben gewesen. 496 neue Arbeitsstellen wurden im Mai neu gemeldet, also gut die Hälfte mehr als vor einem Jahr; darunter waren 479 sozialversicherungspflichtige neue Stellen.

Auch auf dem Ausbildungsmarkt ist Bewegung: Es gab 1 171 gemeldete Bewerber für Ausbildungsstellen, das sind rund 9 Prozent oder 118 Jugendliche weniger als vor einem Jahr. Parallel dazu sind bis jetzt 1 327 Berufsausbildungsstellen bei der Agentur für Arbeit Marburg gemeldet worden – 5 Prozent oder 69 Stellen weniger als ein Jahr zuvor. Zurzeit gibt es 507 nicht versorgte Bewerber und 607 unbesetzte Ausbildungsstellen im Landkreis, rechnerisch kommen also 1,1 Ausbildungsstelle auf einen Ausbildungsinteressierten. „Gute Chancen für Bewerber also – es ist auf keinen Fall so, dass wegen Corona nichts geht“, ordnet Volker Breustedt die Zahlen ein.

Das Kreisjobcenter (KJC) des Landkreises Marburg-Biedenkopf weist in seiner aktuellen Statistik 3015 erwerbsfähige Leistungsberechtigte aus, die als arbeitslos registriert sind. Das sind 20 Personen oder 0,7 Prozent mehr als im Vormonat. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Zahl der Arbeitslosen in der Betreuung des KJC um 341 Personen oder 10,2 Prozent gesunken. Die Quote der arbeitslosen Grundsicherungsempfänger an den zivilen Erwerbspersonen liegt aktuell bei 2,2 Prozent. Im Vorjahresmonat lag die Quote bei 2,5 Prozent.

„Während die Industrie und weite Teile des Handwerks bisher verhältnismäßig gut durch die Krise kommen, ist der Arbeitsmarkt im Dienstleistungsbereich nach wie vor massiv durch die Corona-Einschränkungen betroffen“, sagte der Erste Kreisbeigeordnete und zuständige Sozialdezernent Marian Zachow. „Das zeigt sich durch Jobverluste vor allem in Einzelhandel und Gastronomie, aber auch bei den personenbezogenen Dienstleistungen. Das schwierige wirtschaftliche Umfeld erlaubt vielen Unternehmen nach wie vor nicht die Einstellung neuer Beschäftigter und dies wirkt sich folgenschwer auf die Personen aus, die im Verlauf der Krise ihren Job verloren haben“, so Zachow weiter.

Im Vergleich zum Vormonat stieg die Zahl der Bedarfsgemeinschaften um 13 oder 0,2 Prozent an. Aktuell liegt sie bei 5 775 (Vormonat: 5 762). Verglichen mit dem Mai vergangenen Jahres bedeutet dies einen Rückgang um 598 oder 9,4 Prozent. Bei den erwerbsfähigen Leistungsberechtigten gibt es im Vergleich zum Vormonat einen Anstieg um 26 oder 0,3 Prozent auf 7 649 Personen. Im langfristigen Vergleich liegt die Zahl um 10,3 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Dies entspricht einem Rückgang um 877 Personen.

Von Andreas Schmidt

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