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Marburg Lehrkräfte krempeln den Ärmel hoch
Marburg Lehrkräfte krempeln den Ärmel hoch
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07:58 24.03.2021
Blick ins Impfzentrum Marburg.
Blick ins Impfzentrum Marburg. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Eigentlich war es eine gute Idee, die das Marburger Impfzentrum und Schulamt am zurückliegenden Freitag kurzfristig entwickelt hatten: Weil nach der erneuten Freigabe von AstraZeneca-Vakzinen wesentlich mehr Impfstoffe als benötigt zur Verfügung standen, konnten am Wochenende mehr Lehrerinnen und Lehrer aus Grund- und Förderschulen gegen Corona geimpft werden als geplant. Rund 100 Pädagoginnen und Pädagogen konnten so am Messeplatz als „Nachrücker“ den Ärmel hochkrempeln.

„Deutliche Minderheit“

Dabei muss es nach OP-Informationen allerdings auch Fälle gegeben haben, in denen Lehrkräfte anderer Schulformen versucht haben sollen, sich impfen zu lassen, obwohl sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt überhaupt noch nicht impfberechtigt sind.

Burkhard Schuldt, Leiter des Staatlichen Schulamts Marburg-Biedenkopf, bestätigte gestern auf OP-Nachfrage „gewisse Vorkommnisse“ am Impfzentrum, sprach aber von einer „deutlichen Minderheit“, die sich nicht regelkonform verhalten habe. „Wir arbeiten das intern auf“, sagte Schuldt, der nach OP-Informationen unmittelbar nach den Vorkommnissen im Impfzentrum alle Schulleiterinnen und Schulleiter dazu aufgefordert hatte, Sorge dafür zu tragen, dass die Kollegien sich streng an die Regelungen für die Vergabe von Impfterminen halten.

Wichtig ist dem Schulamtsleiter, dass es durch ein „kurzfristig organisiertes Nachrückverfahren“ und das „hohe Engagement des Impfzentrums“ gelungen ist, am Wochenende noch mehr Lehrkräfte als ursprünglich geplant zu impfen.

Schuldt sprach von einem ihm bekannten Fall, in dem ein Lehrer, der nicht im Grund- und Förderschulbereich beschäftigt ist, trotzdem geimpft werden wollte: „Der wurde abgewiesen und hat daraufhin mit rechtlichen Schritten gedroht – das ist höchst peinlich und das will ich auch nicht bagatellisieren.“ Weitere derartige Fälle aus der Gruppe der eigentlich noch nicht impfberechtigten Gymnasiallehrkräfte seien ihm allerdings nicht bekannt.

Allerdings hätten sich zudem auch aus der Gruppe der eigentlich impfberechtigten Grund- und Förderschullehrkräfte einige Personen „unsolidarisch vorgedrängelt“, so der Schulamtsleiter.

Impfangebot noch im April?

Schuldt erklärte, dass es in „verbundenen Systemen“ – also beispielsweise Gesamtschulen – vorkomme, dass Lehrkräfte sowohl im Gymnasial- als auch regelmäßig im Grundschulbereich tätig seien: „Diese Gruppe war impfberechtigt, lediglich eine Person konnte keinen entsprechenden Nachweis vorlegen.“ Wie der Zeitplan für die Impfung von Gymnasiallehrkräften aussieht, konnte Schuldt noch nicht präzise sagen: „Der hessische Kultusminister Alexander Lorz hat gesagt, er gehe davon aus, für diese Gruppe noch im April ein Impfangebot unterbreiten zu können.“

Ministeriumssprecher Michael Ashelm bestätigte gestern im Gespräch mit der OP, dass die Impfterminierung für Gymnasiallehrkräfte in der Tat noch „in der Diskussion“ sei. „Der Minister hat seiner Hoffnung kundgetan, dass es im April klappt – aber einen Beschluss gibt es dafür noch nicht.“

Sascha Hörmann, stellvertretender Pressesprecher des Kreises Marburg-Biedenkopf, bilanzierte gestern: „Am Wochenende wurden im Impfzentrum insgesamt 1 329 Lehrerinnen und Lehrer geimpft. Davon erschienen 260 ohne Anmeldung beziehungsweise ohne dass diese vom Staatlichen Schulamt angemeldet gewesen wären.“ Abgewiesen worden seien sie nicht, so Hörmann, der ergänzte: „Aber nur deshalb nicht, weil das Impfzentrum die Verwendung von Impfstoffen, die noch nicht zum Impfen terminiert waren, spontan umplanen konnte und auch sonst in der Lage ist, mögliche Spitzen organisatorisch sofort aufzufangen.“

Von Carsten Beckmann

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