Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Sie sammeln Spenden für Corona-Hilfe-App
Marburg Sie sammeln Spenden für Corona-Hilfe-App
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:58 15.04.2020
Verena Pfannenschmidt (links) und Nesil Yasar sind Lehrerinnen – und wollen per Crowdfunding eine deutschlandweite Corona-Hilfe-App auf den Markt bringen. Quelle: Steffen Koller
Anzeige
Marburg

Hilfe in Corona-Zeiten, schön und gut – aber wie den Überblick behalten über all jene großen und kleinen Social-Media- und Nachbarschaftsgruppen in Marburg, Hessen und ganz Deutschland?

Diese Frage haben sich Verena Pfannenschmidt (32) und Nesil Yasar (29) gestellt. Die Lehrerinnen arbeiten daher an einer Smartphone-App, um das Annehmen von Hilfe zu erleichtern, die Hemmschwelle zu senken.

Anzeige

Die Idee: Ein paar Klicks auf dem Handy und schon kommt Hilfe direkt aus der Nachbarschaft. „Wir wollen Übersichtlichkeit und Schnelligkeit in das große Netzwerk der Helfergruppen reinbringen“, sagt die Marburgerin Pfannenschmidt.

Manche trauen sich nicht

Entstanden ist die App-Idee als sie mit ihrer Freundin Yasar zu deren Oma fuhr, denn die ist nicht nur mitten drin in der Risikogruppe, sondern es gingen auch ihre Lebensmittelvorräte zuneige. Für die Oma, die keine hilfsbereiten Bekannten und Verwandten in der Nähe hat, setzten sich die Frauen ins Auto und waren letztlich mitten in der Corona-Vorsicht, den Reisewarnungen ganze sechs Stunden für einen Supermarkt-Einkauf unterwegs, eine komplizierte Odyssee.

„So eine ewige Tour ist ja keine Option, schon gar nicht, wenn Hilfe regelmäßiger nötig sei, die Corona-Kontaktsperren länger dauern sollten“, sagt Yasar. Und alleine in ihrem Wohnhaus, so Pfannenschmidt, sind drei von zehn Haushalten Teil der Risikogruppe.

„Da ist die Bedürftigkeit da, aber nicht überall wird Hilfe von direkten Nachbarn angeboten. Viel mehr Menschen, als man glaubt, ist es unangenehm, nach Hilfe zu fragen, oder sie haben Angst vor einem Nein. Sie glauben, sie stehen dann in der Schuld von jemandem“, sagt sie. Die App erleichtere den Hilferuf, glaubt das Lehrerinnen-Duo.

Kosten: mindestens 15.000 Euro

„So muss sich niemand wie ein Bittsteller fühlen“, sagt Yasar. Zusammen mit Software-Experten – denn beide Frauen haben nach eigenen Angaben von der App-Entwicklung wenig Ahnung – haben sie das Projekt „Heyco“ gestartet.

Was ihnen fehlt: das Geld. Lösungsansatz: Crowdfunding. Um die Smartphone-Software kosten- und werbefrei auf den Markt zu bringen, brauchen sie 15.000 Euro, würden es 25.000 Euro könnte sie auch zweisprachig rauskommen.

Bedarf bleibt auch nach Corona

„Der soziale Gedanke steht im Vordergrund“, sagt Yasar, die auf die Einsatzfähigkeit der App auch in Nach-Corona-Zeiten verweist. „Hilfe werden Menschen auch danach noch brauchen – und es kann ja aktuell eine neue Mitmenschlichkeit entstehen, etwas, das dauerhaft tragen sollte.“

Und so soll „Heyco“ funktionieren: App öffnen, Einkaufsliste oder Foto mit benötigten Dingen hochladen, Anfrage abschicken. Helfer, die sich in der App registriert haben und in einem eng begrenzten Umkreis wohnen, bekommen Benachrichtigungen und können die Anfrage dann annehmen, die Besorgungen erledigen.

Die Online-Spendensammlung läuft hier: www.gofundme.com/coronaapp

Von Björn Wisker

Anzeige