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Marburg Legehennen haben mehr Platz
Marburg Legehennen haben mehr Platz
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00:21 24.11.2018
Schon jetzt gibt es zu wenige und viel zu kleine Unterrichtsräume an der Elisabethschule in Marburg. Die Eltern schlagen Alarm, gerade im Hinblick auf die Rückkehr zu G9. Quelle: Tobias Hirsch
Marburg

Prognostizierter ­Bevölkerungswachstum von vier Prozent, neue Baugebiete,­ die vor allem für Familien attraktiv sein sollen – aber die weiterführenden Schulen der Stadt Marburg platzen schon jetzt aus ­allen Nähten. Sowohl Martin-Luther-Schule als auch ­Elisabethschule haben bereits in diesem Schuljahr die Kapazitätsgrenze von 145 Plätzen bei der Aufnahme in die Klasse 5 erreicht.

Die Eltern des Gymnasiums an der Leopold-Lucas-Straße schlagen Alarm: „Die Schulgemeinde der Elisabethschule sieht mit Sorge, dass sich die Raumsituation an der Schule immer weiter verschlechtert, und sie befürchtet, dass im Schuljahr 2021/22 ein ganzer Jahrgang nicht untergebracht werden kann, wenn wieder neun Jahrgänge an der Schule unterrichtet werden.“ So beginnt die „Resolution zur Raumsituation an der Elisabethschule“, die im Oktober auf der Schulelternbeiratssitzung, in der Gesamtkonferenz, in der Schülerratssitzung sowie im November von der Schulkonferenz einstimmig beschlossen wurde. Sie liegt sowohl der Stadt als Schulträger, als auch der OP von einem besorgten ­Elternpaar vor.

Der Stadt ist das Raumproblem durchaus bekannt, denn es gibt einen regelmäßigen Austausch zwischen Schule und Verwaltung.
Letztere sieht allerdings „die deutliche Ausweitung des Ganztagsangebotes an der Schule“ als Auslöser des Raummangels „und nachrangig in ­geringem Maße die vollständige Rückkehr der Schule zu G9 ab dem Schuljahr 2021/22.“

In der Resolution heißt es ­allerdings: „Wegen der Rückkehr zu G9 wird im Schuljahr 2021/22 ein ganzer Jahrgang zusätzlich an der Elisabethschule unterrichtet werden müssen.“

In Zahlen ausgedrückt heißt das: zu den derzeit 1086 Schülern, für die es bereits jetzt nicht genug Räume gibt, kommen in zwei Jahren noch einmal 214 Schüler in mindestens sieben Klassen hinzu. Schon jetzt zählen die 30 Klassen der Sekundarstufe I fast ausschließlich 27 bis 31 Schüler, von denen einige in Klassenräumen unter 50 Quadratmeter unterrichtet werden. Das sind nicht einmal zwei Quadratmeter pro Schüler. Jedem Huhn in Freilandhaltung steht mehr Auslauf zu.

Weiterhin müssen drei Klassen der Jahrgangsstufe 10 im Gymnasium Philippinum unterrichtet werden. „Da diese Schule­ ­bereits ein Jahr vorher zu G9 ­zurückkehrt“, so steht es in der Resolution, „wird es kaum möglich sein, freie Raumkapazitäten dieser Schule weiter zu nutzen.“ Die Unterzeichner geben auch zu bedenken, „dass die Schülerzahlen in Marburg eher steigen als fallen werden.“

Angesichts dieser Entwicklung ist spätestens im Schuljahr 2021/22, und das bei sehr vorsichtiger Schätzung, mit einem zusätzlichen Raumbedarf von mindestens fünf Klassenräumen zu rechnen. Daraus resultierend ergibt sich auch ein anteilig ­höherer Bedarf an Fachräumen, insbesondere in den Naturwissenschaften.

Das sieht die Stadt allerdings anders: „Es gibt derzeit keine­ konkreten Raumprobleme aufgrund steigender Schülerzahlen. Vielmehr ist es so, dass auch an anderen Schulen ­gerade durch den notwendigen Ausbau der Betreuungsangebote an den Grundschulen oder die Fortentwicklung im Ganztagsbereich zusätzlicher Raumbedarf geltend gemacht wird.“

Derzeit werden an drei Grundschulen, Marbach, Bauerbach und Wehrda, Räume zur Mittagsversorgung gebaut.

Dabei hatte die Elisabethschule schon 2016 im Rahmen ­dieses Programmes die Aufstockung des D-Traktes vorgeschlagen, um so drei Klassenräume zu ­gewinnen und dem zusätzlichen Bedarf an Unterrichtsräumen auf lange Sicht zu decken. Jetzt schlägt sie zusätzlich vor, in dem Winkel zwischen den Gebäuden B, C und D weitere drei Räume, darunter mindestens einen naturwissenschaftlichen Fachraum, zu schaffen.

Aber der Ausbau von Schulräumen scheint offenbar im aktuellen Bildungsbauprogramm (Bibap) der Stadt keine Berücksichtigung zu finden, dafür aber der Bau von Essensräumen. Immerhin: „Der Magistrat beschäftigt sich derzeit mit der Resolution.“

von Katja Peters