Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg „Leberwurscht und Tickets passen auch nebeneinander“
Marburg „Leberwurscht und Tickets passen auch nebeneinander“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:58 28.09.2021
Neben der Tourist-Information im Erwin-Piscator-Haus entsteht demnächst in der Oberstadt eine Zweigstelle in Kombination mit einem Regionalladen.
Neben der Tourist-Information im Erwin-Piscator-Haus entsteht demnächst in der Oberstadt eine Zweigstelle in Kombination mit einem Regionalladen. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Wie zuvor im Hauptausschuss, diskutierten die Stadtverordneten lebhaft über den Vorschlag des Magistrats, neben der Tourist-Information im Erwin-Piscator-Haus eine weitere in der Marburger Oberstadt einzurichten. Wie im Hauptausschuss trugen auch am Freitagabend die CDU/FDP-Fraktion und die BfM-Vertreter die Gegenargumente vor, wobei Andrea Suntheim-Pichler am Ende doch für die Kombination von Tourist-Info und Regionalladen stimmte. Sie habe im Hauptausschuss ihre Skepsis sehr plakativ dargestellt, als sie sagte, sie könne sich schwer vorstellen, dass in dem Regionalladen links Schweinefleisch, rechts Gemüse und in der Mitte Tickets verkauft würden, erklärte die Vertreterin der „Bürger für Marburg“.

Die Tourist-Information am Erwin-Piscator-Haus „ist super für Touristen, die in Bussen kommen“, fügte Suntheim-Pichler am Freitagabend an, aber Gäste, die auf anderen Wegen nach Marburg kommen, fänden die Tourist-Info nicht, suchen sie in der Oberstadt. Dort bemühe sich das Stadtmarketing seit Jahren um einen Standort in sehr guter Lage und nun bedauere sie, dass es Marburg nicht wichtig genug sei, in der Oberstadt eine eigene Tourist-Info zu betreiben.

Ablehnende Argumente trug auch der CDU-Fraktionschef Jens Seipp vor, auch wenn er betonte, dass diese sich nur gegen das Konzept richteten. Man brauche weitere Informationen und halte es für wenig sinnvoll die Tourist-Info als Untermieter in Kombination mit einem Regionalladen zu betreiben. Außerdem stellten sich die Fragen nach der Aufteilung der Kosten für Raum und Personal. Schließlich profitiere der Regionalladen von den Kunden, die meinten, sie wären in einer Touristen-Information. Sollte die Stadt die Tourist-Info selbst betreiben, ginge die CDU sofort mit, fügte Seipp an.

Demografiepreis

Die Grünen fänden das Konzept angebracht, weil es neue Interessensschichten eröffnen könnte, erklärte Marco Nezi. Der Tourismus sei eines der priorisierten Themen der Stadt und es gelte, Marburg besser zu vermarkten. Es handele sich um einen zusätzlichen Service für Touristen, fügte der Grüne an, der auch den Aufbau von Doppelstrukturen verneinte, weil der Test auf zwei Jahre angelegt sei und nach anderthalb bewertet werde.

Auch der Sozialdemokrat Schaker Hussein verwies auf den zeitlich begrenzten Versuch mit einem „innovativen Konzept“. Die Betreiber des Regionalladens seien hoch angesehen, gewannen mit ihrer Marktscheune in Wittelsberg den Hessischen Demografiepreis. Er könne die aus dem OP-Bericht entnommenen Aussagen im Hauptausschuss nicht nachvollziehen, meinte Schaker Hussein: „Verpackte Wurst neben Tickets sehe ich nicht so dramatisch.“   

„Vorne geht man an der Leberwurst vorbei, hinten kommt man an den Infopoint. Leberwurscht und Tickets passen auch nebeneinander“, verdeutlichte Inge Sturm ihre Sicht. Man solle für neue Ideen offen und flexibel sein, fügte die Vertreterin der Linkspartei an und verwies darauf, dass eine Beraterfirma dieses „ordentliche Konzept für eine Tourist-Info“ erstellt habe, dem der Landkreis mit den Stimmen der CDU zugestimmt habe. Das geschah auch im Stadtparlament mit den Stimmen von BfM, Linke, Klimaliste, Grünen, SPD, AfD und Piraten.

Von Gianfranco Fain