Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Lautlos im Bus durch Marburg
Marburg Lautlos im Bus durch Marburg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 21.12.2021
Auf Testfahrt durch die Stadt im neuen E-Bus begaben sich (von links): Stadtwerke-Geschäftsführer Holger Armbrüster, Jonas Becker von der Kommunikationsabteilung der Stadtwerke, Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Bernhard Müller, Oberbürgermeister und Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Thomas Spies sowie Wolfgang Otto als Geschäftsführer der Marburger Verkehrs-GmbH.
Auf Testfahrt durch die Stadt im neuen E-Bus begaben sich (von links): Stadtwerke-Geschäftsführer Holger Armbrüster, Jonas Becker von der Kommunikationsabteilung der Stadtwerke, Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Bernhard Müller, Oberbürgermeister und Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Thomas Spies sowie Wolfgang Otto als Geschäftsführer der Marburger Verkehrs-GmbH. Quelle: Gianfranco Fain
Anzeige
Marburg

Es ist so, als ob das neue Fahrzeug für sie unter dem Weihnachtsbaum steht. Alle Vertreter der Stadtwerke und der Stadt Marburg freuen sich am Freitag beim Vorstellen des neuen Elektrofahrzeugs. Weshalb dies so ist, bricht aus Frank Morczinek heraus: „Das ist endlich ein richtiger Elektrobus aus deutscher Produktion“, sagt der Betriebsratsvorsitzende, der es als Fahrer und Einweiser wissen muss. Der Citaro C2 E-Cell sei solide gebaut, alle Komponenten täten ihre Dienste, nichts klappere und die Reichweite sei nun auch für längere Strecken ausreichend, verkündet Morczinek seine Meinung, begibt sich ins „Cockpit“ und ist bereit für die Probefahrt.

Und tatsächlich fährt der Bus lautlos an. Zwar knarzt und manchmal klappert es bei der Fahrt vom Busdepot zum Bahnhof auch im Fahrgastraum, doch das ist wie bei jedem anderen Standardbus bauartbedingt. Nicht zu überhören ist einzig die Belüftungs- beziehungsweise Klimaanlage, selbst dann noch, als Morczinek beim Rückweg auf der Stadtautobahn „Gas“ gibt und das Aggregat des Busses schnurrt, als ob eine Turbine zugeschaltet ist. Das werden die Fahrgäste während des einwöchigen Testbetriebes allerdings nicht erleben. Der Elektrobus verkehrt auf der Linie 3 im Stadtgebiet, wo Fahrgäste – unter Beachtung der 3G-Regeln – an den Haltestellen zusteigen und kostenlos mitfahren können.

Öffentlicher Nahverkehr soll umweltfreundlicher werden

Vor dem ersten Einsatz des neuen Busses im Zentrum der Universitätsstadt, den Mercedes-Benz den Stadtwerken für Probezwecke zur Verfügung stellt, war Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies gespannt auf die Testfahrt. Eine solche habe er vor drei Jahren schon miterlebt, berichtet der Aufsichtsratsvorsitzende der Stadtwerke. Dabei habe er eine „bemerkenswerte Erfahrung“ gemacht, sagt Spies: „Es ging einmal den Berg rauf, dann war Schluss.“

Nun sei er gespannt auf die Erfahrungen, die ab diesem Samstag im einwöchigen Probebetrieb gemacht werden. Schließlich sei es die Aufgabe der Stadtwerke in der Wärmeversorgung und der Mobilität, die Initiative zu ergreifen, damit die Stadt Marburg wie angestrebt 2030 klimaneutral sein könne. Auf jeden Fall soll der öffentliche Personennahverkehr umweltfreundlicher werden. Dass die leiseren Elektrobusse gut angenommen würden, ließe sich auf der Linie 10 beobachten, auf der „Elisa“ und „Emil“ bis zu 40 Fahrgäste zum Schloss befördern.

Die Stadtwerke seien auf der Suche nach Lösungen für verschiedene Anforderungen, weil es die eine Lösung für alles nicht gibt, äußert Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Bernhard Müller die Sicht der Leitungsebene des Versorgungsunternehmens. Deshalb sind seit einigen Monaten Fahrzeuge mit Gas-/Hybridantrieb im Test und seit März eben die beiden kleinen Elektrobusse. Es gibt auch Verbindungen zur Technischen Hochschule Mittelhessen hinsichtlich des Antriebs mit Wasserstoff.

Und schließlich soll im Jahr 2025 das Batterie-Oberleitungsbus-System, kurz BOB, in Marburg eingeführt werden. Für die baulichen Veränderungen ist das Planfeststellungsverfahren schon eingeleitet, doch „BOB wird auch nicht alle unsere Probleme lösen“, sagt Müller.

Deshalb dieser Test mit einem Elektro-Standardbus, der relativ weit fahren könne und an der Endstation einer Linie seine Batterie über einen Pantografen in kurzer Zeit zum Teil wieder aufladen könne.

Am Linienkopf sei in fünf bis acht Minuten eine Kapazität für 20 bis 30 Kilometer zu erreichen, erklärt Wolfgang Otto. Die Hauptladung erhalten die Busse aber über Nacht im Depot, ergänzt der Geschäftsführer der Marburger Verkehrs-GmbH. Der Testbus werde auf der Linie 3 eingesetzt, um zu beobachten, wie sich das Fahrzeug bewähre, wenn es die rund 60 Höhenmeter in Cappel überwinden müsse. Denn an Steigungen und beim Anfahren verbrauchen die E-Busse die meiste Energie.

Deshalb sei man auf das Nachfolgemodell gespannt, das schon produziert werde, gewährt Holger Armbrüster einen Einblick in die Zukunft. Laut des Stadtwerke-Geschäftsführers kommt dieses Modell im Frühjahr ebenfalls zu Testzwecken nach Marburg. Der Nachfolger habe eine Batteriekapazität von 400 statt 240 Kilowattstunden, erklärt Wolfgang Otto, womit die Anforderungen der Linie 3 problemlos zu bewältigen wären. Aber man wolle erst Erfahrungen sammeln, bevor im nächsten Jahr eine Kaufentscheidung zu treffen sei, sagt Armbrüster.   

Von Gianfranco Fain