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Marburg Klettertour der Mietpreise scheint beendet
Marburg Klettertour der Mietpreise scheint beendet
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00:18 29.04.2019
Laut einer Mietpreis-Auswertung des Immobilien-Dienstleisters Immowelt.de gibt es Anzeichen für eine Entspannung auf dem ­gesamten mittelhessischen Wohnungsmarkt.  Quelle: Björn Wisker
Marburg

Die Nettokaltmiete­ für Marburger Studentenwohnungen betrug sowohl im Jahr 2017 als auch im vergangenen Jahr rund 320 Euro – also plus minus null Prozent bei der Mietpreisentwicklung. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Mietkosten für Wohnungen bis 40 Quadratmetern und Ein- bis Zwei-Zimmerapartments in den 68 größten Studentenstädten durch den Online-Immobilien-Dienstleister Immowelt.de.

90.000 Wohnungsinserate flossen nach Unternehmensangaben in die aktuelle Erhebung ein. Ähnliche Resultate gibt es für das ganze mittelhessische Gebiet und die angrenzenden Regionen. Demnach liegt der Mieten-Median in Gießen gleichbleibend bei 350 Euro pro Monat, in Kassel unverändert bei 280 Euro. In Siegen sind es im Vergleich der vergangenen beiden Jahren jeweils 250 Euro und in Fulda 360 Euro – eine dreiprozentige Mietpreissteigerung.

Anders die Lage im Rhein-Main-Gebiet: In Frankfurt ist der Miet-Median für Klein-Apartments binnen zwei Jahren um 13 Prozent auf 530 Euro pro Monat gestiegen, in Darmstadt um sechs Prozent auf 380 und in Wiesbaden um drei Prozent auf 390 Euro.

Markt hat "seinen Zenit wohl erreicht"

Und so sieht es in einigen mit Marburg in Bezug auf Einwohner- und Studentenzahlen vergleichbaren Städten aus: In Tübingen sanken die Kleinapartment-Mieten um drei Prozent auf 370 Euro, in Erlangen stiegen sie um drei Prozent auf 380 Euro. In Göttingen liegen sie konstant bei 330 Euro.

Die Studienautoren sprechen bei Städten mit gleichbleibenden Mietpreis-Durchschnitten wie Marburg, Göttingen oder auch Münster – wo es wie in Tübingen Preissenkungen gab – davon, dass der Markt „seinen Zenit wohl erreicht“ habe und Mieter „nicht bereit sind, noch mehr zu bezahlen“.

Ein Grund für die Entwicklung in Marburg ist nach Einschätzung von Immobilienexperten die anhaltende Bautätigkeit in Marburg. 1.600 Wohneinheiten, vor allem Eigentumswohnungen und Häuser, sind laut Stadtplanung alleine zwischen den Jahren 2013 und 2017 entstanden. 820 weitere befinden sich seit Monaten im Bau oder sind genehmigt, ­etwa 900 weitere Apartments sind geplant.

Die in Bezug auf Wohnen teuerste Stadt ist München, wo die Mieten im Schnitt um 13 Prozent auf monatlich 790 Euro stiegen. Den größten Preissprung zwischen 2017 und 2018 erlebte laut Immowelt-Auswertung Stuttgart, wo ein 22-prozentiger Aufschlag auf nun 500 Euro verzeichnet wurde.

WGs teurer, aber trotzdem mit großem Spar-Faktor

Ein Platz in einer Marburger Wohngemeinschaft kostete laut Erhebungen aus den vergangenen beiden Jahren im Schnitt 335 Euro – allerdings nicht kalt, sondern warm. Trotz bis zuletzt steigender Zimmerpreise auch im WG-Sektor ist die Kostenersparnis in der Stadt im Vergleich zum Wohnen in einer Singlewohnung deutschlandweit mit am höchsten, sie liegt – in den vergangenen Jahren nur leicht schwankend – zwischen 16 und 20 Prozent.

Konkret: Pro Quadratmeter kostete ein WG-Zimmer rund neun Euro, während für Single-Apartments etwa elf Euro fällig wurden. Eine aktuelle Warmmieten-Auflistung des Internetportals WG-Suche.de bestätigt das Preisniveau der Vorjahre und gibt für das zurückliegende Wintersemester mit 343 Euro pro Monat an.

Eine 30 Quadratmeter große Singlewohnung kostet demnach 100 Euro mehr. Dass die WG-Ersparnis in Gießen noch größer zu sein scheint, zeigen die Zahlen für Marburgs Nachbarstadt: In einer WG verlangten die Vermieter 350, für eine Kleinwohnung 492 Euro Warmmiete. Mit 258 Euro ist es noch billiger, wenn man als WG aus dem Stadtgebiet in den Landkreis Marburg-Biedenkopf zieht.

von Björn Wisker