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Marburg Riese hütet Geheimnis seiner Größe
Marburg Riese hütet Geheimnis seiner Größe
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16:58 18.02.2020
Im Museum Anatomicum steht das Skelett des „Langen Anton“. Das Originalbild wurde auf die Seite gelegt, um das Skelett komplett zu zeigen. Quelle: Nadine Weigel/Archiv
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Marburg

Langeweile kommt mit dem „Langen Anton“ nicht auf: Wieso der 
Riesenmensch so groß wurde, wie er wurde, bleibt trotz wissenschaftlicher Untersuchungen ein Rätsel.

Mehr als 400 Jahre alt ist das Skelett des 2,44 Meter großen Mannes – und mit einer Gen-Analyse wollten Forscher zuletzt die genaue Ursache für dessen Riesenwuchs herausfinden.

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Aber: „Man muss wohl davon ausgehen, dass das Experiment nicht gelungen ist“, sagt Gerhard Aumüller, emeritierter Anatomie-Professor, der vor seinem Ruhestand Leiter des medizinhistorischen Museums ­„Anatomicum“ der Philipps-Universität war. Der „Lange Anton“ ist eines der etwa 3.000 ­Exponate – allerdings durchaus das Herzstück.

Der Riese war Leibwächter

In Belgien wurde demnach schon vor einiger Zeit die Analyse durchgeführt. Dafür wurde eine Probe aus dem Felsenbein von Antons Schädel entnommen. „Aber offenbar war die DNA so weitgehend fragmentiert, dass es den Kollegen nicht gelungen ist, angemessen große DNA-Abschnitte und Mengen zu synthetisieren.“ Das Gen-Material habe also nicht genutzt werden können, um schlüssige Ergebnisse zu bekommen.

Der „Lange Anton“ hieß zu Lebzeiten Anton de Franchepoinct. Er wurde zwischen 1544 und 1561 in Geldern am Niederrhein geboren und starb 1596. Zum Ende seines Lebens war der Riese wohl Leibwächter des Heinrich Julius von Braunschweig Wolfenbüttel. Wegen­ seiner Größe hatte Anton es schon damals zu einiger Bekanntschaft gebracht.

Die Forscher gehen davon aus, dass Anton einen gutartigen Tumor in der Hirnanhangdrüse hatte, der ihn so riesig werden ließ. Dahinter könnten verschiedene genetische Störungen stecken, erläutert Aumüller.

Anton liegt auf Platz 25 der größten Menschen

Mit der DNA-Analyse habe man herausfinden wollen, um welche es genau gehe. Dann hätte man weitere Erkenntnisse über den Gesundheitszustand vom „Langen Anton“ gewinnen können.

Der bis heute nachweislich größte vermessene Mensch der Welt war der Amerikaner Robert Wadlow (1918 bis 1940), der mit seinen 2,72 Meter im Guinnessbuch der Rekorde steht. Der größte lebende Mensch ist der Türke Sultan Kösen mit 2,51 Meter. Der größte lebende Deutsche ist der ehemalige Basketball-Nationalspieler Rolf Mayr, der 2,22 Meter misst. Marburgs langer Anton schaffte es nach diesem Ranking auf die 25. Stelle weltweit.

Erst im Jahr 1810 kam der „Lange Anton“ als Exponat in die Anatomische Sammlung nach Marburg, nachdem dieses 200 Jahre in Helmstedt zu sehen war. Im Jahr 2017 war das Skelett für fünf Monate nach Nürnberg umgezogen (siehe Video).

von Carolin Eckenfels

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