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Marburg Landwirten geht das Tierfutter aus
Marburg Landwirten geht das Tierfutter aus
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11:58 16.10.2020
Eine einzelne grüne Luzerne wächst auf einem vertrockneten Feld. Quelle: Jan Woitas/dpa
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Die Nachwirkungen des trockenen Frühjahrs stellen Landwirte auch im Herbst noch vor Probleme. „Das Tierfutter ist knapp“, sagt Bernd Weber, Sprecher des Hessischen Bauernverbandes. Stark betroffen seien die Landkreise Waldeck-Frankenberg, Hochtaunus und der Odenwald. Dort sei das Grünland wegen Wassermangels sehr spärlich gewachsen. Die Landwirte müssten Futter zukaufen oder die Zahl ihrer Tiere reduzieren.

Für Viehhalter ist die Situation „sehr schwer“

In diese Reihe könne sich bedauerlicherweise auch Marburg-Biedenkopf einreihen, teilt Karin Lölkes, Vorsitzende des Kreisbauernverbands Marburg-Kirchhain-Biedenkopf mit: „Es ist auch hier weiter schlimm und sehr regenarm.“ Wo der sogenannte erste und zweite Schnitt an Futterpflanzen in diesem Jahr noch gut ausfiel, kam danach nicht mehr viel nach. In der Regel könnten die Landwirte alle vier bis fünf Wochen mähen, das habe sich zuletzt aber kaum gelohnt. Die Folge für den Wintervorrat an Futter sei entsprechend schlecht und die Bauern müssen darauf reagieren. Für alle Viehhalter – ob von Rindern, Pferden oder Schafen – sei die Situation „sehr schwer“, viele mussten ihre Tiere früher als üblich von der Weide holen. Gleichzeitig fehlten die Vorräte aus früheren Jahren, die ebenso mager ausgefallen waren. Laut Landesbauernverband ist es bereits das dritte Jahr in Folge mit solchen Problemen. So war durch die geringen und regional sehr unterschiedlichen Niederschläge im März und April auf Wiesen wenig gewachsen. Für die Landwirte, die mehrfach im Jahr mähen, brachte mancherorts bereits der erste Schnitt schon starke Einbußen. Auch der als Tierfutter verwendete Silomais habe nicht die Erträge gebracht, die nötig gewesen wären, um die Lücke zu schließen.

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Der Zukauf von Futter sei nicht nur teuer, sondern oft aufwendig: Da in der Regel alle Landwirte einer Region ähnlich stark betroffen seien, müsse Futter über größere Entfernungen transportiert werden. Die Auswirkung: „Einige Betriebe mussten ihre Rinderbestände verringern.“ Bevor ein Tier hungere, verkaufe man es lieber. Schlachtgewicht hätten die Tiere dann meist nicht erreicht.

Rinderhaltung ist die stärkste Einnahmequelle

Die Landwirte haben noch Chancen, die Futterknappheit im Herbst zu lindern. Angesichts der Situation hätten Bund und Land die Möglichkeit geschaffen, auch den Bewuchs von ökologischen Vorrangflächen zu verfüttern. „Das ist aber nur eine Notlösung, das ist nicht unbedingt hochwertiges Futter.“ Laut dem Landesbetrieb Landwirtschaft ist die Rinderhaltung die stärkste Einkommensquelle der hessischen Viehwirtschaft. Rund 417 000 Rinder werden in rund 7800 Betrieben gehalten.

Von Gehlen Goeran und Ina Tannert

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