Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Bauern setzen leuchtendes Zeichen für Flutopfer
Marburg Bauern setzen leuchtendes Zeichen für Flutopfer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:55 05.12.2021
Landwirte aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf fahren in einem weihnachtlichen Schlepperkonvoi durch Marburg. Die Fahrt mit dem Titel „Ein Funken Hoffnung“ wurde für die Flutopfer im Ahrtal organisiert.
Landwirte aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf fahren in einem weihnachtlichen Schlepperkonvoi durch Marburg. Die Fahrt mit dem Titel „Ein Funken Hoffnung“ wurde für die Flutopfer im Ahrtal organisiert. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

„Wow, guck mal, so viele tolle Lichter!“ Der kleine Kilian kam gar nicht aus dem Staunen heraus am Samstagabend (4. Dezember). Eigentlich wollte der Vierjährige nur mit seiner Mutter vom Einkaufen nach Hause gehen, als plötzlich rund 60 weihnachtlich beleuchtete Schlepper durch die Uni-Straße fuhren.

Unter dem Motto „Ein Funken Hoffnung für die Flutopfer“ hatten sich Bäuerinnen und Bauern aus dem ganzen Landkreis zusammengetan und waren mit ihren PS-starken Arbeitsgeräten nach Marburg gefahren. In mühevoller Arbeit hatten sie zuvor ihre Schlepper mit meterlangen Lichterketten, Tannenzweigen und Rentieren geschmückt, um sich dann am Landratsamt zu treffen.

„Wir wollen dafür sorgen, dass die Flutopfer nicht vergessen werden“, erklärte Harald Platt, der mit einer Gruppe Landwirte die Aktion initiiert hatte. Bereits im letzten Jahr hatten Platt und Co. einen Weihnachts-Traktoren-Konvoi rund um die Uni-Klinik organisiert – verbunden mit einer Spendenaktion für die Kinderklinik. In diesem Jahr waren die Flutopfer in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen der Anlass für die landwirtschaftliche Weihnachtsparade. Harald Platt selbst war kurz nach der Katastrophe im Juli mit anderen Bauern als Helfer im Ahrtal gewesen, um tatkräftig mit anzupacken. „Diese schrecklichen Bilder werde ich mein Leben lang nicht vergessen“, erinnert sich der Landwirt aus Altenvers, der seither Spenden für die Flutopfer sammelt. Über die Gemeinde Lohra hat er ein Spendenkonto eingerichtet, mit dessen Hilfe er den Wiederaufbau des zerstörten Backhauses in Walporzheim im Ahrtal unterstützen will.

Von Beginn an hatten die heimischen Landwirte Solidarität mit den von der Flut Betroffenen gezeigt. So wurden Lkw-Ladungen voll Heu, Stroh, Kartoffeln und Brennholz von Marburg-Biedenkopf ins Katastrophengebiet transportiert. Und eigentlich hatten die Landwirte auch an diesem Samstag noch vor, Glühwein und regionale Lebensmittel zu verkaufen, um Spenden zu sammeln. Doch aufgrund der Corona-Pandemie musste dies kurzfristig leider abgesagt werden.

Um größere Menschenansammlungen zu vermeiden, hatten sich die Schlepperfahrer zudem dazu entschlossen, die Route nicht vorher anzukündigen. Aber es war ihnen dennoch wichtig, ein sichtbares Zeichen zu setzen, damit das Schicksal der Flutopfer nicht vergessen wird. „Auch wenn das Ereignis schon länger vorbei ist, dürfen wir sie nicht vergessen – vor allem nicht jetzt in der Weihnachtszeit“, findet Harald Platt.

Und dass die Bäuerinnen und Bauern neben dem „Funken Hoffnung für die Flutopfer“ mit ihren weihnachtlich beleuchteten Traktoren auch noch für strahlende Kinderaugen und lächelnde Gesichter bei vielen Passanten in Marburg sorgten, war ein positiver, weihnachtlicher Nebeneffekt.

Von Nadine Weigel