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Marburg Schlagabtausch ums Klima
Marburg Schlagabtausch ums Klima
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07:58 09.05.2022
Die Landratskandidatinnen und -kandidaten Jens Womelsdorf (SPD), Marian Zachow (CDU), Carola Carius (Grüne), Anna Hofmann (Die Linke), Thomas Riedel (FDP) und Dr. Frank Michler (WDMR) beim OP-Wahlforum. Moderiert wurde die Veranstaltung von OP-Redakteur Carsten Beckmann und den OP-Redakteurinnen Ina Tannert sowie Nadine Weigel.
Die Landratskandidatinnen und -kandidaten Jens Womelsdorf (SPD), Marian Zachow (CDU), Carola Carius (Grüne), Anna Hofmann (Die Linke), Thomas Riedel (FDP) und Dr. Frank Michler (WDMR) beim OP-Wahlforum. Moderiert wurde die Veranstaltung von OP-Redakteur Carsten Beckmann und den OP-Redakteurinnen Ina Tannert sowie Nadine Weigel. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Zum mit Spannung erwarteten OP-Talk stellten sich gestern Nachmittag im Druckereigebäude der Oberhessischen Presse sechs der sieben Kandidaten und Kandidatinnen zur Landratswahl den Fragen von Carsten Beckmann, Ina Tannert und Nadine Weigel. Nach der Eingangsfrage, was die Kandidaten und Kandidatinnen jeweils garantiert besser können als die anderen, stieg die Runde in den ersten Themenkomplex Klimawandel und Umweltpolitik ein.

Die Umweltpolitik müsse sich am Menschen orientieren, meint Thomas Riedel (FDP). Über die Notwendigkeit müsse man nicht diskutieren, die Frage sei, wie es am verträglichsten für Mensch und Umwelt sei. In dieser Hinsicht ginge es hinsichtlich Abstandsregeln oder Wälder noch deutlich auseinander. Carola Carius möchte Grüne Klimapolitik betreiben, indem die „ganze Palette“ vorangetrieben werde, das sei der Klimaschutz mit der Energiewende in Richtung Strom und bei der Gebäudeheizung. Besonders bei dieser bestehe erheblicher Nachholbedarf, ebenso bei der Klimaanpassung und beim Artenschutz. Stromerzeugung müsse durch erneuerbare Energien geschehen und die Gebäude durch Geothermie geheizt werden.

Noch mal durchstarten müsse man bei den Bioenergiedörfern, meint der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow. Im Landkreis sei mehr erforderlich, ergänzte der Christdemokrat. Bei dem Sanieren von Gebäuden seien große Maßnahmen ergriffen worden, was weiterhin erfolgen müsse. Allerdings verursache der Verkehr die meisten Schadstoffe, weshalb ihm die nachhaltige Mobilität sehr wichtig sei. Und weil die Schwerindustrie im Landkreis eine Bedeutung hat, will Zachow die Region zum Vorreiter mit Wasserstoff machen. Zachows Aussage zur Sanierung von Gebäuden rief ein Veto von Carola Carius hervor. Mit einem Gesamtwert von einem Prozent sei der Landkreis besonders bei der privaten Gebäudesanierung vom Zwei-Prozent-Ziel weit entfernt.

Für eine umweltfreundliche Verkehrspolitik sieht der SPD-Kandidat Jens Womelsdorf aus seiner Arbeit beim Automobilclub Europa noch gute Chancen im Landkreis. Als Beispiele nannte er die Radwegeentwicklung, das Vernetzen von Verkehrsträgern, was zum Reduzieren des Schadstoffausstoßes führen könne. Auch beim Güterverkehr würde eine Kopplung an die Bahnstrecken Potenziale freilegen, was dazu führen könne, dass Straßenneubauten nicht mehr erforderlich seien.

Auch die Bundespolitik kommt zur Sprache

Das Bestücken der 500 kreiseigenen Gebäude mit Solaranlagen und ein kostenloser öffentlicher Personennahverkehr muss finanziell leistbar sein, findet Anna Hofmann, „weil wir uns in einem Klimanotstand befinden“. Sonst folge eine Klimakatastrophe, prophezeit Die Linke-Politikerin. Fürs Umsteuern könne der Kreis einiges selbst tun, um bis 2035 klimaneutral zu sein, allerdings bedürfe es dazu auch einer Analyse über Erfordernisse und Potenziale. Auf Nachfrage über die Kompromisslosigkeit sagte Anna Hofmann: „Wenn wir 100 Milliarden Euro für Rüstung zur Verfügung stellen, können wir die auch in erneuerbare Energien stecken, was viel sinnvoller wäre.“

Dr. Frank Michler bezeichnete das Militär als einen der größten Umweltverschmutzer. Deshalb setze er sich „ganz stark“ gegen Waffenlieferungen an die Ukraine ein. Ein weiteres Problem sei „die irrsinnige Maskenpflicht in Zügen“, die dazu führte, dass mehr Menschen vom Zug aufs Auto umstiegen. Und Fracking-Gas sei keine Lösung für Deutschland, da dieses extrem umweltverschmutzend hergestellt werde.

Zu diesen Äußerungen zog Zachow die Veto-Karte, damit bundespolitische Themen außen vor blieben. Außerdem seien die Investitionen in die Sicherheit „unabdingbar“. „Wenn wir die Sicherheit und Freiheit unseres Landes nicht verteidigen können, haben wir eine ganz schlechte Zukunft vor uns“, sagte der CDU-Politiker. Michler entgegnete, dass sich Deutschland durch Waffenlieferungen zur Kriegspartei mache, erhöhe dies nicht die Sicherheit Deutschlands. Dann begebe man sich auf ein gefährliches Terrain, auf dem das Reinrutschen in einen Dritten Weltkrieg riskiert werde. Zu Michlers Aussage, die Bürgerliste Weiterdenken sei die einzige Gruppierung im Kreistag, die sich klar gegen Waffenlieferungen aussprach, entgegnete Anna Hofmann mit ihrem Veto: „Auch Die Linke hat sich klar gegen Waffenlieferungen ausgesprochen.“

Von Gianfranco Fain