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Marburg Jens Womelsdorf: „Einer, der’s kann“
Marburg Jens Womelsdorf: „Einer, der’s kann“
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16:35 20.02.2022
Unterbezirksvorsitzender Sören Bartol (links) gratuliert Jens Womelsdorf nach dessen Nominierung.
Unterbezirksvorsitzender Sören Bartol (links) gratuliert Jens Womelsdorf nach dessen Nominierung. Quelle: Till Conrad
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Marburg

Jens Womelsdorf (41) geht mit voller Rückendeckung der SPD in die Landratswahl am 15. Mai. 111 von 114 Genossinnen und Genossen stimmten bei der Mitgliederversammlung am Samstag (19. Februar) im Cineplex für den früheren Kreisgeschäftsführer der Partei; das bedeutet eine Zustimmung von 97,3 Prozent. Hinzu kamen zwei ungültige Stimmen.

Die Wahl war notwendig geworden, nachdem die amtierende Landrätin Kirsten Fründt am 19. Januar im Alter von 54 Jahren ihrer schweren Krebserkrankung erlegen war. Entsprechend begann die Mitgliederversammlung mit einem bewegenden Gedenken an die beliebte Landrätin. Schon dem Kreisvorsitzenden Sören Bartol brach mehrmals die Stimme, als er in einer kurzen Ansprache sagte: „Wir werden sie nie ersetzen können.“

Fründts engstem Mitarbeiter und langjährigem Freund Ralf Laumer, der 2014 gemeinsam mit der Verstorbenen im Kreishaus angefangen hatte, ging es nicht besser, auch er musste seine persönlich gehaltene Rede mehrfach unterbrechen. „Unsere offene Gesellschaft war eine Chance für Kirsten“, sagte Laumer. Fründt war zunächst Mitarbeiterin des Garten- und Friedhofsamts der Stadt Marburg, später Leiterin des Fachdienstes Sport. 2014 wurde sie von ihrer Partei als Landratskandidatin nominiert, nachdem der ursprünglich gewählte Kandidat seine Kandidatur zurückgezogen hatte.

„Kirsten brauchte keine formale Autorität“, sagte Laumer. Er beschrieb sie als „zutiefst empathisch“ und selbstbewusst zugleich; „sie war eine Ermöglicherin“, loyal zu ihren Mitarbeitern, und sie verband ihre Empathie mit der Fähigkeit zur Analyse. Aufgrund dieser Eigenschaften habe sie „Menschen für das Gemeinwesen erschlossen“, so Laumer. Aufgrund ihrer fachlichen und menschlichen Qualitäten hatte Kirsten Fründt auch in ihrer Partei eine Reihe von Ehrenämtern inne.

Landrat mit klarem sozialen Kompass

Ihr Nachfolger soll nun Jens Womelsdorf werden. Er stehe für sozialdemokratische Werte, sagte Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und ergänzte: „Mit Jens werdet ihr einen guten Landrat haben, einen, der das Herz am rechten Fleck hat und einen, der’s kann.“ Bartol begründete den einstimmig ausgefallenen Wahlvorschlag des Kreisvorstands mit Womelsdorfs Können und seiner „charakterlichen Reife“. Die Herausforderungen der Zukunft würden nicht kleiner.

Jens Womelsdorf ist gelernter Bankkaufmann, Diplom-Politikwissenschaftler und seit 2005 Mitglied der SPD. Er ist Mitglied des Kreistags und stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion im Marburger Stadtparlament. In seiner halbstündigen Bewerbungsrede sagte er, es fühle sich für ihn „jetzt richtig an, diesen Schritt zu tun“. Er werde ein Landrat sein, der einen klaren sozialen Kompass hat und der den „Feinden der Demokratie entschlossen entgegenstehen wird“.

„Ich kann Kirstens Fußstapfen unmöglich ausfüllen, aber ich habe die gleichen Vorstellungen wie sie“, sagte Womelsdorf. „Ich kann Finanzen“, bemerkte er mit Blick auf die gute Finanzsituation des Landkreises, und er bekannte sich zum „Kampf um gleiche Lebensverhältnisse“. Wohnen, Mobilität, Krankheitsvorsorge und Bildung seien wichtige Bausteine. Der Verkehrsexperte, der derzeit beim Auto Club Europa (ACE) beschäftigt ist, nannte für die Entwicklung der Mobilität die Stichworte digitale Verkehrsangebote, Rufbusse und die Vernetzung verschiedener Verkehrsträger. Das von Kirsten Fründt aufgelegte Investitionsprogramm für Schulen und Liegenschaften in Höhe von 160 Millionen Euro solle gemeinsam von der Verwaltung und einem interfraktionellen Arbeitskreis ausgestaltet werden.

Stehende Ovationen waren der Lohn der Mitglieder für die Rede Womelsdorfs und zugleich ein erstes Indiz dafür, dass die Partei sich aus der Schockstarre nach dem Tode von Kirsten Fründt löst. Jetzt beginne der Wahlkampf, und Thorsten Büchner, der Vorsitzende des SPD-Stadtverbands Marburg, hatte auch ein gutes Omen zur Hand: „Alle im Cineplex Nominierten haben ihre Wahlen gewonnen.“

Von Till Conrad

20.02.2022
20.02.2022