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Marburg Eine eigene Niederlage schließen beide aus
Marburg Eine eigene Niederlage schließen beide aus
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07:59 27.05.2022
OP-Talk zur Stichwahl für den Landrat Marburg-Biedenkopf am 25.5.22 mit der Oberhessischen Presse und dem Arbeitskreis für Kommunal- und Wirtschaftsfragen (AFK). Die Kandidaten Jens Womelsdorf (SPD) und Marian Zachow (CDU) diskutierten mit den Moderatoren Carsten Beckmann, Nadine Weigel (beide OP) und Jan Röllmann (AFK)
OP-Talk zur Stichwahl für den Landrat Marburg-Biedenkopf am 25.5.22 mit der Oberhessischen Presse und dem Arbeitskreis für Kommunal- und Wirtschaftsfragen (AFK). Die Kandidaten Jens Womelsdorf (SPD) und Marian Zachow (CDU) diskutierten mit den Moderatoren Carsten Beckmann, Nadine Weigel (beide OP) und Jan Röllmann (AFK) Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die beiden verbliebenen Landratskandidaten Marian Zachow (CDU) und Jens Womelsdorf (SPD) setzen jeweils auf ihren eigenen Erfolg. Dafür wollen sie in der Bevölkerung bis zuletzt für sich werben. Wortkarg reagierten sie, als sie beim Wahltalk, der am Mittwochabend live gestreamt wurde, gefragt wurden, was sie denn im Falle einer Niederlage machen werden. Da wollte sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt keiner auf etwas festlegen. Neben dem stellvertretenden OP-Chefredakteur Carsten Beckmann und OP-Redakteurin Nadine Weigel betätigte sich auch Jan-Bernd Röllmann im Auftrag des Arbeitskreises für Kommunal- und Wirtschaftsfragen als Fragesteller.

Wahltalk als Entscheidungshilfe

Insbesondere für Wählerinnen und Wähler, die sich noch nicht für einen Kandidaten entschieden haben, kann es von großen Nutzen sein, sich den etwas mehr als eine Stunde gehenden Stream anzusehen. Darin nehmen Marian Zachow und Jens Womelsdorf unter anderem auch Stellung zur Bildungspolitik und zur weiteren Entwicklung von Gewerbegebieten und der Digitalisierung im Landkreis. Und zum Thema Privatisiertes Universitätsklinikum haben beide auch eine klare Meinung: Der Verkauf war falsch. Jetzt gehe es darum, alles zu tun, dass den Beschäftigten gute Arbeitsbedingungen garantiert werden und nicht Gewinn-Maximierung an erster Stelle steht.

Konkrete Vorhaben in den ersten 100 Tagen

Nach eigenem Bekunden zeigten sich beide Kandidaten mit ihrem ersten Wahlergebnis sehr zufrieden und seien deshalb auch sehr motiviert in den um 14 Tage verlängerten Wahlkampf gegangen. Um es im Sinne der Wählerinnen und Wähler etwas fassbarer zu machen, was sie von den Kandidaten als Landrat erwarten können, wollte Röllmann genau wissen, was sie in den ersten 100 Tagen ihrer Amtszeit konkret angehen möchten. Jens Womelsdorf legt sich da auf die „Energiefrage“ fest. Die gestiegenen Preise auf dem Energiesektor bedürfen einer Antwort, und da könne auch der Landkreis liefern. Es gehe darum, Dörfer, die sich mitunter schon länger damit beschäftigen, eigene Energie zu erzeugen, darin zu bestärken und ihnen beim Vorhaben, über eine eigene Versorgung zum Bioenergiedorf zu werden, mit schlüssigen Konzepten zu helfen. Zachow, der als Erster Kreisbeigeordneter derzeit alleine in der Verantwortung an der Kreisspitze steht, konnte darauf zurückgreifen, was er ohnehin tun wird. Bis zu den Sommerferien sollen das drei Dinge sein: Er will das Betreuungsangebot für Grundschulkinder auf 17 Uhr ausweiten. Auch wolle er zu einem „Dächergipfel“ einladen und dabei Besitzer von Gebäuden mit großer Dachfläche motivieren, in Solaranlagen zu investieren. Zudem möchte er den „hybriden Handel“, die Mischung aus Online- und Präsenzhandel, zum Diskussionsthema mit Händlern machen. Womelsdorf signalisierte, dass er für die Ausweitung der Betreuungszeiten ebenfalls zu haben ist, es aber einer guten Strategie bedürfe, damit auch in dieser Zeit ein Angebot neben der reinen Betreuung gemacht werde.

Bei welchem Thema unterscheiden sich nun die Kandidaten? Zachow sagte: „Ich habe selten in diesem Wahlkampf von Jens Womelsdorf etwas zum Thema solide Finanzen gehört.“ Das sei aber aktuell mehr denn je ein Thema. Steigende Kosten und Preise führen zu „erheblichen Mehrbelastungen“, die wiederum dazu führen, dass sich der Kreis nicht alles Wünschenswertes auch sofort leisten könne.

Zachow und Womelsdorf zum Thema Schulden

Er, Zachow, stehe für die Schuldenfreiheit des Landkreises ein. Womelsdorf konterte: „Dass wir über solide Finanzen reden müssen, liegt im Kern auch daran, dass die Kommunen und Landkreise von der CDU-geführten Landesregierung etwas dünn gehalten werden.“ Auch wenn ihm ein schuldenfreier Landkreis lieb und teuer sei, müsse man abwägen. „Wenn ich beispielsweise eine energetische Sanierung einer Schule nicht mache, führt das nur dazu, dass wir in 20, 30 Jahren auf den erhöhten Kosten sitzen bleiben.“ Um die wenigen Flächen im Landkreis für Gewerbegebiete gewinnbringend entwickeln zu können, mit zahlreichen Arbeitsplätzen vor Ort, gibt es die Überlegung, mit der Stadt Marburg eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft GmbH zu gründen.

Womelsdorf warf Zachow vor, dass man sich da zu viel Zeit lasse, das Thema durchaus auch schon vor der Corona-Pandemie hätte vorangebracht werden können. Zachow meinte, dass man hier nach dem Motto „Gründlichkeit vor Schnelligkeit“ verfahren müsse. Im Übrigen sei es nicht der Landkreis, der auf der Bremse stehe. Für die Verkehrswende wollen beide Kandidaten sich starkmachen, dass das Radwegenetz, sofern vom Landkreis beeinflussbar, ausgebaut wird, wie auch der öffentliche Nahverkehr attraktiver gemacht werden soll mit dem Ziel, dass jedes Dorf innerhalb einer Stunde angefahren wird. 

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Von Götz Schaub