Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Landrätin gedenkt der Toten
Marburg Landrätin gedenkt der Toten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:11 18.04.2021
Doris Heckmann vom Kirchenvorstand der Gemeinde Cölbe zündete gestern in der Friedhofshalle in Cölbe eine Kerze an. An vielen Orten in Deutschland wurde am Sonntag den Opfern der Corona-Pandemie gedacht. Kleines Bild: Landrätin Kirsten Fründt.
Doris Heckmann vom Kirchenvorstand der Gemeinde Cölbe zündete gestern in der Friedhofshalle in Cölbe eine Kerze an. An vielen Orten in Deutschland wurde am Sonntag den Opfern der Corona-Pandemie gedacht. Kleines Bild: Landrätin Kirsten Fründt. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

„Wir alle können Mitgefühl für Trauernde empfinden, weil wir wissen, wie sich das anfühlt, wenn ein nahe stehender Mensch aus dem Leben gegangen ist“, sagte die Landrätin. Trauer jedoch sei nichts Allgemeines, sondern immer sehr individuell und daran gebunden, dass man sich mit einem Menschen verbunden gefühlt hat: „Trauer ist also immer etwas sehr Persönliches.“

Nach über einem Jahr Pandemie seien auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf viel zu viele Menschen an einem Virus gestorben, das davon profitiere, dass der Mensch ein soziales Wesen sei, so Kirsten Fründt: „Genau deshalb sind die Corona-Regeln und -Einschränkungen ja so wichtig, aber auch eine so große Herausforderung für uns.“

Die Landrätin wandte sich in ihrer Rede auch kritisch an jenen Teil der Gesellschaft, der sich „aus unserer gemeinsamen Realität verabschiedet hat, die Pandemie für erfunden hält und sich nicht an die allgemeingültigen Regeln hält“ oder den Schutz der Menschen in unserem Landkreis als Corona-Diktatur bezeichne. Fründt dazu weiter: „Ich vermute, dass auf der Intensivstation des Universitätsklinikums Gießen-Marburg nicht viele Mitarbeitende diese Einschätzung teilen.“

Die Landrätin sagte weiter, sie wisse um die Zumutungen und Herausforderungen, die die Entscheidungen von Politik und Verwaltungen auch in Marburg-Biedenkopf für Eltern, für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, für Schülerinnen und Schüler und viele andere bedeuteten: „Keine dieser Entscheidungen wird leichtfertig getroffen“, ergänzte Fründt und erklärte: „Es gibt in der Pandemie keine einfachen Antworten und Lösungen, und es gibt keine Entscheidungen, die allen gerecht werden können.“

Abschließend appellierte die Landrätin: „Halten Sie gemeinsam mit uns weiter durch, damit diese Pandemie bald ein Ende hat! Und helfen Sie denjenigen, die mehr verloren haben als einige alltägliche Freiheiten, die wir zudem bald wieder uneingeschränkt werden genießen können.“

Ihren Dank richtete Fründt zum einen an „all diejenigen, die uns dabei unterstützen, die Pandemie zu bewältigen und zu überwinden: die Mitarbeitenden in Krankenhäusern, Arztpraxen, im Impfzentrum und den Testcentern im Landkreis. Die Mitarbeitenden der Rettungsdienste, der Pflegeeinrichtungen und des Einzelhandels oder der Polizei.“

Zum anderen dankte sie auch „den Mitarbeitenden der Kreisverwaltung, die nicht nur mit sehr großem Einsatz seit vielen Monaten oft sieben Tage die Woche und teilweise rund um die Uhr für die Menschen im Landkreis im Einsatz sind, sondern auch vieles aushalten mussten“.

Musikalisch begleitet wurde die digitale Gedenkveranstaltung von Mitgliedern des Studierendenorchesters Philipps-Philharmonie Marburg, die Werke von Bach, Mendelssohn-Bartholdy und Webern interpretierten.

Auch in zahlreichen Gottesdiensten im Landkreis wurde am Sonntag der im Zusammenhang mit dem Coronavirus Verstorbenen gedacht. In Berlin gab es zudem eine zentrale Gedenkveranstaltung mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

Von Carsten Beckmann