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Marburg Konkrete Vorgaben für den Klimaschutz
Marburg Konkrete Vorgaben für den Klimaschutz
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11:58 12.09.2019
Die Gesamtschule Niederwalgern wurde in den vergangenen Monaten umfassend energetisch ­saniert. Das Aktionsprogramm Klimaschutz sieht weitere energetische Sanierungen an Gebäuden vor, die dem Kreis gehören. Quelle: Götz Schaub
Marburg

Gleich drei Fraktionen brachten während des Kreitstags einen gemeinsamen Antrag ein, um den Klimaschutz voranzutreiben. Die Rede ist von SPD, CDU und Bündnis 90 / Die Grünen. Und die fanden bei den übrigen Fraktionen auch weitgehend Gehör, allein die AfD verschloss sich komplett. Wilfried Kissel sprach von einer „Klimahysterie“ und empfahl „ein bisschen mehr Ehrfurcht vor dem Schöpfer, der die Welt in seinen Händen hält“.

Darauf gingen die nachfolgenden Redner nicht ein. Werner Waßmuth, Fraktionsvorsitzender der CDU, sagte hingegen: „Wir wissen, dass wir mit unseren Maßnahmen das Weltklima nicht retten können. Aber wir wollen eine Bewusstseinsänderung anregen, wie man sich tagtäglich verhält.“ Auch er sei jetzt mehrfach Bus gefahren und ­habe sich da reinfinden müssen, etwa dass ein Bus an ­Bedarfshaltestellen nicht hält, wenn man sich nicht frühzeitig bemerkbar macht, dort aussteigen zu wollen.

Dietmar Menz, ebenfalls von der CDU, bekräftigte: „Wir ­beschränken uns auf das, was wir hier beitragen können. Wir müssen bei uns anfangen. Resolutionen helfen nicht.“ Auch die FDP signalisierte Zustimmung. Fraktionschef Jörg Behlen mahnte indessen aber auch an, bei der Energiewende nicht die sozial Schwachen zu überfordern. Denn die Deutschen hätten bereits den höchsten Strompreis in Europa und die Stromrechnung ärmerer Menschen werde nicht einfach vom Sozialamt beglichen.

Frank Lerche (Piraten und Liberale) zeigte sich auch überzeugt: „Das ist das Ergebnis eines Kompromisses dreier Parteien. Das sollte man honorieren, es werden viele konkrete Sachen aufgelistet. Wir müssen ein Bollwerk sein gegen Leute, die immer noch sagen, dass wissenschaftliche Erkenntnisse­ nur Meinungen seien.“ Patricia ­Agricola (SPD) stellte heraus, dass sich das Klima schnell und tiefgreifend ändere und man in allen Bereichen positive Veränderungen einleiten müsse.

Bus- und Bahnverbindungen sollen verbessert werden

Das Aktionsprogramm sei die richtige Antwort. Beim Aktionsprogramm geht es um die Themenfelder Mobilität, Energie-Effizienz, Arbeit und Organisation der Kreisverwaltung und den Klimaschutz in Kooperation.
In Kooperation soll das heimische Handwerk eingebunden werden, eine Klimaschutzkampagne zu starten und private Hausbesitzer zu animieren, Umrüstungen für eine Schonung des Klimas vorzunehmen. Auch das KFZ-Gewerbe und die Waldbesitzer und Forstämter sollen für Aktionen gewonnen werden. Es sollen auch Linien-Busse mit alternativen Antriebsmethoden­ wie Wasserstoffantrieb zum Einsatz kommen.
Bus- und Bahnverbindungen sollen verbessert werden, ein Lastenrad-Verleihsystem eingeführt werden. Der Landkreis soll unter anderem auf 50 Dächern von Kreisliegenschaften Photovoltaik-Anlagen installieren auch sollen auf kreiseigenen Liegenschaften verstärkt Laubbäume angepflanzt werden.

Und, die Post wird es nicht so gerne hören, aber es sollen ­weniger Briefe und Pakete verschickt werden. Auch die Flotte der Elektro-­Autos des Kreishauses soll ­erhöht werden. Dazu gab es allerdings auch kritische Stimmen, weil die Gewinnung von Zutaten der Batterie in anderen Ländern große Umweltschäden verursache.

Das passte dann auch irgendwie zum Redebeitrag von Michael Meinel (Grüne). Er hob hervor, dass die letzten beiden Generationen, wobei er die seinige mit einschloss, so viel Abfallprodukte in Luft, Wasser und Erde eingebracht haben, wie keine Generationen zuvor. So habe auch das massive Artensterben eingesetzt. Kritik kam vereinzelt aus den Reihen der Linken. Christian Bubel urteilte über das Aktionsprogramm vernichtend: „Wir tun so, als ob wir etwas tun würden, aber am Ende wird wieder nichts gemacht.“

von Götz Schaub