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Marburg Ehrenamtliche vermitteln, wenn es hakt
Marburg Ehrenamtliche vermitteln, wenn es hakt
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13:58 09.03.2020
Die unabhängige Beschwerdestelle für Psychiatrie des Landkreises trifft sich einmal im Monat im Gesundheitsamt. Quelle: Foto: Katja Peters
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Marburg

Speziell für psychisch kranke Menschen wurde vor zwei Jahren die unabhängige Beschwerdestelle Psychiatrie eingerichtet. Sie hilft Menschen aus dem gesamten Landkreis bei den unterschiedlichsten Beschwerdegründen. Diese können beispielsweise eine mangelhafte Ausstattung in stationären Wohnformen oder Rehakliniken sein, ungerechtfertigt durchgeführte Zwangsmaßnahmen oder Konflikte mit Mitbewohnern sowie dem Personal. Ebenso können sich Betroffene an die Beschwerdestelle wenden, wenn sie sich unverstanden von ihren behandelnden Ärzten sowie Therapeuten fühlen oder der gesetzliche Betreuer nicht aktiv genug ist. „Sehr oft ist die Kommunikation zwischen den Parteien sehr eingefahren, manchmal gar nicht mehr möglich“, beschreibt Detlev Detering einen der häufigsten Gründe, warum sich Menschen melden. Er ist eines von zehn Mitgliedern der ehrenamtlichen Beschwerdestelle des Landkreises. Alle haben Bezug zu der Thematik, sind beispielsweise Angehörige psychisch Kranker, selbst Betroffene oder waren beziehungsweise sind beruflich im psychiatrischen System tätig.

Erreichbar per Telefon, E-Mail oder persönlicher Nachricht

Telefonisch, per E-Mail oder Nachricht ist die Beschwerdestelle zu erreichen. Für die Zukunft ist eine offene Sprechstunde geplant. Der erste Anruf wird immer von einem Anrufbeantworter entgegengenommen. „In akuten Fällen wird uns der Fall sehr zeitnah zugestellt, ansonsten treffen wir uns einmal im Monat und klären als erstes, ob wir zuständig sind“, erklärt Detlev Detering, der betont: „Wir sind keine Rechtsberatung und verstehen uns auch nicht als Anwälte der Patienten im juristischen Sinne.“ Entscheidet die Gruppe, die Beschwerde zu bearbeiten, kümmern sich immer zwei Mitglieder um den Fall. Der Beschwerdeführer wird kontaktiert, um weitere Informationen einzuholen. Zur Klärung kommen dann alle an einen Tisch: Patient, behandelnder Arzt oder Wohngruppenleitung oder Mitbewohner. Je nachdem wo es mit der Kommunikation hakt. Alle zehn Mitglieder sind geschult in Gesprächsführung, die trialogische Struktur – Betroffene, Angehörige, Fachkraft – ist gewollt. „Das alles erfolgt ohne Schuldzuweisungen“, erklärt Mara Bach. „Und es geschieht alles unter Wahrung der Patientenrechte. Wir sind nicht weisungsbefugt, versuchen aber zu vermitteln“, betont Reinhard Naumann. „Egal, wen wir an den Tisch holen, alles passiert immer mit dem Einverständnis des Beschwerdeführers“, ergänzt er noch. „Und, ganz wichtig, wir unterliegen der Schweigepflicht.“

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Zwölf Mal wurde die unabhängige Beschwerdestelle bereits tätig

Etwa zwölf Mal ist die unabhängige Beschwerdestelle in den vergangenen zwei Jahren tätig geworden. „Kontaktaufnahmen hatten wir mehr“, berichtet Monika Schaal, die den Anrufbeantworter immer als erstes abhört. „Aber oft hat sich das Kommunikationsproblem schon gelöst, bevor wir aktiv geworden sind“, weiß Mara Bach. Die fünf Frauen und fünf Männer der Gruppe selbst helfen sich untereinander. Sie besprechen alles im Sinne der Intervision, also geben sich gegenseitig Unterstützung und klären Konflikte auf gleicher Ebene. „Wobei insbesondere die Mitglieder, die selbst von einer psychischen Erkrankung betroffen sind oder waren, sehr wichtige und erhellende Informationen zu den Gesprächen beitragen“, sagt Reinhard Naumann.

Die Gruppe ist sich einig, eine trialogische Besetzung sollte für alle Beschwerdestellen angestrebt werden. Auf eigene Initiative bilden sie sich weiter, sofern es das Budget des Landkreises zulässt.

Von Katja Peters

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