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Marburg Landkreis wird Teil von Radon-Studie
Marburg Landkreis wird Teil von Radon-Studie
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13:59 12.11.2019
Eine Messung mit einer Radon-Belastung: 49 Becquerel pro Kubikmeter liegen noch unter den Grenzwerten. Der im Gesetz verankerte Referenzwert beträgt 300 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft. Quelle: Hendrik Schmidt
Marburg

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) lässt in diesem Jahr in privat genutzten Wohnungen und Gebäuden bundesweit Messungen zur ­Radon-Belastung durchführen – nun wurde auch der Landkreis mit in das Forschungsvorhaben aufgenommen. Das BfS sucht nun freiwillige Teilnehmer, die an den Messungen teilnehmen.

Die Studie möchte das Wissen darüber, wie viele Haushalte von erhöhten Radon-Werten betroffen sind, verbessern und die Entwicklung der durchschnittlichen Radon-Konzentration in Wohnhäusern erforschen. Denn bisherige Studien zum Thema erbrachten kein einheitliches Bild der Lage in Deutschland. Dabei gilt ­eine überhöhte Radon-Belastung als gefährlich.

„Radon ist ernstzunehmendes Risiko“

Das Gesundheitsrisiko durch das radioaktive Gas Radon etwa in Wohnungen ist aus Sicht des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) in Deutschland nicht ausreichend bekannt. „Radon ist ein ernstzunehmendes Risiko für die Gesundheit, denn nach dem Rauchen ist Radon die zweithäufigste Ursache von Lungenkrebs“, sagte BfS-Präsidentin Inge Paulini der Deutschen Presse-Agentur.

Rund fünf Prozent aller 
­Todesfälle durch Lungenkrebs in Deutschland können dem BfS zufolge Radon zugeschrieben werden – ein Schwellenwert, unterhalb dessen das Gas mit Sicherheit ungefährlich ist, sei nicht bekannt. Viele Menschen wüssten das gar nicht. Dabei sei es oft einfach, sich zu schützen. „Dafür muss man wissen, ob die eigene Wohnung von erhöhten Radon-Werten betroffen ist. Dies lässt sich mit Messungen leicht feststellen“, sagte Paulini.

Gefahr durch erhöhte Gas-Konzentration

Radon ist ein radioaktives Edelgas, entsteht durch den Zerfall von Radium und ist Teil der natürlichen Strahlung auf der Erde. Entstanden ist es vor Urzeiten in Gesteinsarten, kann überall aus dem Erdreich heraus auch in Häuser gelangen und sich in der Raumluft anreichern. Das Gas ist nicht zu sehen, zu riechen oder zu schmecken. „Eigentlich atmen wir ständig Radon ein – es gibt keinen Nullwert“, erläutert Dr. Joachim Kemski, Sachverständiger für Radon aus Bonn, dessen Sachverständigenbüro die Studie durchführt.

Bis zu einer gewissen Konzentration bestehe dabei auch keine Gefahr für die Gesundheit durch den natürlich vorkommenden Stoff. Wenn ­Radon und seine radioaktiven Folgeprodukte jedoch über einen längeren Zeitraum hinweg in höheren Konzentrationen eingeatmet werden, kann das Risiko für die Bewohner eines Hauses ansteigen, an Lungenkrebs zu erkranken.

Messungen werden Pflicht

Die Erhebung erfolgt nach ­regionalen Begebenheiten, aber auch durch Informationen über das jeweilige Gebäude. Denn gerade ältere Häuser können anfälliger für eine hohe Radon-Belastung sein, da durch Lücken im Fundament oder Mauerwerk das Gas leichter eindringen kann. Zudem könne auch das darunter liegende Gestein eine Rolle spielen: Radon entsteht im Gestein, überall dort, wo sich Radium angelagert hat, vornehmlich in Granit oder dunklem Schiefer. Die Gesteinsart unter einem Haus sei jedoch keine Voraussetzung, vorkommen könne das Gas überall.

Die Studie ist Teil einer neuen EU-Richtlinie zur Radon-Belastung. Bereits im Mai hatte das BfS die Bürger darum gebeten, teilzunehmen. Bis Ende 2020 müssen die Bundesländer Gebiete ausweisen, in denen in vielen Gebäuden der Referenzwert von 300 Becquerel pro ­Kubikmeter überschritten wird, sogenannte „Radonvorsorge­gebiete“. Dort soll dann etwa an Arbeitsplätzen im Erd- oder Kellergeschoss das Messen Pflicht sein.

Studie

Weitere Informationen zum Messprogramm unter www.bfs.de/radon-studie-2020. Unter www.kemski-bonn.de, können sich Teilnehmer für die einjährige Messung anmelden und weitere Informationen zur Studie und zum ­Datenschutz erhalten. Fragen können auch ­unter 0228/9629242 gestellt werden.

Die Höhe der Radon-Konzentration könne nur durch die Messung bestimmt werden. Das Messprogramm des BfS wird in zufällig ausgewählten Haushalten durchgeführt – da sich bislang nicht genügend Teilnehmer gefunden haben, wurde das Programm auf den Landkreis ausgeweitet.

Rund 6.000 Haushalte sollten es mindestens sein, die teilnehmen, um ein möglichst breites Bild der Radon-Belastung im Land zeichnen zu können. Dies sei dann „zumindest ein erster guter Ansatz, um eine belastbare Hochrechnung machen zu können“, erklärt Kemski.

Das Sachverständigenbüro sucht nun Haushalte, die ­Interesse an einer kostenlosen ­Radon-Messung haben. Diese sei mit geringem Aufwand verbunden und wird über ein Jahr hinweg durchgeführt. Zwei kleine Messgeräte, untergebracht in kleinen Plastikdosen, werden per Post verschickt und sollen in den Wohnräumen aufgestellt werden. Die Ergebnisse der Messungen werden den Bewohnern später zur Verfügung gestellt.

von Ina Tannert
 und unserer Agentur