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Marburg Verwaltung wappnet sich gegen Cyberattacken
Marburg Verwaltung wappnet sich gegen Cyberattacken
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14:58 24.07.2021
Cyberangriffe treffen Unternehmen, Privatleute, aber auch die öffentliche Verwaltung.
Cyberangriffe treffen Unternehmen, Privatleute, aber auch die öffentliche Verwaltung. Quelle: Themenfoto: Silas Stein
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Marburg

Es ist ein Albtraum für jeden Betrieb: Erpresser attackieren das Computernetzwerk, verschlüsseln Dateien und fordern Lösegeld. Sie legen die digitale Infrastruktur lahm – und damit eventuell den gesamten Betrieb, denn ohne Computer geht heute fast gar nichts mehr. Nicht nur große Wirtschaftsunternehmen haben dieses Horrorszenario in den vergangenen Wochen erlebt, auch die öffentliche Verwaltung ist betroffen.

Aktuelles Beispiel: Der Landkreis Anhalt-Bitterfeld, der nach einer schweren Cyberattacke Anfang des Monats den Katastrophenfall ausrufen musste. Denn der Angriff hat dramatische Folgen auch für Bürgerinnen und Bürger, die zum Beispiel auf die Auszahlung von Sozialleistungen warten.

Cyberangriffe auf Kommunalverwaltungen sind keine Seltenheit mehr. Eine hundertprozentige Sicherheit sei nicht herzustellen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, dem MDR. Auch die Marburger Stadtverwaltung und die Kreisverwaltung wappnen sich deshalb für solche Szenarien, wie sie auf Anfrage der OP mitteilten.

Mitarbeiter werden

regelmäßig geschult

„Die Stadt Marburg wäre auf einen möglichen Cyberangriff vorbereitet“, sagte Simone Batz von der Pressestelle der Stadt. „Zum Schutz vor Cyberattacken setzt die Stadt Marburg unterschiedliche Sicherheitssysteme ein, die sofort Alarm schlagen, wenn ein Angriffsversuch auf die IT der Stadt Marburg gestartet wird.“ Diese Sicherheitssysteme würden ständig überwacht und auf neue Angriffsmethoden angepasst. Zudem würden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadt regelmäßig für IT-Sicherheit sensibilisiert.

Auch die Kreisverwaltung setzt darauf, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig zu schulen und über aktuelle Bedrohungslagen zu informieren, teilte der stellvertretende Pressesprecher Sascha Hörmann mit. „Durch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Institutionen, wie etwa dem Hessen Cyber Competence Center, und die Mitgliedschaft in der Allianz für Cybersicherheit des BSI gelangen Informationen zu möglichen Bedrohungen sehr früh in die Kreisverwaltung“, erklärte er. „Es gibt also gewissermaßen ein Frühwarnsystem, aufgrund dessen man sich technisch auf solche Gefahren vorbereiten kann. Außerdem können über diese Kooperationen im Notfall gegebenenfalls weitere Maßnahmen ergriffen werden.“

Laut Hörmann gibt es regelmäßig Angriffsversuche auf die Systeme des Landkreises. Auch auf die Stadt Marburg gibt es „immer mal wieder“ Cyberattacken, berichtete Batz. Weder in der Kreis- noch in der Stadtverwaltung hatten Angriffsversuche aber demnach Folgen wie Computer-Ausfälle oder Datendiebstahl. „Die Sicherheitssysteme haben die Cyberangriffe bisher erfolgreich abwehren können aufgrund der ständigen Überwachung und Anpassungen auf die jeweilige Situation und auf die unterschiedlichen Angriffsmethoden der Hacker“, erklärte Batz.

Angreifer fordern oft hohe Lösegeld-Zahlungen

Wie gravierend die Folgen eines erfolgreichen Cyberangriffs sein können, zeigt das Beispiel Anhalt-Bitterfeld. Der ostdeutsche Landkreis trennte alle kritischen Systeme vom Netz, um einen Datenabfluss zu verhindern. Die dortige Verwaltung muss ihre IT-Infrastruktur wohl neu aufbauen. Erst an diesem Montag – knapp zwei Wochen nach dem Angriff – waren die einzelnen Ämter wieder per E-Mail erreichbar.

Die Angreifer forderten nach Angaben des Landeskriminalamts Sachsen-Anhalt ein Lösegeld. Die genaue Höhe nannte das LKA nicht – oft verlangen Erpresser aber sechs- oder siebenstellige Beträge.

Von Stefan Dietrich

24.07.2021
24.07.2021