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Marburg Landeskirche organisiert Musik neu
Marburg Landeskirche organisiert Musik neu
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15:00 20.11.2021
Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum wird künftig von Kassel aus arbeiten.
Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum wird künftig von Kassel aus arbeiten. Quelle: Foto: Uwe Badouin
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Marburg

Ein Gottesdienst oder eine Kirche ohne Musik? Für viele Menschen ist dies unvorstellbar. Musik in Kirchen gibt es schließlich bereits seit dem frühen Mittelalter. Und fast jede Kirche hat eine Orgel. Und doch müssen auch Kirchen auf kleinere Gemeinden und niedrigere Einnahmen reagieren.

Die Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck (EKKW) organisiert nun die Kirchenmusik neu. Landeskirchenmusikdirektor (LKMD) Uwe Maibaum (59), Dienstaufsicht über die fest angestellten und rund 1200 nebenberuflichen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker der Landeskirche, wird ab 1. Januar 2022 sein Marburger Büro aufgeben und in die Zentrale nach Kassel umziehen. Er selbst bleibt mit seiner Familie aber in Marburg und wird auch in Zukunft die Kurhessische Kantorei leiten.

Verkleinerungsprozess

Der Umzug des Büros ist Teil eines Reformprozesses der Kirchenmusik in der EKKW. Die EKKW umfasst 774 Kirchengemeinden mit rund 780.000 Gemeindemitgliedern. Der Reformprozess ist in erster Linie ein Verkleinerungsprozess, wie LKMD Maibaum der OP bestätigte. Die Kürzungen beträfen alle Bereiche von Kirche. „Aber wenn schon gekürzt werden muss, dann sollten wir uns komplett neu aufstellen“, meint Maibaum.

Von 58 hauptamtlichen Kirchenmusikerinnen und -musikern bleiben künftig 40, deren Fokus künftig etwas anders ausgerichtet werden soll. Die Arbeit in der Fläche soll gestärkt werden, sagt Maibaum. Gleich fünf Stellen sind für den Bereich Popularmusik vorgesehen, der bislang von der EKKW mit einer halben Stelle eher stiefmütterlich behandelt wurde. Unter Popularmusik versteht Maibaum Gospel, Spiritual, Jazz und Jugendmusik wie HipHop.

Unterricht ausbauen

Zudem will Maibaum, der dem Referat Kirchenmusik vorstehen wird, den Bildungssektor der EKKW im Bereich der Musik stärken. Orgelunterricht und Musikunterricht sollen ausgebaut werden. Ob und wie das funktioniert wird man abwarten müssen. Für Maibaum ändert sich mit dem Umzug einiges. Hat er früher 35 000 Kilometer auf der Straße verbracht, um Musikerinnen und Musiker in den Gemeinden im Kirchengebiet zu besuchen, müssen die künftig zu ihm nach Kassel kommen.

Auf die große Kurhessische Kantorei in der „Chorstadt Marburg“, so Maibaum, soll dies keine Auswirkungen haben. Nach dem Konzert mit Mozarts „Requiem“ am kommenden Sonntag um 17 und 19 Uhr in der Pfarrkirche „in einer Corona-konformen Aufführung“ plant er noch in diesem Herbst und Winter zwei 2G-Veranstaltungen – einen Even-Song und ein Neujahrskonzert. 2G, um endlich wieder einmal mit dem großen Chor auf Nähe proben zu können. Und 2022 steht ein ganz großes Projekt an: Am 4. Advent will er mit der Kurhessischen Kantorei Johann Sebastian Bachs große h-Moll-Messe aufführen. Das ist eine Herausforderung für ihn und den Chor.

Von Uwe Badouin