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Marburg 100 Menschen sammeln 1,1 Tonnen Müll
Marburg 100 Menschen sammeln 1,1 Tonnen Müll
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19:59 12.10.2021
Was für ein Müll! Dies alles trugen die Freiwilligen am Sonntag beim ersten „Lahn-Cleanup“ innerhalb von zwei Stunden zusammen.
Was für ein Müll! Dies alles trugen die Freiwilligen am Sonntag beim ersten „Lahn-Cleanup“ innerhalb von zwei Stunden zusammen. Quelle: Lahntaucher
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Marburg

Bergeweise häufte sich am Sonntagnachmittag der Müll auf den Afföllerwiesen: Verrostete Fahrräder, Verpackungen, Flaschen, Kaffeebecher, Teppichreste, Bauzäune, Stühle, Autoreifen und vieles, vieles mehr. Innerhalb weniger Stunden war es mehr als 100 Menschen gelungen, insgesamt 1,1 Tonnen Müll zu sammeln, der in und an der Lahn gelegen hatte.

„Wir sind megaglücklich mit der Resonanz“, freute sich Noah Boonma. Der Student hatte vor gut einem Jahr mit seinem Freund Sebastian Pollok die „Lahntaucher“ ins Leben gerufen, die in ihrer Freizeit regelmäßig Marburgs Fluss vom Unrat befreien (die OP berichtete).

Seither hat sich viel getan, das Team ist angewachsen und immer mehr Marburgerinnen und Marburger liken nicht nur die Erfolgsbeiträge auf dem Instagram-Kanal der Lahntaucher, sondern wollen sich auch aktiv beteiligen. Somit war es nur logisch, dass die jungen Umweltschützer irgendwann eine erste öffentliche Aktion auf die Beine stellen würden. Am Sonntag war es soweit: Zusammen mit Greenpeace und dem Tauchsportclub Marburg organisierten die Lahntaucher den ersten „Lahn-Cleanup“. Dass sich mehr als 100 Menschen an der Aktion beteiligen würden, damit hätten sie aber wohl nicht gerechnet.

Los ging es um 12 Uhr von vier Startpunkten aus – zwei in der Nordstadt und zwei in der Südstadt. Von dort zogen Jung und Alt entlang der Lahn los, aber auch im Fluss selbst.

Zahlreiche Freiwillige hatten sich in Neoprenanzüge gezwängt, die Taucherbrillen aufgezogen und sich in die dunklen Fluten gestürzt.

Arbeitsteilung beim Clean-Up

Während die Taucher den schlammigen Untergrund nach Müll absuchten, fuhren die „Nichtschwimmer“ zum einen auf dem Tretboot nebenher und nahmen den ertauchten Unrat entgegen. Zum anderen waren aber auch Dutzende zu Fuß unterwegs, um entlang der Lahn nach dem zu suchen, was da nicht hingehört. „Es ist einfach wichtig, so eine sinnvolle Aktion zu unterstützen, aber schöner wäre natürlich, wenn erst niemand seinen Müll in der Landschaft entsorgen würde“, sagte Kaveh Omarai, der mit seiner Tochter Sophie die Lahnauen nach Unrat absuchte.

„Es ist immer wieder schockierend, was Menschen so wegwerfen“, staunte Bjarne Dietrich und meinte damit nicht nur den Sensationsfund des Tages, der nicht unbedingt in die Kategorie Müll gehört: Den Tauchern war es gelungen, eine Sport-Armbrust mit den dazugehörigen Pfeilen zu bergen. Bereits mehrmals hatten die Lahntaucher spektakuläre Funde wie Revolver aus der Lahn gefischt – und das so wie diesmal auch gesetzestreu der Polizei gemeldet.

Das meiste jedoch, was beim ersten Lahn-Cleanup zusammenkam, war schlicht und ergreifend Müll. Ganze 1094,3 Kilogramm an Unrat übergaben die Lahn-Säuberer dem DBM. Und damit war die Lahn und ihre Auen von mehr als 1,1 Tonnen Müll befreit. Trauriger Rekord einer sauberen Aktion.

Von Nadine Weigel

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