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Marburg Läden öffnen wieder – für Kunden mit Termin
Marburg Läden öffnen wieder – für Kunden mit Termin
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08:58 09.03.2021
Die ersten Geschäfte in der Marburger Oberstadt sind wieder offen, wie hier das Atelier 10 von Vanessa Briel in der Barfüßerstraße.
Die ersten Geschäfte in der Marburger Oberstadt sind wieder offen, wie hier das Atelier 10 von Vanessa Briel in der Barfüßerstraße. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

In mehreren Apotheken wurden gestern (8. März) Kundinnen und Kunden, die nach Selbsttests fragten, erneut vertröstet. Eine Apotheke in der Innenstadt machte vage Versprechungen in Richtung kommende Woche. Noch fehlen dem Inhaber genaue Vorgaben etwa über die Preisgestaltung.

Scharfe Kritik kommt in dieser Frage von Dr. Susanne Rück, Sprecherin der Apotheken im Landkreis. „Wir Apotheker sind wieder die Doofen“, sagte sie der OP. Die Apotheker könnten mit den „Ramschpreisen“ der Discounter nicht mithalten.

Apotheken fehlen unter anderem Vorgaben zur Preisgestaltung

„Die Verkaufspreise der Discounter sind niedriger als meine Einkaufspreise“, sagte Rück und schlussfolgerte: „Ein gutes, Verbraucher schützendes gemeinnütziges System wird ohne Not bedroht.“ Apotheken hätten weder Hinweise zur Preisgestaltung noch Zusagen zur Erstattung erhalten.

Hinzu kommt laut Rück, dass die Ergebnisse der Selbsttests wenig bringen: Sie werden nirgends offiziell erfasst, und wie Patientinnen und Patienten mit einem eventuell positiven Selbsttest umgehen, ist ihnen selbst überlassen. „Populismus zum Schaden aller“, bezeichnet Rück die Selbsttest-Debatte, betont aber: „Natürlich sind wir Apothekerinnen und Apotheker bereit, zu den von uns selbst verkauften Selbsttests auch entsprechend zu beraten.“

Einkaufen mit Terminen

Der Einzelhandel durfte am Montag (8. März) seine Geschäfte wieder öffnen – zumindest für Kunden, die zuvor einen Termin vereinbart hatten. Eitel Sonnenschein also? Nicht bei allen Händlern.

Bernd Brinkmann, Inhaber des Kaufhauses Teka in der Nordstadt, hält es für einen Fehler, „durch die Öffnungen nun alles, was wir in den vergangenen Monaten erreicht haben, wieder aufs Spiel zu setzen“. Er wisse, dass seine Meinung nicht sehr prominent sei.

Brinkmann: Infektionszahlen steigen wahrscheinlich

„Aber wir haben das Ziel durch Selbst- und Schnelltests und durch die Impfungen in greifbarer Nähe“, sagt Brinkmann im Gespräch mit der OP. Nun sei die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Infektionszahlen wieder stiegen.

Möglich sei ja durchaus folgendes Szenario: Ein Kunde vereinbare in drei verschiedenen Geschäften Termine – jedoch zu stark unterschiedlichen Zeiten. Das könne im schlechtesten Fall dazu führen, „dass jemand mehrfach mit dem Bus in die Stadt fährt“ – im ÖPNV ließen sich Kontakte jedoch nicht vermeiden. „Und auf Kontaktvermeidung waren ja alle Maßnahmen ausgerichtet“, sagt Brinkmann.

Flickenteppich ist „völlig unverständlich“

Er wird sein Kaufhaus übrigens erst am heutigen Dienstag (9. März) wieder öffnen. 45 Kunden dürfen gleichzeitig bei ihm in den Laden, die Nachfrage sei auch bereits recht groß. Als geradezu absurd bezeichnet er jedoch den Flickenteppich, den es bei den Regelungen gebe, und verweist auf Rheinland-Pfalz, wo die Geschäfte ohne Terminvereinbarung öffnen dürfen.

Brinkmann hat auch ein Modegeschäft im Saarpfalz-Center in Homburg im Saarland, „nur zwei Kilometer vom Outlet Zweibrücken in Rheinland-Pfalz entfernt. Warum sollen die Kunden denn bei mir einen Termin vereinbaren, wenn sie dort einfach so einkaufen können?“, fragt er. Die Regelung sei „völlig unverständlich“.

Von Andreas Schmidt und Till Conrad

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