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Marburg Kunst als Mutmacher
Marburg Kunst als Mutmacher
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17:58 23.09.2021
Verena Senn mit ihrem Bild „Heimat 2.0“ aus ihrem Projekt „ArtForAhr“.
Verena Senn mit ihrem Bild „Heimat 2.0“ aus ihrem Projekt „ArtForAhr“. Quelle: Foto: Lucas Heinisch
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Marburg

Es zwitschern die Vögel, am Teich sitzen Enten mit ihren Küken und die Natur leuchtet in grünen Farben. Verena Senn sitzt nachdenklich auf einer Bank im Alten Botanischen Garten in Marburg. Neben ihr liegt eine Zeichnung in einem schwarzen Rahmen. Darauf sind zwei Häuser, ein kleiner Teich, Weinberge und ein Fluss zu sehen. Das Bild trägt den Titel „Heimat 2.0“. Doch so harmonisch wie es im Alten Botanischen Garten oder auf dem Bild scheint, ist es derzeit nicht überall. Verena Senns Heimat wurde vor Kurzem durch die Flutkatastrophe zerstört: Ahrweiler.

Die Flutkatastrophe, die mehr als 100 Menschen das Leben kostete und zahlreiche Häuser zerstörte, war der Auslöser für ihr Kunstprojekt „ArtForAhr – Kunst für die Ahr“, mit dem sie den Flutopfern im Ahrtal unter die Arme greifen möchte. Verena Senn ist häufig in Ahrweiler und packt mit an. Doch „ich musste ja auch wieder nach Marburg zurück“, sagt die 28-jährige Studentin der Kunstgeschichte. „Ich wollte etwas aus der Ferne machen. Es fiel mir schwer, hier in Marburg zu sein mit dem Gefühl, dort im Ahrtal ist noch nichts gut“, erzählt sie mit nachdenklichem Blick.

Kunst und Spenden für Betroffene

Und was liegt da näher, als ihre Heimat mit etwas zu unterstützen, das sie von Herzen gerne macht: Kunst. „Jeder macht, was er am besten kann, um zu helfen. Gemalt habe ich schon immer. Dadurch ist die Idee entstanden, ein Projekt zu machen“, erzählt Senn. Bei ihrer Aktion „ArtForAhr“ verkauft die 28-Jährige einen Druck ihres handgezeichneten Bildes „Heimat 2.0“ im Paket mit einer Postkarte und Stickern. „Der Erlös wird zu 100 Prozent direkt an die Menschen vor Ort gespendet“, erklärt sie. Einen festen Preis für das Kunstpaket gibt es nicht. „Ich wollte keinen Preis festlegen und es so frei wie möglich halten“, sagt Senn. Jeder kann also selbst entscheiden, wie viel man zahlen möchte.

Zusätzlich übergibt Verena Senn für jedes verkaufte „ArtForAhr“-Paket ein weiteres Paket an Betroffene aus dem Ahrtal. „Die Resonanz war wahnsinnig lieb und toll. Ich habe nur positive Rückmeldungen bekommen.“ Die Kunst „soll ein Mutmacher sein. Denn man sieht den Leuten die Probleme an. Mich macht es traurig, zu sehen, wie Menschen den Mut verlieren“, sagt Senn. „Ich möchte etwas dazu beisteuern, das den Leuten Mut macht.“

Senn: „Kunst kann mehr“

Während Verena Senn erzählt, wie sehr die Situation in ihrer Heimat sie beschäftigt, stockt sie häufiger. „Es fehlen die Worte“, sagt sie. Kunst könne in vielen Momenten einfach mehr ausdrücken und helfen. „Kunst ist nicht nur Deko an der Wand. Kunst kann mehr. Kunst ist dafür da, Emotionen zu wecken“, erklärt die Studentin. Malen und Kunst sei ein Ventil, „wenn man keine Worte findet“.

Der Begriff „Heimat“ ist bei ihrem „ArtForAhr“-Projekt von besonderer Bedeutung, wobei der Begriff sie schon länger beschäftigt. „Ich habe mich vorher auch schon damit auseinandergesetzt, was Heimat ist“, erklärt Verena Senn. „Heimat 2.0“ ist ein neues Bild, das auf einem früheren Bild namens „Heimat“ basiert. „Heimat bedeutet für mich, zu wissen, dass ich irgendwo meinen Platz habe mit Freunden und Familie“, sagt sie mit Blick durch den Alten Botanischen Garten. Gleichzeitig ist die Sprache für Verena Senn von Bedeutung, wenn es um Heimat geht. „Auch die Sprache gibt mir das Gefühl, zu Hause zu sein.“

Wie lange ihr Projekt laufen soll, wisse sie noch nicht. „Es ist schon wahnsinnig viel zusammengekommen und der Plan ist, dass es zeitlich nicht begrenzt ist. Dieses Bild soll langfristig zu kaufen sein.“

Auf der Internetseite von Verena Senn findet man mehr Informationen zu ihrem Projekt „ArtForAhr“.

Von Lucas Heinisch

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