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Marburg Kunden haben noch eine Million Euro „Stadt-Geld“
Marburg Kunden haben noch eine Million Euro „Stadt-Geld“
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20:56 25.07.2020
Noch bis zum 15. August können die Marburger ihr „Stadt-Geld“ einlösen – knapp eine Million Euro sind noch im Umlauf. Quelle: Stefanie Profus/Stadt Marburg
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Marburg

Der Endspurt läuft: Noch bis zum 15. August können Marburger ihr „Stadtgeld“ einlösen. Anfang Juli hatte die Stadt diese „neue Währung“ in Form von QR-Codes an die Bewohner verteilt – um den durch die Corona-Krise gebeutelten lokalen Handel und die Gastronomie zu stützen. Rund 1,8 Millionen Euro schwer ist dieses „Hilfspaket“ – gut 820.000 Euro davon wurden bisher eingelöst, teilte die Stadt am Freitag mit.

Hat das „Stadt-Geld“ dem Handel geholfen? „Der Impuls kam an und hat die Kunden motiviert“, ist sich Bernd Brinkmann, Inhaber des Kaufhauses „Teka“ im Marburger Norden, sicher. Vor allem direkt nach der Ausgabe der Scheine habe es ein echtes Hoch an Einlösungen gegeben. „Das hat sich dann auf ein solides Maß reduziert, wir lösen täglich Gutscheine auf einem stabilen Niveau ein“, so Brinkmann.

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„Das Ziel ist erreicht“

Er habe – so, wie auch viele Händlerkollegen –, die Erfahrung gemacht, dass „die Kunden dabei nicht nur in Höhe des Gutscheins einkaufen, sondern die Einkäufe deutlich darüber liegen“. Die Intention der Stadt, dass der örtliche Handel durch das „Stadt-Geld“ gestützt werde, „ist auf jeden Fall geglückt – das Ziel ist erreicht“, sagt Brinkmann.

Grund zur Euphorie gebe es dennoch noch nicht, „wir haben die Krise noch nicht überwunden“, konstatiert er. Für eine Gesamtbeurteilung sei es noch zu früh, „aber ich bin jetzt vorsichtig optimistisch. Das, was man in Marburg getan hat, hat dem örtlichen Handel auf jeden Fall schon genutzt und nutzt ihm auch weiterhin“. Und: Brinkmann vermutet, dass es „hin zum Ende der Aktion am 15. August noch einmal zu einer weiteren Stimulierung“ kommen werde.

Laut der Stadt Marburg steht Brinkmann mit dieser Meinung nicht alleine da: Demnach habe eine aktuelle Umfrage gezeigt, dass nahezu 90 Prozent der Gewerbetreibenden die „Stadt-Geld“-Aktion gut oder sogar sehr gut fänden.

„Stadt-Geld“ bringt neue Kunden und mehr Zuspruch

Gut 500 Betriebe, die wegen Corona schließen mussten, seien mittlerweile auf der eigens dafür eingerichteten Händlerseite bei der Stadt registriert. Darüber rechnen sie seit Wochen tausende eingelöster Gutschein-Codes mit der Stadt ab.

Fast drei Viertel der Händler, Gastronomen und Dienstleister in der Umfrage berichten laut Stadt von mehr und neuer Kundschaft durch das „Stadt-Geld“ – lediglich 28 Prozent der Befragten hätten indes keinen Zuwachs festgestellt.

Beim Einlösen ihrer Gutscheine gaben laut der Umfrage etwa zwei Drittel der Marburgerinnen und Marburger mehr als ihre 20 oder 50 Euro „Stadt-Geld“ aus – die meisten hätten zwischen 5 und 10 Euro mehr investiert, jeder sechste Einkäufer habe den Gutschein-Betrag um 15 Euro überschritten, und jeder Achte habe gar 30 Euro mehr ausgegeben, als auf dem Gutschein stand. Manche Läden und Gaststätten berichteten in der Umfrage auch von 100, 160 oder gar 200 Euro, die zusätzlich zum „Stadt-Geld“-Wert geflossen seien.

„Das haben wir gehofft und mit der Aktion bezweckt“, sagt Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, „dass unser ,Stadt-Geld‘ Anstoß und Motivation für das lokale Einkaufen und die weitere Unterstützung der lokalen Wirtschaft ist.“ Spies dankte allen, die „dabei mithelfen, unsere Betriebe zu unterstützen, die tausenden Arbeitsplätze zu sichern und unsere schöne Stadt wieder mit Leben füllen“.

Nicht eingelöste Gutscheine kommen in Hilfspaket

Übrigens: Gutscheine, die bis zum Ende der Aktion – Samstag, 15. August – von den Kunden nicht eingelöst wurden, bleiben im Corona-Hilfspaket „Marburg Miteinander“, das ein Volumen von 3,7 Millionen Euro hat. Die Stadt wolle die Mittel dann für die weiteren Programme zur Linderung der Corona-Krise nutzen.

Noch eine Woche länger läuft die „Komm nach Marburg“-Rabatt-Aktion für Fahrscheine und Parktickets: Alle Kunden, die im Marburger Einzelhandel einkaufen, erhalten an der Kasse zwei Euro für ihren Einzelfahrschein mit Bus oder Bahn. Und Autofahrer können – Einkauf vorausgesetzt – zwei Stunden lang kostenlos in den beiden von den Stadtwerken betriebenen Parkhäusern parken, die Freitickets gibt es ebenfalls an der Kasse in den Läden.

Ist damit für den Handel alles wieder gut? Dazu sagt Bernd Brinkmann: „Ich bin jetzt weniger pessimistisch gestimmt als noch zu Beginn der Wiedereröffnung.“ Denn das Geschäft sei erstaunlich gut angelaufen. Wichtig werde aber das Weihnachtsgeschäft – „das entscheidet im Handel über das Geschäftsjahr. Wir können also nur hoffen, dass es zu keiner zweiten Welle kommt“, so Brinkmann.

Marburger „Stadt-Geld“

Die besten Gutscheintage sind die Samstage – mit einem Rekord von rund 5.500 eingelösten Codes (55.000 Euro Umsatz), am ersten Samstag nach dem Start Ende Juni.

1.028 „Stadt-Geld“-Briefe sind bislang bei der Verwaltung mit der Aufschrift „Spende“ abgegeben worden – die 20.560 Euro fließen in den Corona-Studierendenfonds der Marburger Universität – für Studierende, die ihre Jobs in Handel und Gastronomie verloren und keinen Anspruch auf Bafög oder andere Sozialleistungen haben.

Mehrere hundert Briefe konnten nicht zugestellt werden – die Adressaten können unter wirtschaft@marburg-stadt.de einen Termin zum Abholen vereinbaren.

Von Andreas Schmidt

25.07.2020
25.07.2020