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Marburg Kulturmix statt Großevents
Marburg Kulturmix statt Großevents
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20:58 21.06.2020
Menschenansammlungen wie hier beim Stadtfest „3TM“ im vergangenen Jahr wird es in diesem Sommer nicht geben. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Am ersten Juli-Wochenende wäre dort beispielsweise traditionellerweise das Stadtfest „3 Tage Marburg“ angestanden. Doch das fällt in diesem Jahr bekanntlich ins Wasser, weil coronabedingt bis Ende Oktober alle Großveranstaltungen verboten sind.

Umsetzen solle dieses nach den bisherigen Vorstellungen des Magistrats der Marbuch-Verlag, der auch in den zurückliegenden Jahren jeweils „3 TM“ ausrichtete. Dies bestätigte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies.

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Ist also eine Art auf die Sommerferien verteiltes „Stadtfest light“ geplant, und zwar mit einem reduzierten Programm sowie coronabedingten Abstandsregeln und insgesamt weniger Menschenmassen? Noch ist nicht ganz klar, wie ein solches Konzept aussehen könnte. Und deswegen hatten die Regierungsfraktionen SPD, CDU und BfM auch einen parlamentarischen Antrag zur Umsetzung des Programms eingebracht, über den am Donnerstag im kombinierten Kultur- und Sozialausschuss diskutiert wurde.

Es solle ein Konzept entwickelt werden, damit bereits in den Sommerferien erste Aktivitäten entwickelt werden, forderte Myriam Hövel (SPD). Denn aufgrund der ungewöhnlichen Umstände durch die Corona-Pandemie würden wohl viele Marburger in diesem Jahr wegen Reisebeschränkungen, finanziellen Sorgen und anderen Unsicherheitsfaktoren ihren Sommerurlaub zu Hause verbringen. Es solle ein Sommerangebot in Form vieler dezentraler und über einen längeren Zeitraum verteilter Veranstaltungen geben.

Dieses Programm könne an möglichst vielen und ungewöhnlichen Orten und auch in den Stadtteilen über die Bühne gehen, so der Antrag. Dabei müsse auf einen breiten Mix aus Kunst, Kultur, Freizeitangeboten geachtet werden, in den auch Schausteller und Gastronomiebetriebe einbezogen werden könnten. Das Programm „Sommer in der Stadt“ solle sich zudem an ein breites Spektrum von Personen von Kindern bis Senioren richten.

Als einen „schwammig-spontanen Antrag“ kritisierte Dr. Christa Perabo (Grüne) das Papier. Sie vermisste beispielsweise die Einbindung des Ausländerbeirates und Multi-Kulti-Elemente und fragte, wann dann dieses Konzept da sein solle. „Ist das nicht alles ein bisschen spät? Gefühlt ist der Sommer doch längst schon da“, fragte Henning Köster (Marburger Linke). „Eigentlich war doch schon länger klar, dass in diesem Sommer ein normales Programm nicht laufen kann“, fügte Köster an.

Als Antwort darauf gestand Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) zu, dass die Idee ein Programm „Sommer in der Stadt“ auf die Beine zu stellen, erst mit Verzögerung nach der Absage von „3 Tage Marburg“ gekommen sei, das wie andere Großveranstaltungen bundesweit aufgrund der Verfügungen der Gesundheitsämter wegen des Infektionsschutzes abgesagt werden musste. Die Idee des Magistrats sei dann Mitte Mai geboren worden, zeitgleich mit einer auch dahingehenden Anfrage des Marbuch-Verlages. Ziel sei es, Kulturschaffenden und Schaustellern ein alternatives Forum in den Corona-Zeiten zu schaffen. Der Magistrat sei nun für die Präzisierung des Auftrags zur Konzeptumsetzung in dem Antrag dankbar.

Christa Perabo war mit der Antwort von Spies nur teilweise zufrieden. „Dieser Antrag ist auch ein Vorwurf an den Magistrat, dass er untätig war“, kommentierte sie. „In der nächsten Woche fangen die Sommerferien an. Vieles ist nicht mehr umsetzbar“.

Das sah zwar auch Myriam Hövel so. „Das Konzept muss schnell umgesetzt werden.“, sagte sie. Aber schließlich seien es aufgrund der Corona-Pandemie schwierige Zeiten für alle. Und so solle man auch nicht die kulturellen Akteure in der Stadt unterschätzen. Es werde deswegen nicht an Ideen fehlen. Einen anderen Aspekt des Konzeptes „Sommer in der Stadt“ brachte noch Uli Severin (SPD) ins Spiel. Vereine oder Stadtteilgemeinden seien derzeit stark verunsichert, was überhaupt möglich sei in Sachen Veranstaltungen.

So könne ein Rahmenkonzept des Magistrats für Veranstaltungs-Typen auch in dieser Hinsicht Abhilfe schaffen und Ermutigung geben, wieder etwas aktiver zu werden. Und mit Blick auf eine mögliche Fortsetzung der Corona-Krise in den kommenden Monaten regte er an, dass man auch über ein ähnliches Programm für Herbst oder Winter nachdenken könne.

Bei Enthaltung der Grünen und Ja-Stimmen aller anderen Fraktionen wurde der Antrag am Ende angenommen. Jetzt steht noch die Zustimmung des Stadtparlaments aus, das am Freitag kommender Woche tagt. 

Von Manfred Hitzeroth

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