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Marburg Kritiker stört die „Dutzendarchitektur“
Marburg Kritiker stört die „Dutzendarchitektur“
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19:58 05.02.2010
Für die Architekturkritikerin Ira Mazzoni versperrt die Stadtautobahn den am Hauptbahnhof ankommenden Besuchern der Stadt schon bei der Ankunft die Sicht auf die Oberstadt.
Für die Architekturkritikerin Ira Mazzoni versperrt die Stadtautobahn den am Hauptbahnhof ankommenden Besuchern der Stadt schon bei der Ankunft die Sicht auf die Oberstadt. Quelle: Manfred Hitzeroth
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Marburg. „Moderne Architektur im historischen Marburg“: Das war der Titel eines Informations- und Diskussionsabends, den die „Initiativgruppe Marburger Stadtbild und Stadtentwicklung“ (IG MARSS) mit 300 Zuhörern im Saal des Stadtparlaments veranstaltete. Die Architektur-Journalistin Ira Mazzoni zog nach drei Rundgängen durch die Stadt Marburg allerdings ein eindeutiges Fazit: „Kurz gesagt: Es gibt keine moderne Architektur in Marburg“. Nach diesem Statement hätte die Veranstaltung eigentlich beendet sein können, wie auch Mazzoni einräumte.

Doch es gab dann erwartungsgemäß doch noch eine insgesamt mehr als dreistündige Debatte über Stadtplanung, Architektur und „Bausünden“ in Marburg, an der unter der Moderation des Journalisten Werner Girgert drei auswärtige Experten sowie der Marburger Erhart Dettmering teilnahmen. In ihrem Referat holte Mazzoni zu einem Rundumschlag aus, in dem sie außer der Bebauung der Oberstadt und den geisteswissenschaftelichen Türmen sowie der Uni-Bibliothek aus architekturkritischer Sicht kaum etwas Positives in Marburg sah. Nach ihrer Ankunft am Hauptbahnhof sei ihr sofort „die hohe Betonwand“ der Stadtautobahn ins Auge gesprungen, die die Innenstadt verriegele und verhindere, dass die Stadt wahrgenommen werde.

Statt der Überführung über die Bahnhofstraße schlug Mazzoni eine Untertunnelung als Alternative vor. Die Kasseler Stadtplanungs-Professorin Maya Reiner nannte die Stadtautobahn einen „kleinen Nürburgring“; sie müsse zurückentwickelt werden. Auf einhellige Ablehnung der drei auswärtigen Experten stieß auch die Gestaltung der „Neuen Mitte“ mit dem Cineplex-Kino und der Kunsthalle sowie den daneben gebauten Wohnhäusern. „Die Wohnbebauung ist erst einmal ganz gefällig. Und auch das Großkino kann man so machen. Aber es ist insgesamt eine Dutzend-Architektur“, sagte der Journalist Dr. Dieter Bartetzko (Frankfurter Allgemeine Zeitung).

von Manfred Hitzeroth

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