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Marburg Kritik an verkürzten Öffnungszeiten
Marburg Kritik an verkürzten Öffnungszeiten
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20:41 29.11.2021
Neben dem Riesenrad am Rathaus – hier am Freitag bei „Marburg by Night“ – ist traditionell die Waffelbäckerei von La Cuisine Pauline (vorne links).
Neben dem Riesenrad am Rathaus – hier am Freitag bei „Marburg by Night“ – ist traditionell die Waffelbäckerei von La Cuisine Pauline (vorne links). Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Die Verkürzung der Öffnungszeiten bei den Marburger Weihnachtsmärkten sorgt für Kritik. Bei der Betreiberin der Waffelbäckerei am Marburger Rathaus ist die Frustration so groß, dass sie den Adventsmarkt verlassen hat. „Pauline fährt heim“, lautet die Überschrift eines öffentlichen Facebook-Posts auf der Seite von „La Cuisine Pauline“. „Ich habe für dieses Jahr den Weihnachtsmarkt verlassen“, bestätigte Daniela Gluth-Zandtova, Inhaberin von „La Cuisine Pauline“, der OP. „Ich möchte damit auch ein Zeichen setzen, dass es nicht fair ist.“

Was sie unfair findet: „Wenn Sie einem Kind keine Waffel mehr geben können, aber 20-Jährige sich sinnlos betrinken.“ Genau das hat sie am Wochenende nach eigener Schilderung erlebt.
Am Samstagabend seien noch viele Familien mit Kindern da gewesen, die offenbar nicht wussten, dass die Stände bereits um 18 Uhr schließen mussten – statt wie ursprünglich geplant um 20 Uhr. Das hatte die Stadt entschieden, nachdem es am Freitag bei „Marburg by Night“ zu Gedränge und Verstößen gegen Corona-Hygieneregeln gekommen war.

„Ausschankverbot muss für alle gelten“

Mindestens zehnmal sei sie am Samstag nach 18 Uhr von Eltern kleiner Kinder gebeten worden: „Machen Sie doch wenigstens eine Waffel.“ Doch sie durfte nicht, berichtete Gluth-Zandtova, die seit 2017 in der Weihnachtszeit mit ihrem Oldtimer-Foodtruck neben dem Dampf-Riesenrad am Rathaus Waffeln verkauft. Viele Kinder, die sich vielleicht den ganzen Tag auf eine Waffel gefreut hätten, hätten geweint, schrieb „Pauline“ auf Facebook.
„Da habe ich für mich einen Strich gezogen: Wenn der Weihnachtsmarkt keine Freude macht, mache ich das nicht“, sagte sie.

Gluth-Zandtova betonte, sie wolle nicht die Ordnungskräfte kritisieren, die nichts dafür könnten. Dass die Einhaltung von Regeln zum Schutz vor Corona wichtig ist, das steht für sie außer Frage. Aber die Familien, die Bratwurst und Waffel essen oder auch mal einen Glühwein trinken wollen, seien gar nicht das Problem gewesen – und auch nicht die Stände auf dem Weihnachtsmarkt. Durch die Werbung für „Marburg by Night“ seien von weither „viele Sauftouristen“ gekommen. Das hatten auch andere Standbetreiber kritisiert.

Das Stadtmarketing erklärte auf die Kritik, man habe bewusst das Adventsleuchten auf acht Abende im Advent ausgeweitet, um die Aktion zu entzerren, und den Titel „Marburg by Night“ gewählt statt früher „Marburg b(u)y Night“, „da bewusst die lange Einkaufsnacht gestrichen wurde“. „Diese Informationen scheinen missverständlich zu sein und nicht so sehr bei den Menschen angekommen zu sein, wie wir es uns gewünscht hätten“, bedauerte das Stadtmarketing.
Viele der Alkohol-konsumierenden Gäste seien nicht zu den Glühweinständen gegangen, sondern zu Lokalen, die am Fenster „Glühwein to go“ ausschenken, sagte Gluth-Zandtova. „In den Lokalen und den Außenbereichen der Lokale stand Kopf an Kopf.“ Und dort sei der Verkauf auch bis in die Nacht weitergegangen.

„Ich finde das unfair“, kritisierte sie. „Die Menschen, die für den Weihnachtsmarkt wirklich viel investiert haben, die Schausteller, die wochenlang aufgebaut haben, deren Arbeit wird unterbunden. Und die Gastronomen als Trittbrettfahrer dürfen weitermachen. Wenn es ein Ausschankverbot gibt, dann muss es für alle gelten.“

Stadt versteht den Ärger

Die Pressestelle der Stadt erklärte dazu, die Stadt verstehe den Ärger. Man habe die Gastronomiebetriebe gebeten, den „Glühwein-to-Go“-Verkauf einzustellen. „Am Sonntag wurde jedoch direkt wieder Glühwein to Go verkauft, was wir keinesfalls gutheißen“, teilte Patricia Grähling von der Pressestelle der Stadt mit. Man sei weiter in Gesprächen mit allen Beteiligten und prüfe parallel rechtliche Möglichkeiten. Die Stadt selbst könne dies aber nur für die Buden entscheiden, die auf öffentlichen, städtischen Flächen stehen, erläuterte Grähling: „Ein generelles Alkoholverkaufsverbot to Go auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes kann – wie bereits im letzten Winter – nur der Landkreis erlassen.“

Die Verantwortlichen von Stadtmarketing und Verwaltung wollten am Montagabend erneut über die Situation auf den Weihnachtsmärkten beraten. Über Beschlüsse mit möglichen Änderungen der Corona-Regeln wurde bis zum Redaktionsschluss nichts bekannt.

Von Stefan Dietrich