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Marburg Viele Diebstähle aus Autos
Marburg Viele Diebstähle aus Autos
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22:02 28.05.2021
Mit dem Spruch „viel Licht, aber auch viel Schatten“ lässt sich die Kriminalstatistik für den Bereich der Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf wohl ganz treffend umreißen (Themenfoto).
Mit dem Spruch „viel Licht, aber auch viel Schatten“ lässt sich die Kriminalstatistik für den Bereich der Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf wohl ganz treffend umreißen (Themenfoto). Quelle: Friso Gentsch/dpa
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Marburg-Biedenkopf

Während die Gesamtzahl der Straftaten im vergangenen Jahr im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Mittelhessen weiter sank, stieg gleichzeitig die Aufklärungsquote mit 65,1 Prozent auf den höchsten Wert der vergangenen zwölf Jahre. Zwischen 2008 und 2020 sank die jährliche Summe aller Straftaten – ohne ausländerrechtliche Verstöße – von mehr als 50 000 auf zuletzt 41 688 Fälle.

Ein etwas anderes Bild zeigt sich in Marburg-Biedenkopf: Hier wurden im vergangenen Jahr 10 137 Straftaten aktenkundig – ein Wert, der mit leichten Schwankungen auch im Verlauf des zurückliegenden Jahrzehnts erreicht wurde. Die Aufklärungsrate in Marburg-Biedenkopf lag 2020 mit 63,6 Prozent leicht unter dem Mittelhessen-Wert und auch unter der Quote der vergangenen drei Jahre in Marburg-Biedenkopf.

Häufung von Diebstählen aus Kraftfahrzeugen

Einen deutlichen Rückgang verzeichnete die Polizei bei den Gewaltdelikten, die im Kreisgebiet verübt wurden: Von 406 (2019) auf 337 (2020) Fälle sank der Wert bei einer vergleichsweise hohen Aufklärungsquote von 87,2 Prozent. Die Zahl der Wohnungseinbruchsdiebstähle stieg zwar im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2019 leicht an, doch die Summe von 124 (2019: 102) bleibt damit „weiterhin auf einem erfreulich niedrigen Niveau, dem zweitniedrigsten Stand, der bisher an Taten innerhalb eines Jahres registriert wurde“, heißt es dazu aus der Polizei-Pressestelle. Im Jahr 2020 kam es in Marburg-Biedenkopf gehäuft zu Diebstählen aus Kraftfahrzeugen, so dass sich die Zahl der registrierten Straftaten in diesem Bereich von 114 Taten im Jahr 2019 für das Jahr 2020 auf 311 Taten erhöhte. Die Polizei-Statistiker schlagen diese Deliktgruppe der „Straßenkriminalität“ zu – ein Bereich, in dem es 2020 insgesamt 1 635 Fälle gab. Das ist ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2019.

Und immer wieder droht der „Enkeltrick“

Waren- oder Kreditbetrug, „Schwarzfahren“, Urkundenfälschungen, Tankbetrügereien, Falschgelddelikte oder Betrügereien am Telefon wie der bekannte „Enkeltrick“: All diese Straftaten sind unter dem Begriff der „Vermögensdelikte“ zusammengefasst. 1 792 derartige Fälle wurden im vergangenen Jahr registriert, den größten Anteil daran hatten Waren- und Warenkreditbetrug mit 466 sowie das Erschleichen von Leistungen mit 269 Taten.

Kontinuierlich ansteigend ist in Marburg-Biedenkopf die Zahl der Betäubungsmitteldelikte. Das sowie die kontinuierliche Steigerung der bereits zuvor sehr hohen Aufklärungsquote zeige die weiter „besonders engagierte Kontrolltätigkeit des Streifendienstes der Schutzpolizei sowie auch des Rauschgiftkommissariats der Regionalen Kriminalinspektion Marburg-Biedenkopf“, wie es in der 2020er Statistik kommentierend heißt. Dieser Erfolg wird allerdings getrübt durch die Zahl von fünf Rauschgifttoten im Jahr 2020.

Die steigende Zahl von Widerstandsdelikten gegen Polizeibeamte ist auch in Marburg-Biedenkopf ein ernstzunehmendes Phänomen. Die im Verhältnis zu den Vorjahren recht deutliche Steigerung nehme eine gesamtgesellschaftliche Entwicklung auf, der bereits aktiv durch Aufklärungs- und Präventionsprojekte, wie die Kampagne „Marburg-Biedenkopf zeigt Respekt“, entgegengewirkt werde, so Polizeisprecher Martin Ahlich. „Diese Bemühungen in Form von Aufklärungs- und Präventionsprojekten müssen weiter intensiviert werden“, fordert Kriminaloberrat Manfred Glaßl: „Dazu werden wir als Polizeidirektion unter anderem eng mit der Stabsstelle für Präventionsangelegenheiten des Polizeipräsidiums Mittelhessen zusammenarbeiten“, sagt der kommissarische Leiter der Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf.

Häusliche Gewalt ist ein Thema, auf das sich insbesondere im Corona-Lockdown der Fokus richtet. In Marburg-Biedenkopf kam es 2020 zwar erstaunlicherweise zu weniger Fällen als im Jahr davor, doch die 305 aktenkundigen Delikte liegen durchaus über dem langjährigen Mittelwert.

Spannend ist der Blick auf die Täterstruktur: Von den 4 746 ermittelten Strafverdächtigen waren 78,4 Prozent männlich und 21,6 Prozent weiblich.

79 Prozent aller Tatverdächtigen waren im Erwachsenenalter, der Rest Heranwachsende (9,6 %), Jugendliche (8,7) und Kinder (2,7). Der Anteil der nichtdeutschen ermittelten Verdächtigen belief sich auf 27,9 Prozent – ein leichter Rückgang im Vergleich zu den Vorjahren.

Kriminaloberrat Manfred Glaßl, kommissarischer Leiter der Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf, bewertet die Kriminalstatistik für das vergangene Jahr so: „Der Landkreis Marburg-Biedenkopf sowie die Universitätsstadt Marburg bleiben auch unter dem Einfluss des Pandemie-Jahres 2020 eine sichere Heimat für ihre Bürgerinnen und Bürger.“

Neben der Pandemiebekämpfung habe, so Glaßl, im Jahr 2020 für das Polizeipräsidium Mittelhessen und auch die Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf ein weiteres Thema maßgeblich die Arbeitsabläufe bestimmt: der Einsatz rund um den Weiterbau der A49 im Dannenröder Forst sowie dem Herrenwald: „Gerade durch die räumliche Nähe des hiesigen Landkreises zum Dannenröder Forst im Vogelsbergkreis, insbesondere für den direkt angrenzenden Stationsbereich der Polizeistation Stadtallendorf, erfuhren die Kolleginnen und Kollegen der PD Marburg-Biedenkopf über weite Teile des Jahres eine besonders hohe Einsatzbelastung.“

Trotz dieser zusätzlichen Aufgaben rund um einen der größten polizeilichen Einsätze in der Geschichte der Landes Hessen seien die Beamtinnen und Beamten der drei Polizeistationen des Landkreises sowie der Kriminalpolizei jederzeit für die Bürgerinnen und Bürger verfügbar gewesen. Auch die präventiven Aufgaben wie Präsenz und Bürgernähe sowie die Strafverfolgung hätten sie vollumfänglich wahrnehmen können.

Die Entwicklung der Straftaten in der Marburger Innenstadt sowie im Landkreis nahm nach Glaßls Sicht der Dinge im Jahr 2020 „einen insgesamt erfreulichen Verlauf“.

Der Kriminaloberrat erklärt weiter: „In den Statistikdaten sind unter anderem zwei umfangreiche Tatserien im Bereich des Diebstahls in/aus Kraftfahrzeugen sowie bei Einbrüchen aus Kellerräumen enthalten. Im Besonderen die Steigerung in diesen beiden Deliktbereichen hatte einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Gesamtsumme der Straftaten. Ohne die genannten Anstiege in den Deliktbereichen Diebstähle in/aus Kraftfahrzeugen /Einbrüche in Kellerräume von fast 300 Taten gegenüber dem Vorjahr wäre vermutlich in der Kriminalstatistik 2020 ein erneut historischer Tiefststand der Straftaten deutlich unter 10.000 Delikten zu verzeichnen gewesen.“ Bei der Betrachtung der Straftatenentwicklung des Jahres 2020 falle besonders positiv der deutliche Rückgang der sogenannten Rohheitsdelikte auf, welcher gerade bei Taten in der Öffentlichkeit – wie Körperverletzung, Bedrohung oder Raub – auch im Zusammenhang des Lockdowns und der Kontaktbeschränkungen zur Bekämpfung der Pandemie zu sehen sei: „Besonders erfreulich ist in diesem Zusammenhang, dass trotz der anhaltenden Einschnitte in das öffentliche Leben der befürchtete Anstieg von Fällen häuslicher Gewalt im Landkreis Marburg-Biedenkopf ausblieb und sogar eine Senkung der Fallzahlen in diesem Bereich stattfand – ein Anstieg sexueller Gewalt gegen Kinder wurde ebenfalls nicht verzeichnet.“

Von Carsten Beckmann

28.05.2021
28.05.2021