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Marburg Kriminalpolizist freigesprochen
Marburg Kriminalpolizist freigesprochen
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20:00 03.06.2022
Gegen einen 56-jährigen Kriminalpolizisten gab es insgesamt vier Anklagepunkte, die zu einer Geldstrafe wegen illegalen Waffenbesitzes führten. Die Vorwürfe der Strafvereitelungen erhärteten sich nicht.
Gegen einen 56-jährigen Kriminalpolizisten gab es insgesamt vier Anklagepunkte, die zu einer Geldstrafe wegen illegalen Waffenbesitzes führten. Die Vorwürfe der Strafvereitelungen erhärteten sich nicht. Quelle: Friso Gentsch
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Marburg

Die Anspannung wich aus dem Gesicht des Angeklagten, als Richterin Becker am Freitagvormittag das Urteil verkündete: Freispruch hinsichtlich der Vorwürfe der Strafvereitelungen und eine Geldstrafe von 40 Tagessätzen á 65 Euro wegen des Besitzes illegaler Waffen.

Damit endete nach sieben von neun angesetzten Verhandlungstagen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt wurden, der Prozess gegen einen 56-jährigen Kriminalpolizisten. Ihm wurde vorgeworfen, Hinweisen auf Drogenhandel nicht nachgegangen, einen Haftbefehl nicht vollstreckt sowie Dienstgeheimnisse verraten zu haben. Zum Anklagepunkt des nicht verfolgten Drogenhandels führte Richterin Becker aus, dass die Einlassungen des Angeklagten „nicht zu widerlegen seien“. Beim Vortrag der Anklage am ersten Prozesstag hieß es, dass der Kriminalhauptkommissar im Jahr 2017 auf einen Hinweis auf einen Drogenhandel im Landkreis zwar die Namen der drei Beteiligten in der Polizeidatenbank überprüfte, aber kein Ermittlungsverfahren einleitete. Später wandte sich der Hinweisgeber, der auch vor Gericht aussagte, an einen anderen Polizisten, was vermutlich die Ermittlungen gegen den Kriminalpolizisten in Gang brachte.

Den zweiten Tatvorwurf aus Ende Oktober 2017 erklärte Richterin Becker als hinfällig, da der vom Angeklagten in Kenntnis des Aufenthaltsortes des Gesuchten nicht vollstreckte Haftbefehl aus Essen bereits verjährt gewesen sei.  

Zum dritten Anklagepunkt äußerte Richterin Becker, dass nichts dafür spreche, dass der Angeklagte keine Ermittlungen führte. Dabei ging es laut Vortrag von Staatsanwältin Christina Sahm am Eröffnungstag um einen Hinweiszettel auf den Betäubungsmittel- und Waffenbesitz eines Kampfhundehalters, den der Angeklagte Mitte März 2018 erhielt. Bei einer im Juni 2018 erfolgten Durchsuchung der Wohnung des Beschuldigten fanden Polizisten Betäubungsmittel sowie Hieb- und Stichwaffen, was zu einer Verurteilung zu drei Jahren Haft führte.

Während Staatsanwältin Sahm sich nach Verhandlungsende nicht zu dem von ihr geforderten Strafmaß äußerte, da sie dieses unter Ausschluss der Öffentlichkeit vortrug, machte Rechtsanwalt Sascha Marx keinen Hehl daraus, auf Freispruch plädiert zu haben, da sein Mandant sich „dienstlich korrekt“ verhalten habe. Die Waffen seien dagegen im privaten Bereich gefunden worden. Das geschah bei einer Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten am 19. Juni 2018. Die Waffen – Butterfly-Messer, Signalpistolen, ein Revolver, ein Schlagring – sowie Patronen sind entweder verboten oder der Angeklagte besaß nicht die erforderliche Erlaubnis.

Bei dieser Durchsuchung seien die Ermittler „sehr tendenziös vorgegangen“, sagte Marx. Es seien aus Zufallsfunden neue Vorwürfe konstruiert worden, die sich jetzt als falsch erwiesen hätten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Gianfranco Fain