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Marburg Knapp 400 Straftaten mehr in 2019
Marburg Knapp 400 Straftaten mehr in 2019
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17:58 04.04.2020
Die Grafik zeigt die statistische Entwicklung der Straftaten in den Kreis-Gemeinden von 2018 und 2019. Quelle: mr//media, Nadine Storjohan
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Marburg

Mit knapp 400 Straftaten mehr im Vergleich zu 2018 ist die Gesamtzahl an Delikten im Kreisgebiet im letzten Jahr gestiegen – und zwar um 396 auf insgesamt 10 276 Straftaten. Das zeigt die aktuelle polizeiliche Kriminalstatistik für Marburg-Biedenkopf, die am Freitag veröffentlicht wurde. Aufgeschlüsselt nach Art der registrierten Fälle ergeben sich dabei große Unterschiede.

Auf der statistischen „Top-Ten-Liste“ der Polizei, die rund 60 Prozent der am häufigsten verübten Taten zeigt, steht die Sachbeschädigung (landkreisweit 1321 Fälle) ganz oben. In 2018 gab es mit 1056 Fällen noch 265 Taten von Sachbeschädigung weniger. Bislang stand die Körperverletzung (1198) ganz oben, die um 108 Fälle gesunken ist. Bei der Rauschgiftkriminalität wurden wiederum 1016 Fälle registriert, eine Steigerung im Vorjahresvergleich von 140 Fällen. Es folgen unter anderem Ladendiebstahl (741) sowie Waren- und Warenkreditbetrug (409). Diebstähle und Einbrüche werden statistisch weiter unterteilt und erfasst, insgesamt wurden aber 3020 Fälle registriert.

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Bei der sogenannten Gewaltkriminalität sank die Fallzahl im Jahresvergleich auf 406 Fälle im Kreis (2018 waren es 422). Zur Gewaltkriminalität gehören Mord, Totschlag, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Raub, räuberische Erpressung, gefährliche und schwere Körperverletzung und solche mit Todesfolge sowie erpresserischer Menschenraub und Geiselnahme. Seit drei Jahren stieg dabei die Fallzahl, sank nun erstmals wieder leicht ab, die polizeiliche Aufklärungsquote lag bei 84 Prozent.

Rückblick: Im letzten Jahrzehnt ist das Jahr 2010 mit insgesamt 568 Fällen bei der Gewaltkriminalität unrühmlicher Spitzenreiter, in 2016 gab es mit 310 Fällen wiederum den niedrigsten Wert innerhalb dieser Zeitspanne. „Die Anzahl der Taten der sogenannten Gewaltkriminalität liegt in einem auf den Landkreis Marburg-Biedenkopf bezogenen vergleichsweise hohen Niveau. Um dieser Kriminalität entgegenzuwirken werden wir die offene Präsenz nochmal intensivieren und die bereits begonnenen Präventionsprogramme weiter stärken“, sagt Polizeidirektorin Gaby Häuser. Darunter etwa Sicherheitsstrategien über das Landesprogramm „Kompass“, das Konzept „Sicheres Marburg“ oder der Präventionskampagne „Respekt“.

Ein Plus ist 2019 dagegen bei der Straßenkriminalität im öffentlichen Raum zu verzeichnen, die auf 1560 Taten und damit um 48 Fälle anstieg. Dennoch sei das – nach dem „historischen Tiefstand“ im Jahr 2018 – die zweitniedrigste bislang registrierte Zahl. Darunter fallen unter anderem 660 Diebstähle und 30 Raubtaten, von denen die Polizei 19 Raube aufklären konnte. Gerade dieser Teil nehme im polizeilichen Alltag „einen breiten Raum“ ein. Bei Raub oder räuberischem Angriff weist die Statistik 78 Taten aus, 17 davon blieben beim Versuch. Es gab 27 Taten auf der Straße, also in der Öffentlichkeit.

Ein vollendetes Tötungsdelikt in 2019

Bei den sogenannten Straftaten gegen das Leben ermittelte die Marburger Kriminalpolizei in 2019 in 13 Fällen, drei weniger als zuvor. In einem Fall kam es im letzten Jahr zu einer vollendeten, vorsätzlichen Straftat gegen das Leben: Der tragischen Fall eines zwei Monate alten Säuglings, der durch Misshandlungen starb, die ihm ein Freund der Mutter zufügte (die OP berichtete). Das Landgericht verurteilte den Täter im November wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer Jugendstrafe von vier Jahren. Bei zwei anderen Fällen wurde wegen fahrlässiger Tötung ermittelt, ein weiterer Vorfall war der Schuss aus einer Pistole im Zuge eines Streits zwischen zwei Familien im Hinterland im März 2019, ohne Verletzte. Ebenfalls dabei statistisch erfasst ist ein Fall vom Februar 2019, als ein 29 Jahre alter flüchtender Autofahrer auf Beamte der Polizeistation Marburg zufuhr und so versucht hatte, seine Flucht zu erzwingen. Bei dem Einsatz erlitten mehrere Polizeibeamte zum Teil schwere Verletzungen, der Täter wurde festgenommen.

206 Fälle gab es bei sogenannten Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung, ein Rückgang von 13 Taten. Die Anzahl der gravierenden Sexualdelikte Vergewaltigung und sexuellen Nötigung blieb mit 30 Taten im Vergleich zum Vorjahr gleich. 22 dieser Taten konnte die Kriminalpolizei aufklären.

Einbrüche deutlich gesunken

Einen neuen Rekord beim Wohnungseinbruchsdiebstahl erreichte der Kreis auch, im positiven Sinne: In 2018 lag die Gesamtzahl noch bei 167, die Fälle sanken nun auf insgesamt 102, inklusive derer, die im Versuchsstadium blieben. Das seien laut Polizei so wenig Einbrüche wie noch nie zuvor. Die Täter blieben bei 50 der 102 Taten entweder ohne Beute oder kamen gar nicht erst in das Gebäude hinein, scheiterten etwa an einbruchshemmenden Fenstern und Türen.

Polizeidirektorin Gaby Häuser gibt sich in der Gesamtschau zuversichtlich: „Ich bin davon überzeugt, dass die Bürgerinnen und Bürger nach wie vor in einem kriminalistisch betrachtet sicheren Landkreis leben. Die Zahlen der Kriminalstatistik zeigen trotz des Anstiegs von 9 880 auf 10 276 Taten, dass bestimmte polizeiliche Maßnahmen greifen“, fasst die Polizeichefin zusammen.

Eine umfangreiche Analyse und Auswertung zur polizeilichen Kriminalstatistik für den Landkreis Marburg-Biedenkopf gibt es unter www.polizei.hessen.de (https://k.polizei.hessen.de/1288775157)

Von Ina Tannert

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