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Marburg Videoüberwachung wird geprüft
Marburg Videoüberwachung wird geprüft
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18:00 19.03.2019
Das Marktdreieck rund um den Erlenring ist ausweislich der Polizeistatistik weiterhin ein Brennpunkt der Kriminalität in Marburg und im Landkreis. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Nachdem die Taten ab den Jahren 2014 bis 2017 kontinuierlich angestiegen waren, gab es 2018 bei einer gegenüber dem Vorjahr nochmals gesteigerten Aufklärungsquote auf 62,8 Prozent, erstmals wieder einen Rückgang. Hier wirkt sich nach Ansicht von ­Bodo Koch, dem Leiter der ­Polizeidirektion Marburg-Biedenkopf, das Maßnahmenpaket von Stadt Marburg und Polizei unter dem Motto „Sicheres Marburg“ aus“.

Vor allem die bekannten polizeilichen Einsatzschwerpunkte­ rund um das Marktdreieck und den Marburger Hauptbahnhof seien besonders in den Blick genommen worden. Speziell dort gebe es bauliche Veränderungen, verstärkte uniformierte und zivile Kontrollen, täterorientierte Ermittlungen durch eine besonders eingerichtete Arbeitsgruppe sowie ein konsequentes Einschreiten und die Verfolgung von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten. Zudem würden Aufenthaltsverbote verhängt und diese dann auch durch ­polizeiliche Ingewahrsamnahmen“ durchgesetzt.

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Trotz der insgesamt positiven Entwicklung, bleibe aber die statistisch leicht erhöhte Gewaltkriminalität im öffentlichen Raum ein Thema. Dagegen vorzugehen sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, heißt es in einer Mitteilung der Polizei. „In der Kernstadt Marburg entfallen knapp 9 Prozent der Gesamtkriminalität auf den polizeilichen Brennpunkt rund um das Marktdreieck und die Lahnterrassen am Erlenring. Eine Videoüberwachungsanlage in diesem Bereich wäre aus fachlicher Sicht geeignet, die Straftaten auch zukünftig weiter zu reduzieren“, gibt Bodo Koch ­einen Ausblick auf anstehende Aufgaben.

„Wir wollen zusammen mit der Polizei prüfen, ob am Marktdreieck punktuell eine Video-Überwachung möglich ist“, bestätigte der Marburger Ordnungsdezernent Wieland Stötzel (CDU) auf Anfrage der OP. Er hofft, dass bis zu den Sommerferien die ersten Ergebnisse der Prüfung vorliegen, ob und wenn ja, an welchen Standorten Kameras installiert werden könnten. Eine Videoüberwachung könne dann erfolgen, wenn die Installierung dazu geeignet sei, Straftaten zu reduzieren, merkte Bürgermeister Stötzel an. Dabei gebe es prinzipiell besonders aus datenschutzrechtlichen Gründen häufig Bedenken gegen eine öffentliche Videoüberwachung. Sie könne aber durchaus einen Abschreckungseffekt auf potenzielle ­Täter haben.

Die Videoüberwachung im ­Bedarfsfall auf Knopfdruck, die seit Sommer 2018 am Jägertunnel von der Stadt Marburg installiert ist, stößt nach Angaben von Stötzel im Übrigen auf positive Resonanz und trage einer Umfrage zufolge zu einer Verstärkung des Sicherheitsgefühls bei.

Zahlen der Polizeistatistik 2018 für Marburg

852 Taten (2017: 909) fallen unter die sogenannte Straßenkriminalität. Mit 20 Raubdelikten passierten dabei 2018 genauso viele wie 2017. Dazu kamen 413 Diebstähle (510) und 74 Sachbeschädigungen durch Graffiti (68).

Einen Anstieg gibt es in Marburg in Sachen Gewaltkriminalität – und zwar von 178 auf 205 Taten, was sich vorrangig durch den Anstieg der gefährlichen Körperverletzungen erklärt.

1740 der 5013 Taten fielen ­unter die Rubrik Diebstähle. Das sind 225 weniger als im Jahr zuvor, in dem es beim Diebstahl schon einen Rückgang von 197 Delikten gab.

In dieser Zahl sind die Wohnungseinbrüche enthalten. Im Jahr 2017 kam es in Marburg inklusive der 26 Versuchstaten zu 60 Wohnungseinbrüchen. 2018 waren es bei 36 Versuchen 73 Einbrüche.

Die sogenannten „Rohheitsdelikte“ umfassen unter anderem Raub, Körperverletzung und Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Deren Gesamtzahl stieg von 738 auf 821 an, wobei es bei den Körperverletzungen einen Zuwachs von 74 Taten von 520 auf 594 gab.

Die Raubdelikte sind von 55 auf 44 gefallen. 20 davon ereigneten sich im öffentlichen Raum.

Die Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung stiegen von 60 auf 113 Taten an. Darin enthalten sind unter anderem 18 Fälle von Vergewaltigung (16 sind geklärt), 33 sexuelle Belästigungen, 32 Fälle von sexuellem Missbrauch und 19 Mal Exhibitionismus. Auch hier dürfte die veränderte Gesetzeslage mit dem veränderten Anzeigeverhalten und der neuen Bewertung der Delikte ursächlich für die Steigerung sein, heißt es in der Pressemitteilung.

von Manfred Hitzeroth