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Marburg „Wenn am Montag Menschen nach Marburg kämen, wären wir vorbereitet“
Marburg „Wenn am Montag Menschen nach Marburg kämen, wären wir vorbereitet“
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10:09 28.02.2022
Menschen aus der Ukraine kommen am Bahnhof von Przemysl in Polen an.
Menschen aus der Ukraine kommen am Bahnhof von Przemysl in Polen an. Quelle: Petr David Josek/AP/dpa
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Marburg

Der von Russlands Präsident Wladimir Putin ausgelöste Krieg in der Ukraine hat eine Massenflucht aus dem Land ausgelöst. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) schätzt, dass sich innerhalb der Ukraine rund 100 000 Flüchtlinge auf den Weg gemacht haben. Diese Zahl nannte am Freitag Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). Man sei wachsam und vorbereitet auf das, was komme, versicherte die Ministerin im „ZDF-Morgenmagazin“. Städte und Kommunen hätten bereits ihre Hilfe angeboten, erklärte Faeser.

Bereits am Donnerstag, dem Tag des Kriegsbeginns, hatte Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies reagiert und den Auftrag erteilt, die zum 1. März leerstehenden Räume der Marburger Altenhilfe in der Sudetenstraße 24 für den Fall eines kurzfristigen Bedarfs für Geflüchtete vorzuhalten. Diesen Vorschlag unterbreiteten auch die Marburger Grünen. Spies sagte im Gespräch mit der OP: „Wir wissen nicht, wann und wie viele Menschen nach Marburg kommen. Erst einmal müssen die Flüchtenden aus der Ukraine heraus, dann durch Polen und schließlich würde der Weg ja erst einmal über die Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen führen.“

Gebäude in der Sudetenstraße

Doch der Oberbürgermeister zeigte sich trotz aller Unwägbarkeiten zuversichtlich: „Wenn am Montag Menschen nach Marburg kämen, wären wir vorbereitet – wir können kurzfristig Kapazitäten für 80 bis 100 Menschen anbieten.“ Das Gebäude in der Sudetenstraße sei eine Option, wenn der Brandschutz keine Einwände habe, sagte Spies weiter: „Auf jeden Fall haben wir dort schon einmal vorsorglich das Ausräumen des Mobiliars gestoppt.“ Die Universitätsstadt Marburg habe es auch 2015 in kürzester Zeit geschafft, viele Menschen aufzunehmen, so der OB, der bekräftigte: „Generell begegnen wir in Marburg allen Menschen mit offenen Armen.“ Die Herausforderung sei allerdings, den ankommenden Menschen auch Perspektiven zu bieten: „Ein Dach über dem Kopf ist schnell gefunden. Aber wir wollen das Problem nicht in einem Altbau am Richtsberg abladen und es dann vergessen.“

Sascha Hörmann von der Pressestelle des Landkreises Marburg-Biedenkopf sagte am Freitag auf OP-Nachfrage: „Mit Blick auf unterschiedliche Entwicklungen auf der Welt hat der Landkreis bereits im Dezember vergangenen Jahres damit begonnen, weiteren möglichen Wohnraum für Geflüchtete zu gewinnen.“ Darüber hinaus verfüge der Kreis, nicht zuletzt auch aufgrund der seit 2015 gemachten Erfahrungen, über gute Strukturen, um Geflüchtete nicht nur kurzfristig aufnehmen, sondern auch auf lange Sicht gut versorgen und betreuen zu können. Welche Liegenschaften konkret für eine Unterbringung bereitstünden, sei „angesichts der sehr dynamischen Lage zum gegenwärtigen Zeitpunkt, ohne Kenntnis einer Vielzahl relevanter Faktoren, nicht seriös zu beantworten“, so Hörmann weiter. Auch er sagte jedoch: „Die Kreisverwaltung hat 2015 bewiesen, dass sie auch kurzfristig schnell Unterkünfte und Versorgungsstrukturen für eine Vielzahl von Menschen schaffen und unterhalten kann.“

Bei Asylantrag in die Erstaufnahmeeinrichtung

Den Schutzsuchenden, die ihr Land jetzt verlassen müssen, wollen wir hier in Marburg konkrete Unterstützung bieten“, äußerte am Freitag Maximilian Walz, Sprecher des Parteivorstands der Marburger Grünen, in einer Presseerklärung. Die Stadt Marburg habe sich bereits mehrfach bereit erklärt, Geflüchtete und Schutzsuchende aufzunehmen, etwa mit der Erklärung zum „Sicheren Hafen“ oder im Rahmen der Initiative „200 nach Marburg“. Dieses Angebot bekräftigten auch die Grünen angesichts der Lage in der Ukraine: „Wir haben Platz, wir haben den Willen und die Möglichkeit, Schutzsuchende in Marburg aufzunehmen“, sind Vorstandssprecherin Lena Frewer und Walz überzeugt.

Zur Frage der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen sagte am Freitag Thorsten Haas vom Regierungspräsidium Mittelhessen: „Sofern ukrainische Staatsangehörige einen Asylantrag stellen, würden sie in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes Hessen (EAEH) aufgenommen und untergebracht.“ Die EAEH verfüge seit mehreren Jahren über ein flexibles Standortorganisationskonzept, das dem aktuellen Ankunftsgeschehen Rechnung trage, so Haas. So habe die Landesregierung bereits vor einiger Zeit die Ertüchtigung dreier weiterer Standorte – ehemalige Kasernengebäude in Friedberg, Fuldatal und Darmstadt – beschlossen: „Die werden zeitnah fertiggestellt und erhöhen die Kapazität der Erstaufnahmeeinrichtung weiter“, so der RP-Sprecher.

Auf der Website des hessischen Innenministeriums finden ukrainische Staatsangehörige, die sich aktuell in Hessen aufhalten, Informationen: https://innen.hessen.de/hessen-hilft-ukraine

„Mayors for Peace“: Marburg zeigt Flagge

Als Zeichen der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine beflaggt die Universitätsstadt Marburg das Rathaus von diesem Samstag bis einschließlich Sonntag, 27. Februar. Gemeinsam mit anderen Städten wird in Marburg die Mayors-for-Peace-Fahne (Bürgermeisterinnen und Bürgermeister für Frieden) gehisst. Zudem erstrahlt das Erwin-Piscator-Haus in Blau und Gelb, den Farben der ukrainischen Flagge.

Von Carsten Beckmann

25.02.2022
25.02.2022