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Marburg Gesprächsangebote und Spendenaktionen an der Elisabethschule
Marburg Gesprächsangebote und Spendenaktionen an der Elisabethschule
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10:00 08.04.2022
Helen Uhlig (von links), Lena-Maria Egorov, Nikita Egorov, Lada Sukmanova (die Schülerin aus Kiew), Lehrerin Luisa Wenner, Alma Swaid, Malin Beck, Hannah Selomon und Hanna Sukmanova, die Mutter von Lada.
Helen Uhlig (von links), Lena-Maria Egorov, Nikita Egorov, Lada Sukmanova (die Schülerin aus Kiew), Lehrerin Luisa Wenner, Alma Swaid, Malin Beck, Hannah Selomon und Hanna Sukmanova, die Mutter von Lada. Quelle: Victoria Storozenko
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Marburg

Für erwachsene Menschen ist es bereits schwer genug, zu verstehen und zu ertragen, dass in der Ukraine Krieg herrscht, seit russische Truppen dort einmarschiert sind. Ungleich schwerer ist es für Kinder und Jugendliche, die Fernsehbilder und Nachrichten zu verarbeiten – Bilder von kämpfenden Menschen, von Toten, Bilder von Menschen, die auf der Flucht alles zurücklassen mussten. „Es geht um zwei Dinge“, sagt Gunnar Merle, Leiter der Marburger Elisabethschule: „Direkt zu helfen und gleichzeitig mit den Ängsten der Schülerinnen und Schüler umzugehen.“

Victoria Storozenko ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Schulpädagogik und Vertretungslehrerin an der Elisabethschule. Ein Teil ihrer Familie wohne in der Ukraine, ein Teil in Russland, sagt Storozenko zu ihrer Motivation, mit Schülerinnen und Schülern über den Krieg zu sprechen. Auch Luisa Wenner ist an dem alle zwei Wochen stattfindenden Gesprächskreis für Jungen und Mädchen aus der Mittelstufe beteiligt. Die Französisch- und Religionslehrerin ist Schulseelsorgerin, und sie sagt: „Wir stellen uns unter anderem mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam die Frage, wie wir die Nachrichten aus dem Krieg wahrnehmen.“ Es gehe um das Verstehen der Hintergründe des Konflikts, ergänzt ihre Kollegin Ute Trautwein, die neben Deutsch und Ethik ebenfalls Religion unterrichtet. Rund zwei Dutzend Schülerinnen und Schüler nehmen an dem Projekt teil, und Ute Trautwein beobachtet: „Insbesondere Mädchen interessieren sich für das Thema, sie sind offenbar emotionaler dabei.“ Das bestätigt Victoria Storozenko, und sie sagt: „Die Jungen interessieren sich eher für die strategische Lage des Konflikts.“ Das gelte pauschal so für die Mittelstufe, bei älteren Schülern sei das bereits wieder anders, sagen die Pädagoginnen.

Oberstufenschüler übersetzen

Zu Besuch hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Angebots bereits eine geflüchtete ukrainische Mutter mit ihrer 13-jährigen Tochter. „Zwei Oberstufenschüler haben ins Deutsche übersetzt, was Mutter und Tochter erzählten“, berichtet Storozenko. Während die älteren Schülerinnen und Schüler hauptsächlich an den Hintergründen der Flucht interessiert waren, hätten Jüngere offenbar noch eine andere Wahrnehmung. „Da kamen auch Fragen wie: Was hast du mit deinen Haustieren gemacht?“, erzählt Ute Trautwein.

Rapper Capital Bra besuchte die Elisabethschule – der gebürtige Russe lebte mit seiner Familie in der Ukraine, bevor er nach Berlin übersiedelte. Eine 12. Klasse beschäftigte sich mit dem Text eines Friedenssongs, den Capital Bra vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs noch einmal aktualisiert hatte.

„Den Bedarf, diese Situation aufzuarbeiten, haben wir alle“, meint Silke Maltus. Die Sport- und Religionslehrerin ist zudem als städtische Schulsportkoordinatorin sowie als Leiterin der „La-Paz-AG“ an der Elisabethschule tätig. Diese AG existiert seit Jahren und unterstützt ein Schulprojekt in Bolivien. Jetzt allerdings richtet sich auch dort der Fokus auf die Ukraine: „Am ersten Kriegstag haben wir zu einer Spendenaktion in der Schule aufgerufen – da kamen schon 1 500 Euro zusammen“, erinnert sich Maltus. Mit dem Geld wurden Arzneimittel und Hygieneartikel gekauft: „Noch am gleichen Tag waren die Sachen verpackt und mit einem Hilfskonvoi unterwegs. Weitere Spendenaktionen folgten, in Marburg angekommene Geflüchtete wurden mit Kleidung, Spielsachen und Lebensmitteln versorgt.“

„Auch die Jüngeren haben das Bedürfnis, etwas zu tun“, sagt die Pädagogin. Eine Malaktion wurde ins Leben gerufen, an der sich am Ende 17 Schulen beteiligten. 1 600 bunte Bilder entstanden so, die als Willkommensgruß in den Hallen aufgehängt wurden. „Malt Regenbogen, Sonnen, malt mit vielen bunten Farben“, war die Devise, die die meisten Kinder beherzigten. „Ein Junge hat Panzer gemalt, das Bild haben wir aussortiert“, sagt Victoria Storozenko.

Von Carsten Beckmann