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Marburg Kreuzfahrten: Pandemie-Probleme an Bord
Marburg Kreuzfahrten: Pandemie-Probleme an Bord
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08:00 04.01.2022
Das Kreuzfahrtschiff AIDAnova liegt im Kreuzfahrtterminal der portugiesischen Hauptstadt. Das Schiff sollte am 30. Dezember 2021 von Lissabon aus in Richtung Madeira und Kanarische Inseln starten. Doch wegen Corona-Fällen in der Besatzung endete die Reise vorzeitig in Lissabon.
Das Kreuzfahrtschiff AIDAnova liegt im Kreuzfahrtterminal der portugiesischen Hauptstadt. Das Schiff sollte am 30. Dezember 2021 von Lissabon aus in Richtung Madeira und Kanarische Inseln starten. Doch wegen Corona-Fällen in der Besatzung endete die Reise vorzeitig in Lissabon. Quelle: Soeren Stache/dpa
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Marburg

Erst kurz nach dem Jahreswechsel wurde bekannt: Mehrere Kreuzfahrtschiffe müssen ihre Reise aufgrund von mehreren Corona-Fällen an Bord abbrechen. Die „AIDA Nova“, die mit mehr als 4000 Menschen an Bord ihre Reise von Rostock aus begann, stoppte in Lissabon, als mehrere Crewmitglieder positiv auf das Corona-Virus getestet wurden. Betroffene wurden an Land isoliert, allen Urlaubsreisenden steht nun der Rückflug bevor. Eine Stichproben-artige Umfrage bei den lokalen Reisebüros hat ergeben, dass bislang keine Urlaubsreisenden aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf betroffen sind.

Das Szenario wirft mehrere Fragen auf: Wie sicher sind Kreuzfahrten während einer Pandemie? Wie kann ich mich bestmöglich absichern? Wann greift welche Versicherung? Welche Kosten sind selbst zu tragen? Marc Franz, Büroleitung des Reisebüros Stingel in Cappel, bringt Ordnung in das Versicherungs-Chaos.

„Es gibt in Deutschland nur zwei Versicherungen, die den Pandemie-Fall in ihrer Standard-Auslandsversicherung abdecken“, erklärt Franz, „Alle anderen Versicherern ist dies ein zu hohes Risikogeschäft.“ Sie verorten eine Corona-Infektion an Bord als höhere Gewalt.

Wie Corona-sicher sind Kreuzfahrten?

Viele andere Versicherer bieten zusätzlichen Reiserücktrittschutz in Form von Flex-Angeboten bei Pauschalreisen. „Damit kann die Reise bis zu 14 Tage vor Reiseantritt noch storniert werden“, weiß Franz. Diese greife jedoch nicht bei Kreuzfahrten. Oftmals gebe es nur die Möglichkeit 30 oder 40 Tage vor Reiseantritt umzubuchen oder zu stornieren. Bei den aktuellen Bestimmungen und wechselnden Hochrisikogebieten ist das eher unflexibel. „So richtig absichern kann man sich also nicht“, sagt Franz. Wer also eine Kreuzfahrt gebucht hat und diese aus Angst vor einer Infektion nicht antreten möchte, ist laut Franz auf die Kulanz der Reedereien angewiesen. Die Folge: Urlauber halten sich bei der Buchung von Kreuzfahrten eher bedeckt. „Wir haben einen deutlichen Unterschied im Buchungsverhalten der Urlauber bemerkt“, sagt Franz, „Es werden weniger Kreuzfahrten, dafür mehr Ferienwohnungen und Campingausflüge gebucht, die Wohnmobilbranche boomt.“ Doch was ist, wenn ich mich während einer Kreuzfahrt infiziere? Auch dafür gibt es keine einheitliche Lösung.

03.01.2022, Portugal, Lissabon: Ein Passagier (M) winkt, nachdem er das Kreuzfahrtschiff Aida Nova verlassen hat. Nachdem mehrere Passagiere und Besatzungsmitglieder positiv auf das Coronavirus getestet worden sind, wurde die Kreuzfahrt vorzeitig in der portugiesischen Hauptstadt abgebrochen. Quelle: Armando Franca/AP/dpa

„Im Sommer wurden auf den Kreuzfahrtschiffen sogenannte Quarantäne-Decks eingerichtet, auf denen Infizierte isoliert werden konnten“, erinnert sich der Reisebüroleiter, „Diese gibt es aber nun auch nicht mehr.“ Die Kosten für die Quarantäne-Unterkunft sowie Rückflug würden im Infektionsfall von der Reederei getragen werden. Trotz der aktuellen Corona-Fälle auf der „Aida Nova“ von Aida Cruises und „Mein Schiff 6“ der Reederei Tui Cruises betrachtet der internationale Branchenverband Clia Kreuzfahrten weiter als sichere Reisen.

„Grund dafür sind die hohen Eingangsbarrieren“, sagte der deutsche Clia-Geschäftsführer Helge Grammerstorf am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Auf den Schiffen gelte die 2G-plus- oder sogar 1G-plus-Regel. Dies bedeute, dass bei 2G plus eine Booster-Impfung Voraussetzung ist, das Schiff zu betreten, bei 1G plus, also ausschließlich geimpften Personen, reiche selbst der Genesenen-Status nicht aus. „Die Reedereien reagieren schnell und sehr konsequent.“

Zusätzlich müssten sich Passagiere unmittelbar vor Reisebeginn einem PCR-Test unterwerfen, auch während der Fahrt werde getestet. Würden Passagiere während der Reise positiv getestet, sei die Zeit nach der Ansteckung zu kurz für die Tests gewesen, um einen Corona-Fall noch vor der Reise zu entdecken.

„Bei so engmaschigen Kontrollen fallen auch Menschen auf, die wahrscheinlich sonst gar nicht entdeckt worden wären“, sagte Grammerstorf.

Von Larissa Pitzen und unserer Agentur

03.01.2022
03.01.2022