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Marburg Koalition aus SPD und CDU kann weitermachen
Marburg Koalition aus SPD und CDU kann weitermachen
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09:43 18.03.2021
In den vergangenen Tagen wurde fleißig ausgezählt.
In den vergangenen Tagen wurde fleißig ausgezählt. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Wahlsieger sind nach Vermehrung der Sitze die Grünen und die Newcomer von der Klimaliste. Die Grünen klettern von acht auf 13, die Klimaliste holte aus dem Stand drei Sitze. Die FDP gewinnt gegenüber der 2016er Wahl einen Sitz dazu – aber eigentlich sind es zwei, weil ihnen ja ein Mandat verloren ging, als Professor Dr. Dr. med Ulrich Mueller die Fraktion verließ, um mit dem Piraten Frank Lerche eine neue Gruppierung innerhalb des Kreistages zu gründen. Die letzte Gruppierung, die ein Plus zu verzeichnen hat, ist die Bürgerliste Weiterdenken, die als zweiter Neuling ein Mandat erringen konnte. Die AfD muss eine Halbierung ihres Ergebnisses von 2016 hinnehmen. Damals startete die Partei mit zehn Mandaten, stellte die stärkste Oppositionsfraktion. Allerdings rutschte sie dann sehr schnell ab, weil zwei Personen die Fraktion in Richtung Freie Bürger verließen. Und was sagen die grünen Sitzgewinner?

Sandra Laaz ist mit dem Ergebnis der Grünen sehr zufrieden. „Ich freue mich über den guten Zuspruch und auch über neue Leute in unserer Fraktion.“ Dass die Klimaliste mit drei Sitzen in den Kreistag einzieht, wertet Laaz zunächst positiv. In Sachen Klimaschutz sei es immer gut, Mitstreiter zu haben. Weniger schön findet sie es, dass SPD und CDU weiterhin eine Koalition bilden können und somit alle Ideen der anderen Parteien entweder im Keim ersticken oder eben so umbauen, dass es für sie passt. Dennoch werde man gerade als nun klar stärkste Fraktion in der Opposition die Aufgabe annehmen und weiterhin kräftig eigene Ideen per Antrag einbringen. Nach absoluten Stimmen hat ja eigentlich die SPD gewonnen, aber da sie im Gegensatz zu 2016 etwas an Zuspruch verloren hat, muss sie jetzt mit drei Sitzen weniger planen.

Werner Hesse, bisheriger Fraktionsvorsitzender der SPD im Kreistag, sagt zum Gesamtergebnis: „Es ist nicht so gut, wie wir es uns gewünscht hätten, und es ist nie schön, wenn man Prozente und Sitze verliert.“ Angesichts einer „ganz ungewöhnlichen Wahl“ ohne klassischen Wahlkampf, außerdem mit Blick auf bundesweite Verluste der SPD in den letzten Jahren, sei das Ergebnis „aber eigentlich noch eine gute Gesamtleistung“. Und die SPD bleibt die stärkste Fraktion im Kreistag, „ohne die eine funktionstüchtige kommunale Mehrheit nicht möglich ist, das kann man bei aller Bescheidenheit sagen.“ In der letzten Wahlperiode habe man auf Kreisebene „ohne Ruckeln gearbeitet, ich glaube, dass die Wähler das gesehen haben“. Das Wahlergebnis sei „ein Auftrag, den wir annehmen und angehen werden“, betont Hesse. Erkennt er angesichts eines Trends in Richtung grün – die Grünen legen zu, die Klimaliste zieht neu ein – eine Wählerwanderung? Das durchaus, man habe sicher Stimmen an das „Klimalager“ verloren, „solche Wanderungen sind normal, das gehört dazu – man freut sich, wenn man davon profitiert, aber wenn man verliert, ist es ein Ansporn für nächstes Mal“, sagt Hesse.

Naheliegender Koalitionspartner für die SPD ist natürlich die zweitstärkste Fraktion mit 21 Sitzen, die CDU. Werner Waßmuth, bis dato Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag, sagt in einer ersten Stellungnahme: „Die CDU büßt einen Sitz ein, kommt aber angesichts des Bundestrends besser weg, als vielleicht mancher gedacht hätte. Es wäre natürlich schön gewesen, wenn wir einen oder zwei Sitze mehr gehabt hätten.“ Unterm Strich spiele „die politische Großwetterlage immer eine Rolle“. Die kippte zuletzt nach der Maskenaffaire im Bundestag – vor dem Hintergrund seien die Verluste im Kreistag noch gering, „das ist ein Zeichen, dass der Wähler da schon unterscheidet“. Dies zeige auch das Ergebnis der Briefwahl, die mehrheitlich vor dem Skandal im Bundestag stattfand und in der seine Partei „deutlich besser“ abgeschnitten habe als danach. Die Kreis-CDU werde nun „das Beste daraus machen“ und gehe zuversichtlich in die neue Wahlperiode, zumal in neuer Zusammenstellung und mit einer deutlich jüngeren Fraktion, freut sich Waßmuth.

Kreistag Marburg-Biedenkopf

Die folgende Kandidatinnen und Kandidaten wurden von den Wählerinnen und Wählern in den Kreistag Marburg-Biedenkopf gewählt. Wer letztlich wirklich im Parlament sitzen wird, steht allerdings noch nicht ganz fest, da beispielsweise noch Abgeordnete für den Kreisausschuss von den Parteien bestimmt werden.

Bündnis 90 / Die Grünen: Sandra Laaz, Nadine Bernshausen, Stephanie Theiss, Michael Meinel, Mara Louise Koll, Tomas Schneider, Sabine Matzen, Andreas May, Dr. Michael Korte, Dagmar Kemmerling, Patrick Voyé, Klaus Denfeld, Jacklin Moldenhauer-Dersch. Die nächsten Nachrücker sind: Sabine Schlegel, Jörg Block, Reiner Nau.

CDU: Marian Zachow, Werner Waßmuth, Dr. Horst Falk, Frank Gotthardt, Rosemarie Lecher, Marie-Sophie Künkel, Dr. Stephan Klenner, Christian Weigel, Thomas Groll, Volker Drothler, Christiane Becker, Elisabeth Dörr, Elvira Thomas, Marc Bastian, Dominic-Klaus Diessner, Alexander Steiß, Jan-Philipp Bodenbender, Peter Hartmann, Juliane Metzger, Markus Doruch. Die nächsten Nachrücker sind: Dietmar Ment, Jennifer Hofmann und Hans-Dieter Georgi.

SPD: Kirsten Fründt, Sören Bartol, Detlef Ruffert, Werner Hesse, Silvia Demper, Patricia Grähling, Sebastian Sack, Joachim Thiemig, Julian Schweitzer, Patricia Agricola, Dr. Philipp Hesse, Inge Dörr, Handan Özgüven, Hans-Gerhard Gatzweiler, Dr. Thomas Spies, Kerstin Ebert, Monika Bunk, Hans Martin Seipp, Jürgen Rausch, Hildegard Otto, Lukas Trilse, Christoph Felkl, Klaus-Dieter Engel, Dagmar Naumann, Egon Vaupel. Die nächsten Nachrücker sind: Carla Mönninger-Botthof, Karin Szeder, Tamara Reiers.

AfD: Karl Hermann Bolldorf, Julian Schmidt, Heike Balzer, Sebastian Schmidt, Jürgen Wagner. Die nächsten Nachrücker sind: Wilfried Walter Kissel, Franziska Köther, Jessica Schmidt.

FDP: Thomas Riedel, Winand Koch, Louisa Scholz, Helmut Freiherr Schenk zu Schweinsberg. Die nächsten Nachrücker sind: Jörg Behlen, Dr. Nicolas Combé, Micha Thies.

Die Linke: Anna Hofmann, Dr. Ingeborg Cernaj, Anja Kerstin Lercher, Bernd Hannemann, Christian Bubel. Die nächsten Nachrücker sind: Inge Sturm, Bärbel Schwarz-Köppl, Maximilian Philipp Peter.

Freie Wähler: Bernd Schmidt, Jürgen Reitz, Andrea Suntheim-Pichler. Nächster Nachrücker ist: Michael Miss.

Bürgerliste Weiterdenken Marburg: Annette Wassermann. Nächster Nachrücker ist: Thorsten Kubach.

Liberale und Piraten: Professor Ulrich Mueller. Nächster Nachrücker ist: Frank Lerche.

Klimaliste: Jana Groth, Frauke Haselhorst, Niels Noack. Nächster Nachrücker ist: Merve Hamel.

Von Ina Tannert und Götz Schaub