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Marburg Vorwurf: Pflegenotstand ist real
Marburg Vorwurf: Pflegenotstand ist real
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11:46 17.12.2019
Die Sozialdemokraten des Landkreises wollen Antworten finden - unter anderem auf den ihrer Meinung nach bestehenden Pflegenotstand. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa/Archiv
Cappel

Die Sozialdemokraten des Landkreises haben ihren Zusammenhalt beschworen, um weiter erfolgreich sein zu können. Die neue Doppelspitze der SPD auf Bundesebene spielte beim Unterbezirksparteitag der SPD im Bürgerhaus Cappel so gut wie keine Rolle.

Es ging vielmehr darum, sich jetzt wieder Themen inhaltlich zu widmen, sich klar zu positionieren, um bei den kommenden Kommunalwahlen wie auch bei der nächsten Bundestagswahl Führungsansprüche stellen zu können.

Sören Bartol, Mitglied des Bundestages und Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Marburg-Biedenkopf stellte unmissverständlich klar, dass sich die SPD keinesfalls mit 11 oder 16 Prozent Zuspruch in Deutschland zufriedengeben dürfe. Jetzt müsse man mit klaren Inhalten, Ideen und Konzepten in eine neue Zeit gehen, die man in verantwortlicher Position vor Ort wie auch im Bund gestalten möchte.

„Erträgliche Arbeitsplätze schaffen“

Vor Ort, also im Landkreis, könne man jetzt noch bis zur nächsten Kommunalwahl beweisen, was Wähler von der SPD zu erwarten haben, mit einem SPD-Oberbürgermeister in Marburg und einer SPD-Landrätin im Kreis. Es gehe darum, Antworten zu finden auf eine veränderte und auch dem Klimaschutz angepasste Mobilität sowie auf die Wohnungsknappheit, insbesondere auf dem sozialen Sektor.

Zudem gehe es darum, Arbeitsplätze zu schaffen und zu sichern beziehungsweise daran mitzuarbeiten, dass die Bedingungen am Arbeitsplatz erträglich werden. In diesem Zusammenhang rückte einmal mehr das Uni-Klinikum Gießen-Marburg in den Fokus.

„Ausbildung wird zum Selbststudium“

Mark Müller von der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) des UKGM bekräftigte, dass es am Standort Marburg sehr wohl einen Pflegenotstand gebe, der so gerne von Leitenden verneint werde, und darüber hinaus auch deutliche Probleme bei der Ausbildung. Oftmals spiele dies ineinander, so dass Auszubildende mit Aufgaben betreut werden, von denen die Auftraggeber gar nicht wissen, ob diese das schon leisten können, so Müller.

Statt angeleitet zu werden, mutiere die Ausbildung immer mehr zu einem Selbststudium, nicht zuletzt, weil auch immer wieder Unterricht an der Elisabeth-von-Thüringen-Akademie ausfalle. Über 300 Überlastungsanzeigen und 145.000 Überstunden könne man nicht einfach ignorieren. Auf der Intensivstation bleiben Betten gesperrt, weil einfach kein Personal da sei.

„Privatisierung bleibt falsch“

SPD-Mitglied Britta Schlenkrich-Schwarz, gelernte Krankenschwester, erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass jüngst selbst an der Charité in Berlin krebskranke Kinder abgewiesen wurden, weil es an Personal fehlte. Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies bezog klare Stellung zum Verkauf des Klinikums durch die Landesregierung: „Es war falsch, es ist falsch und es wird falsch bleiben“, sagte er. Sören Bartol bekräftigte, dass man auf allen Ebenen dafür kämpfen wolle, dass der Pflegeberuf attraktiver werde und Arbeitnehmer anständige Arbeitsbedingungen vorfinden.

Sören Bartol (rechts) verabschiedete Jens Womelsdorf als SPD-Geschäftsführer. Foto: Götz Schaub
  • Eine Personalie: Nach acht Jahren Geschäftsführer der SPD Marburg-Biedenkopf wird sich Jens Womelsdorf beruflich verändern. Der SPD wird der bisherige Hauptamtliche allerdings als Ehrenamtler in der SPD Marburg-Allnatal erhalten bleiben. Die Delegierten verabschiedeten ihn am Samstag mit „Standing Ovations“.

von Götz Schaub