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Marburg Krebshäufung: Fragebögen und Wassertests sollen Hinweise bringen
Marburg Krebshäufung: Fragebögen und Wassertests sollen Hinweise bringen
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14:43 08.04.2022
Die Nachforschungen des Gesundheitsamtes zur Häufung von Krebsfällen im Stadtteil Michelbach schreiten voran.
Die Nachforschungen des Gesundheitsamtes zur Häufung von Krebsfällen im Stadtteil Michelbach schreiten voran. Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter
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Michelbach

Die Nachforschungen des Gesundheitsamtes zur Häufung von Krebsfällen im Stadtteil Michelbach schreiten voran. Wie Dr. Birgit Wollenberg am Mittwochabend den Mitgliedern des Ortsbeirates Michelbach berichtete, leitete die Kreisbehörde am selben Tag die Fragebögen an den Arzt im Universitätsklinikum weiter, der das Gesundheitsamt im September auf eine vermeintliche Häufung hinwies. Das Verteilen an die Erkrankten und das Bitten um eine Zusammenarbeit muss über den Mediziner laufen, da dieser als Einziger die Patienten kennt. Das Gesundheitsamt verfügt nur über anonymisierte Daten, anhand derer in Zusammenarbeit mit dem Sozialministerium, der Landesbehörde für Tumorerkrankungen und dem Hessischen Krebsregister der Fragebogen in mehreren Besprechungen entstand.

Mit den Angaben der noch lebenden Patienten möchten die Behörden herausfinden, ob es unter ihnen Zusammenhänge gibt, die das Entstehen der Krebserkrankungen über alle Altersgruppen hinweg begünstigt haben könnten. Es handelt sich um seltene Krebsformen, die Blut- und Immunzellen befallen und zum Teil auch unterschiedlich entstehen. Gegenüber der OP erklärte Wollenberg, das Gesundheitsamt wisse mittlerweile neben den acht Fällen in Michelbach-Nord auch von drei Fällen im alten Dorf. Wie diese zu werten seien, bewerte derzeit das Hessische Krebsregister in Darmstadt.

Fallzahl auffällig

Da die erste, am 23. Dezember vorgelegte Auswertung ergab, dass die Häufigkeit der Erkrankungen trotz der kleinen Fallzahl auffällig sei, veranlasste das Gesundheitsamt weitere Nachforschungen. Beim Regierungspräsidium (RP) in Gießen erfolgten Abfragen beim Altlastenregister und der Immissionsschutzbehörde hinsichtlich möglicher Risikofaktoren in den Böden. Da sich um Michelbach herum vorwiegend landwirtschaftlich genutzte Flächen befanden, rechnet das RP nicht mit Gefahrenstoffen im Untergrund. Einziger noch fraglicher Punkt ist eine ehemalige Mülldeponie. Dort könnten Bauschutt, Bodenaushub und Gartenabfälle sowie Gewerbeabfälle der ehemaligen Behringwerke gelagert sein. Ob es deswegen zu Erkundungsbohrungen kommt, sei noch offen, erklärte Wollenberg am Mittwochabend. Die ehemalige Hausmülldeponie liegt in etwa zwei Kilometern Luftlinie vom Michelbach-Nord entfernt, aber näher am alten Ortskern.

Auch beim Trinkwasser stehen weitere Untersuchungen aus. Zwar habe das Gesundheitsamt aufgrund der bekannten Nitratproblematik des seit dem Jahr 2001 beobachteten Michelbacher Brunnens einen „wahren Datenschatz“ zur Verfügung, die Auswertungen gaben aber keine auffälligen Hinweise auf krebserregende Stoffe im Wasser. Da die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrer Monitoring-Liste fürs Trinkwasser zusätzliche krebserregende Stoffe aufnahm, will das Gesundheitsamt weitere Tests veranlassen, muss für drei der acht Stoffe aber erst noch Labore finden, die die entsprechenden Analysemöglichkeiten haben.

Auf Nachfragen der Ortsbeiratsmitglieder erklärte Wollenberg, es handele sich dabei um benzinähnliche Stoffe. Ferner sagte die Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, dass Krebsfälle von Kindern in einem gesonderten Register gesammelt würden und es in dieser Hinsicht in Michelbach keine Auffälligkeiten gebe. Die Untersuchungen in Michelbach habe die Behörde per Pressemitteilung öffentlich gemacht, um „als Erste sachlich darüber zu informieren“.

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Von Gianfranco Fain

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