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Marburg Kreativ statt Krankenkasse: Platz für Gründer in Schlossbergcenter?
Marburg Kreativ statt Krankenkasse: Platz für Gründer in Schlossbergcenter?
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12:58 26.06.2021
In einer Etage des Schloßbergcenters soll ein Gründer-Zentrum nach Frankfurter Vorbild entstehen
In einer Etage des Schloßbergcenters soll ein Gründer-Zentrum nach Frankfurter Vorbild entstehen Quelle: Archiv
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Marburg

Teile des Schlossbergcenters in Marburg sollen zu einem Sammelbecken für Start-ups werden. Die Stadt Marburg will die seit Jahren leer stehende zweite Etage des Gebäudes – dort, wo bis zur Eröffnung der „Marburg Mall“ die AOK untergebracht war – in der Universitätsstraße für die Gründerszene fit machen.

Mit dem Projekt „Level 2“ sollten mittelfristig über 100 neue Arbeitsplätze entstehen können, kalkuliert man – samt „positivem Einfluss auf die Frequenz in der Oberstadt“, dem Kampf gegen Leerstand, wie es vom Magistrat heißt. Man wolle mit dieser „äußerst wertigen Nutzung“ für eine „Bindung von Start-ups an den Standort“ erreichen.

Die Vorbilder des Vorhabens

Als Vorbild soll das „TechQuartier“ in Frankfurt, im Pollux-Hochhaus dienen. Dort gibt es ein offenes Großraumbüro mit langen Arbeitstischen, einen Lounge-Bereich, Mini-Besprechungsräume mit ausrangierten Business-Class-Sitzen, einige separate Büros und eine Apfelwein-Bar.

Mehr als 200 Arbeitsplätze auf rund 2.000 Quadratmetern bietet das „TQ“ jungen Unternehmen und Gründern. Die Büroflächen günstig, die Mietverträge kurz, das Publikum jung und international, vor allem Finanzmarktprodukte werden dort entwickelt – und von großen Banken vor Ort unterstützt, Innovationen übernommen.

„Ergänzungen der Gründungsaktivitäten“

Kurios: Eigentlich sollte der nach den laufenden Umbauarbeiten neu eröffnende Lokschuppen am Ortenberg als Marburgs Gründer-Zentrum dienen.

Der kommunale Vorstoß irritiert daher manche Menschen in Wirtschaftskreisen, der Magistrat spricht bei dem mit Kreisverwaltung, Sparkasse und Volksbank vorangetriebenen Projekt aber von „Unterstützung und Ergänzung der bisherigen Gründungsaktivitäten“, geht vielmehr von „Synergieeffekten“ aus.

Stadt: Keine Konkurrenz

Man sehe bei den Projekten keine Konkurrenz, weil es in den Start-up-Zentren verschiedene Schwerpunkte gebe – etwa, dass man kommunal auf Jung-Firmen setze, die ein Produkt am Markt haben, die also nicht erst noch an Gründungsideen feilen. Ähnlich sei das auch in Bezug auf das vor zwei Jahren geschaffene „Mafex-Lab“, das Gründer in der ganz frühen Entwicklungsphase berate, aber auf den Kosmos der Philipps-Universität beschränkt sei.

Einen Mangel an Gründer-Geist beklagen Wirtschaftsvertreter jedenfalls seit geraumer Zeit, auch das lange defizitäre Softwarecenter im Südviertel oder das eher abgelegene Gründerzentrum im Stadtwald – nach Angaben der Stadt ist dieses „ausgelastet“ – blieben länger hinter den Erwartungen zurück. Ein Grund, wieso 2018 etwa die „Futura“, eine Gründungs- und Netzwerkplattform geschaffen wurde.

Entwicklungsschub für die Region

Nicht zuletzt vom Lokschuppen-Projekt, dem Konzept der engmaschigen Begleitung des Gründer-Nachwuchses von erfolgreichen Unternehmern, erhofft sich etwa die Industrie- und Handelskammer einen Entwicklungsschub für die Region. Auch, weil es einige Branchen in Stadt und Landkreis praktisch nicht gibt, viele Uni-Absolventen nach ihrem Abschluss in Mittelhessen keine geeigneten Arbeitsplätze finden.

Trotzdem: Im kürzlich veröffentlichten „Neue Unternehmerische Initiativen“-Regionenranking des Instituts für Mittelstandsforschung stieg Marburg-Biedenkopf aber in die Top-10 auf. Im Vorjahr hatte der Landkreis noch Platz 36 belegt.

Von Björn Wisker