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Marburg Publikum aus der Reserve gelockt
Marburg Publikum aus der Reserve gelockt
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20:59 28.05.2019
Die Jungs von Magnus machen den Auftakt beim Dreifachkonzert im KFZ. Quelle: Vladimir F. Ewert
Marburg

Nur zaghaft wagen sich die Besucher anfangs in den Veranstaltungsraum. Doch die Bands von „Marburg Calling“ wissen, wie man die Menschen musikalisch abholt – und schon bald fliegen Hände in die Luft und es wird getanzt.

Pünktlich um 20 Uhr erklingen die ersten Saiten einer Gitarre im KFZ. Drei Bands aus der Region treten beim Konzert „Marburg Calling“ auf: Magnus, Einsneunzig und Phimus.

Und schon möchte man der ersten Band, Magnus, wegen ihrer Pünktlichkeit die Musiker-Glaubwürdigkeit absprechen. Doch das gelingt nicht. Zu gut ist der Sound, zu eindringlich wirken die zwischen Rock und Folk angesiedelten Töne, zu hypnotisierend ist die Stimme von Magnus Ernst, dem Sänger und Frontman der Gruppe. Die Kompositionen wechseln zwischen energischen und melancholischen Impulsen. Auch Moritz Weishaupt (Bass) und Florian Binternagel (Schlagzeug) spielen mit Feingefühl.

Noch ist die Stimmung im Publikum verhalten. Wie scheue Rehe tasten sich die ersten an den Rand der Bühne heran und manche wagen es, mitzusingen oder ihren Kopf im Takt zu wippen. Das ändert sich, sobald Einsneunzig die Bühne betreten.
Doro Idahor prägt den Sound mit ihrer Stimme

Mit kraftvollen und temporeichen Stücken regt die Indie-Rock-Band das Publikum zum Tanzen an. Tim Czerny, dem Sänger und Gitarristen der Gruppe, gelingt es mit Energie und Leidenschaft, den Songs Leben einzuhauchen und eine Geschichte zu erzählen, während Jannick Hach an der Lead-Gitarre in sich versunken wirkt und dabei doch durchdringende Gitarrenriffs hervorbringt.

Kontrabass statt E-Basses

Rhythmische Rückendeckung bekommen die beiden von Eric Vater am Bass und Dimitri Frenkel am Schlagzeug. Nun ist der Weg geebnet für das Finale. Die Stimmung ist mittlerweile sehr gut und die Zurückhaltung geschwunden. Als Phimus die Bühne betreten wird bereits getobt. Johanna Wagner setzt mit dem Keyboard die Grundstimmung, ehe die druckvolle E-Gitarre von David Christ und die verspielten Saxofonklänge von Jona Damm einsetzen.

Energisch treibt am Schlagzeug Benjamin Imhof die von Rock- Funk- und Jazzmusik inspirierten Stücke nach vorne. Am deutlichsten merkt man die Jazzeinflüsse durch die Abwesenheit eines E-Basses, statt dessen gibt Madita Janus den Rhythmus am Kontrabass vor.

Stimme mit Klarheit und Intensität

Charakter gibt der Band jedoch vor allem der Gesang von Doro Idahor. Ihre Stimme zeichnet sich durch große Klarheit und Intensität aus und zieht so das Publikum in ihren Bann. Zwischendurch kommen weitere Personen auf die Bühne und werden Teil des Ensembles für einen oder zwei Songs, darunter auch Magnus Ernst.

Neben den musikalischen Qualitäten hat der Abend auch einen politischen Charakter. Zwischen den Auftritten ermutigen die Bands immer wieder das Publikum dazu, auf jeden Fall an der Europawahl teilzunehmen und sich gegen rechts zu positionieren.

von Vladimir F. Ewert