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Marburg Konzept-Vielfalt zum Neustart
Marburg Konzept-Vielfalt zum Neustart
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16:57 01.06.2020
Blick in den Flur einer hessischen Kindertagesstätte. Quelle: Andreas Arnold
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Ab Dienstag, 2. Juni, beginnt in den hessischen Kitas der eingeschränkte Regelbetrieb und stellt Kitas, Erzieher wie Eltern und Kinder vor neue Herausforderungen.

Auf eindeutige Vorgaben zu Gruppengrößen oder Raumregelungen hat das Land verzichtet, setzt auf „örtliche Flexibilität“, heißt es vom Sozialministerium.

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Zudem hat das Land „Hygieneempfehlungen“ zum Schutz von Kindern und Beschäftigten als „Richtschnur“ verteilt: Da bei Kindern unter sechs Jahren nicht durchgehend zu erwarten sei, dass der Mindestabstand untereinander gewahrt werden könne, gelte es, „besondere Schutz- und Hygieneregeln zu beachten“.

Demnach sollten Gruppen in möglichst konstanter Zusammensetzung betreut und ein Personalwechsel bei den Erziehern vermieden werden. Generell sollten sich möglichst wenige Menschen begegnen, Eltern die Einrichtungen, wenn machbar, nicht betreten.

Jugendamt kommt mit ins Boot

Auch die Voraussetzungen, wer Anspruch auf eine Betreuung hat, wurden leicht verändert. Generell gilt landesweit: Berufstätige Eltern, von denen mindestens einer in einem systemrelevanten Beruf arbeitet, haben einen Betreuungsanspruch. Neu ist, dass beide Elternteile arbeiten müssen.

Einen Vorzug erhalten nun auch berufstätige oder studierende Alleinerziehende sowie Kinder, bei denen die Sicherung des Kindeswohls dringend erforderlich ist oder bei denen ein Härtefall vorliegt, außerdem Kinder mit Behinderungen. Noch freie Plätze werden dann je nach Kapazität vergeben. Übersteigt die Nachfrage das Angebot wird in der Regel im Einvernehmen mit dem Jugendamt eine Auswahl getroffen.

Gemeinden setzen auf individuelle Lösungen

Die Umsetzung des neuen Hygieneplans, Aufteilung von Räumen, Personal und Kita-Gruppen müssen die Träger nun in Eigenverantwortung regeln. Und da geht man in den Kommunen ganz verschiedene Wege: Während die einen die Betreuungszeiten auf wöchentliche Wechsel umgestellt haben, setzen andere auf mehr Fläche, weichen, wenn möglich, etwa auf Bürgerhäuser aus. Je nach Kapazität bieten manche Träger den Eltern zusätzliche Lösungen an.

Etwa der Verein „Kinder sind unsere Zukunft“, der sich um die Einrichtungen der Gemeinde Lahntal wie um die Kita Kesterburg in Münchhausen kümmert. Wie der freie Träger auf seiner Homepage mitteilt, gilt der Zugang zum eingeschränkten Regelbetrieb für Kinder, die unter die oben genannten Voraussetzungen fallen. Der Verein will aber auch „Vorschüler und Kinder von Eltern, die beide berufstätig sind, zu den benötigten Zeiten aufzunehmen“.

Wetter schickt die „Schulis“ vor

Ab dem 8. Juni wolle man dann auch „allen Kindern, für die eine Betreuung gewünscht wird, die Möglichkeit geben, die Einrichtung noch vor den Sommerferien zu nutzen.“ Eine Ausweitung der Betreuungskapazitäten sei aktuell nicht möglich. „Angedachte räumliche Erweiterungen durch eine Raumnutzung in Bürgerhäusern oder anderen Gebäuden wurden uns nicht genehmigt.“

Auch die Stadt Wetter setzt zum Kita-Neustart auf Regelungen für ältere Kinder, für die bald der Schulanfang ansteht: „Um den Vorschulkindern einen noch einigermaßen gelungenen Übergang und eine Verabschiedung zu ermöglichen, wird es in den jeweiligen Kitas gesonderte Vorschulnachmittage geben, schreibt die Stadt. Dies gelte auch für Kinder, deren Eltern nicht zu der oben genannten Gruppe gehören.

Weimar sieht sich gut gerüstet

Eltern mit Betreuungsanspruch können ebenfalls die Nachmittagsgruppe nutzen. Die Stadt bietet zudem Eltern, die sich „in einer besonderen Belastungssituation“ befinden, Unterstützung an: „Wir prüfen im Einzelfall die Möglichkeit einer individuellen Hilfestellung.“

Die Gemeinde Weimar sieht sich ebenfalls gut gerüstet bei der Umsetzung der Auflagen, „momentan ist es so, dass wir das händeln und unser Konzept umsetzen können“, teilte Bürgermeister Peter Eidam am Donnerstag in der Gemeindevertretung mit.

Die Gruppengrößen wurden reduziert, maximal sind in den Einrichtungen zwei Gruppen vorgesehen. Auf andere Standorte ausweichen können diese platzbedingt nicht, bedauert Eidam. Aber es gebe noch „ein paar Kapazitäten“. Das könne sich künftig aber schnell ändern, gerade weil manche Eltern im Moment noch auf einen Kita-Besuch verzichten.

Zwei Drittel im Ebsdorfergrund wieder betreut

In der Gemeinde Ebsdorfergrund werden ebenfalls die Gruppengrößen der Kitas und Krippen Träger-übergreifend verringert. Alle Plätze für Kinder, deren Eltern einen Betreuungsanspruch haben, könnten aber gewährleistet werden, teilt Bürgermeister Andreas Schulz mit.

Insgesamt können ab Dienstag zwei Drittel aller Kinder in der Gemeinde wieder betreut werden. Weitere Kapazitäten werden nach Absprache gefüllt, wobei auch hier Vorschulkinder einen Vorzug erhalten.

Alle Betreuungswünsche werden je nach Region aber nicht erfüllt werden können. Mit der neuen Situation werden sich die Träger nun auseinandersetzen müssen und prüfen, was bis zu den Sommerferien und danach machbar ist.

Von Ina Tannert

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