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Marburg Gestörte Lieferketten, gestiegene Preise
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18:53 10.02.2022
Die Gastronomie leidet unter den Corona-Beschränkungen, der Klimaindex in der Branche ist stark gefallen.
Die Gastronomie leidet unter den Corona-Beschränkungen, der Klimaindex in der Branche ist stark gefallen. Quelle: Nicolas Armer
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Kassel

Obwohl die Omikron-Welle Deutschland weiterhin fest im Griff hat, läuft die Wirtschaft im Kammerbezirk der IHK Kassel-Marburg derzeit relativ stabil. Denn der IHK-Klimaindex, der gewichtete Faktor aus gegenwärtiger und zukünftiger Lagebeurteilung, liegt bei 114,5 Punkten – und damit nur knapp unter dem Wert der Herbstumfrage (118 Punkte) und kräftig über dem Vorjahreswert (95,7 Punkte). Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK, an der sich rund 300 Unternehmen beteiligten.

Doch schaut man auf die einzelnen Branchen, so werden starke Unterschiede deutlich: Während Industrie (121,5 Punkte, Vorbericht: 124,1 Punkte) und Baugewerbe (110,6 Punkte, VB: 115 Punkte) die Zugpferde der heimischen Konjunktur sind, steckt das Gastgewerbe tief in der Krise: Dort fiel der Klimaindex von 128,9 Punkten im Herbst auf nun 57,4 Punkte. „Das ist ein dramatischer Einbruch – die Corona-Beschränkungen gehen den Betrieben an die Substanz“, sagt Dr. Arnd Klein-Zirbes, Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel-Marburg. So hat in der aktuellen Befragung kein einziger Gastronom seine derzeitige Lage mit „gut“ bewertet, 63,2 Prozent der befragten bewerteten ihre Lage indes als schlecht. Und dieser Pessimismus prägt auch die Einschätzung der gegenwärtigen Lage: 42,1 Prozent erwarten, dass die weitere Entwicklung – trotz des bevorstehenden Frühjahrs und der dann wohl sinkenden Infektionszahlen – ebenfalls schlecht sein wird. 26,3 Prozent sehen die Zukunft gleichbleibend – 31,6 Prozent gehen jedoch immerhin von einer Verbesserung der Situation aus. Klein-Zirbes konstatiert: „Unsere Gastronomiebetriebe leiden am stärksten unter den Corona-Beschränkungen. Viele zehren inzwischen von der Substanz. Sobald es medizinisch vertretbar ist, müssen schnell und unkompliziert Erleichterungen auf den Weg gebracht werden.“ Die Abschaffung der 2G-Regel in Hessen für den Einzelhandel sei eine gute Entscheidung und weise den Weg für notwendige Lockerungen in der Gastronomie.

Dr. Arnd Klein-Zirbes, Hauptgeschäftsführer der IHK Kassel-Marburg. Quelle: Harry Soremski

Aktuelle Lage recht stabil

„Im Großen und Ganzen zeigt sich die aktuelle Lage aber recht stabil“, sagt der IHK-Chef. „Was die Wette auf eine rosige Zukunft angeht, sind die Unternehmen derzeit noch eher verhalten.“ Lieferengpässe und Preissteigerungen bei Rohstoffen und Energie drohten einen Konjunkturaufschwung auszubremsen. Das spiegelt die Befragung auch: 56,5 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, erheblich von Preissteigerungen bei Rohstoffen, Vorprodukten und Waren betroffen zu sein. Und auch die Lieferkettenproblematik ist weiterhin akut – 36,7 Prozent berichten von gravierenden Lieferschwierigkeiten.

„Die kontinuierlichen Preiserhöhungen stellen wir über nahezu alle Bereiche unserer Beschaffung fest. Da wir die Preiserhöhungen nicht eins zu eins weitergeben können, führt die aktuelle Situation zu deutlichen Ertragseinbußen“, kommentiert Thomas Hilberg, Geschäftsführer des „Marburger Gartencenter“.

Über alle Branchen hinweg beurteilen 38,5 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut. Von einer schlechten Lage sprechen 17,3 Prozent (VJ: 27,9 Prozent).

Einzelhandel im Aufschwung

Befriedigend schätzen 44,2 Prozent ihre gegenwärtigen Geschäfte ein. Eine bessere Entwicklung für die kommenden Monate erwarten 22,5 Prozent. 63,1 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Entwicklung aus. Die Anzahl der Pessimisten liegt indes bei 14,4 Prozent (VJ: 30,7 Prozent).

Überraschend gut läuft auch der Einzelhandel: Der Klimaindex stieg auf 114,8 Punkte an – im Vorjahr lag er noch bei mageren 85,6 Punkten, im Herbst bei 105,7 Zählern. „Der Anstieg hat damit zu tun, dass ein kompletter Lockdown vermieden wurde – und auch das Weihnachtsgeschäft spielt hier rein“, so Klein-Zirbes. Entsprechend ziehen fast die Hälfte der Einzelhändler ein positives Fazit ihrer derzeitigen Lage, die nur 17,1 Prozent als schlecht bezeichnen. Beim Ausblick gehen 80,4 Prozent der Händler von einer gleichbleibenden Lage aus, jeweils 9,8 Prozent erwarten eine Verbesserung oder eine Verschlechterung.

Die konjunkturelle Stabilisierung zeigt sich auch bei der Investitionsbereitschaft. 35,3 Prozent der Betriebe gehen von einer steigenden Investitionsquote aus. 19,3 Prozent wollen weniger investieren. Die Hauptmotive sind Ersatzbedarf (63,5 Prozent) und Rationalisierung (31,7 Prozent). In den Umweltschutz investieren als Hauptmotiv aktuell 24,1 Prozent der Unternehmen. Dieser gewinnt bei den Investitionsmotiven kontinuierlich an Bedeutung.

Von Andreas Schmidt

10.02.2022
10.02.2022