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Marburg Konflikt um „Wasserschloss“ eskaliert
Marburg Konflikt um „Wasserschloss“ eskaliert
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14:58 23.05.2021
Das „Wasserschloss“ in Gisselberg steht seit 20 Jahren als unvollendeter Bau in dem Marburger Ortsteil. Eine friedliche Lösung scheint nicht in Sicht.
Das „Wasserschloss“ in Gisselberg steht seit 20 Jahren als unvollendeter Bau in dem Marburger Ortsteil. Eine friedliche Lösung scheint nicht in Sicht. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

In einer E-Mail an den Magistrat greift der Bauherr eine Rechnung über Wasserbenutzungsgebühren in Höhe von gut 6 600 Euro an. Kurios: Die Rechnung datiert aus dem Jahr 2000, ist also mehr als 20 Jahre alt. „Unsererseits wurde diese Rechnung nicht anerkannt“, schreibt der Bauherr. Es sei kein Abwasser in den Kanal geleitet worden. Es sei zu der Zeit noch nicht einmal ein Kanalanschluss vorhanden gewesen. Sein Rechtsanwalt habe ein Widerspruchsverfahren eingeleitet und habe ihm zugesichert, dass die Angelegenheit erledigt sei. Erst nach einem „mehrjährigen Auslandsaufenthalt“ sei ihm klargeworden, dass die Angelegenheit noch nicht erledigt sei.

Der Bauherr beruft sich auf Gisselbergs Ortsvorsteher Gernot Günther und die beiden CDU-Stadtverordneten Dirk Bamberger und Jens Seipp, die bei einem Treffen ihm gegenüber ihr Unverständnis über die Haltung der Stadt geäußert hätten.

Er fordert nach wie vor die Löschungsbewilligung der eingetragenen Sicherungshypothek. Andernfalls, so droht der Bauherr, werde er „sämtliche Parteien, politische Gruppierungen, arabische, kurdische und türkische Vereine und Behörden in der Universitätsstadt Marburg über diese Sachlage informieren, mit entsprechenden Belegen, und falls notwendig, eine Presseerklärung auf der Baustelle in Gisselberg abgeben“.

Seine Geduld sei am Ende. Sollte die Löschungsbewilligung nicht erteilt werden, werde er Schadenersatzansprüche in Höhe von 1,2 Millionen Euro geltend machen.

Das Bauprojekt begann bereits in den 1990er-Jahren. Zuletzt hat die Stadt Marburg die 2017 erteilte Baugenehmigung bis Mai 2022 verlängert, teilte die Pressestelle der Stadt mit. Genehmigt wurde dabei auch eine Umnutzung der eigentlich für Gewerbe vorgesehenen Fläche im Erdgeschoss zu Wohnungen.

„Es ist richtig, dass das Gebäude noch keinen Kanalanschluss hat“, räumt Patricia Grähling von der Pressestelle ein. Die veranschlagten Gebühren seien dadurch angefallen, dass sich im Keller Niederschlagswasser gesammelt hat, das dann von der Bauherrschaft mit einer Pumpe in den öffentlichen Kanal geleitet wurde. Im Jahr 2000 schloss die Stadt Marburg nach eigenen Angaben einen Vergleich mit der Bauherrschaft. Die kam der Zahlungsverpflichtung, die sie im Vergleich einging, laut Stadt nicht zum vereinbarten Termin nach. Daher habe die Stadt die Eintragung einer Sicherungshypothek beantragt.

Die Stadt Marburg vereinbart mit der Bauherrschaft aktuell keine Termine mehr, da die vorangegangenen Termine letztlich immer erfolglos geblieben seien, sagte Grähling weiter. Es habe bereits über mehrere Jahre hinweg eine Vielzahl an Gesprächsterminen gegeben, bei denen Absprachen getroffen und auch schriftliche Vereinbarungen festgehalten wurden. Der Bauherr habe seinen Teil der schriftlichen Vereinbarungen nicht eingehalten. Ihm wurde daher mitgeteilt, dass ein weiteres Gespräch stattfinden kann, sobald das Gebäude in Gisselberg fertiggestellt ist.

„Einen öffentlichen Druck über Politik und Medien aufbauen zu wollen mit Falschbehauptungen zum Vorgang und ein wiederholtes Nichteinhalten von Vereinbarungen entsprechen nicht unseren Vorstellungen von einer lösungsorientierten Zusammenarbeit“, heißt es am Schluss der Stellungnahme der Stadt Marburg zu dem Vorfall.

Von Till Conrad

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