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Marburg Kommissar Eberhofer statt James Bond
Marburg Kommissar Eberhofer statt James Bond
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09:00 09.10.2020
„Wir sind dankbar, dass die Gäste zu uns ins Kino kommen“, sagt Kino-Betreiberin Marion Closmann. Das Foto zeigt sie und Marco Schmidt im Juni bei der Wiedereröffnung des Cineplex nach dem Lockdown. Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter
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Marburg

Die Kinobranche ist durch die Corona-Pandemie schwer angeschlagen. Die nächste Hiobsbotschaft stellten nun ganz aktuell Anfang der Woche die Verschiebungen des Kinostarts für den neuen James-Bond-Film und die Neuverfilmung der Science-Fiction-Saga „Dune“ dar, die beide statt im Dezember erst ab Mitte kommenden Jahres weltweit starten sollen.

Das hat auch Auswirkungen auf den Marburger Kinobetrieb. „Das ist eine Katastrophe für die Kinobranche. Denn das sind beides Filme, die vom Umsatz an der Kinokasse her und dem Ansehen ganz wichtig gewesen wären“, sagt Gerhard Closmann, Seniorchef des Kino-Unternehmens Closmann, das in Marburg das Cineplex-Kino und das Capitol-Center betreibt. Mit der Verschiebung der beiden potenziellen Blockbuster fallen für das Weihnachtsgeschäft zwei Filme weg, die für das Kino-Image ganz wichtig gewesen wären.

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Damit setzt sich nach Ansicht von Gerhard Closmann ein Trend fort, der sich seit dem Restart der Kinos einige Zeit nach dem Lockdown manifestiert hat. „Die großen Knüller fehlen. Das tut uns weh und leid und wir bedauern es unendlich“, sagt der Kinobetreiber im Gespräch mit der OP.

Im Falle der beiden großen Hollywood-Streifen, deren Start jetzt auf das kommende Jahr verschoben werde, müsse man allerdings auch Verständnis für die Entscheidung der Produzenten haben. Denn es seien Hunderte von Millionen Dollar mit im Spiel. Und in diesem Fall würden die Verantwortlichen wohl auf die Post-Corona-Zeit spekulieren, in der Hoffnung, dass es dann weltweit wieder deutlich mehr Kinogänger gibt.

Zumindest in den USA und Großbritannien gibt es derweil schon erste zwischenzeitliche Kinoschließungen: So kündigte die Kinokette Cineworld am Montag an, wegen der Pandemie vorübergehend ihre mehr als 500 Kinos in den beiden Ländern zu schließen. Insgesamt 40 000 Mitarbeitern droht somit die Arbeitslosigkeit.

„Ich kann diese Entscheidung verstehen. Die haben das Problem, dass in den USA die Pandemie sich noch schlimmer auswirkt als in Europa“, sagt Gerhard Closmann. Aber auch auf die Marburger Kinos hat sich die Corona-Krise zuschauermäßig dramatisch ausgewirkt.

40 bis 45 Prozent weniger Zuschauer im Kino-Jahr

Für das gesamte Kinojahr gesehen gab es nach Angaben von Kino-Chefin Marion Closmann zusammengerechnet bisher 40 bis 45 Prozent weniger Zuschauer. Darin einberechnet sind nach einem sehr guten Start bis Mitte Februar auch der Stopp während des Lockdowns und die Zahlen aus den zwischenzeitlichen Ersatz-Orten wie dem Autokino und dem Open-Air-Kino auf der Schlossparkbühne. Insgesamt komme dabei betriebswirtschaftlich ein Jahr zusammen, „dass wir hinterher nicht so hätten haben wollen“, wie die Kinobetreiberin auf OP-Anfrage zusammenfasst. Gleichzeitig sei ihr aber auch bewusst, dass sich für ihre Branche wohl nichts mehr ganz normalisieren werde, bevor die Corona-Impfstoffe verfügbar seien.

Fieberhaft arbeitet die Kinobranche in Deutschland trotz allem an Alternativ-Programmen, weil die US-Blockbuster derzeit zurückgehalten werden. Und so kommen Filme aus deutscher und europäischer Produktion in der Vorweihnachtszeit vermehrt in den Fokus und in die erste Reihe. Ganz aktuell nimmt somit in den Marburger Kinos das „Kaiserschmarrndrama“ um den bayrischen Kult-Polizisten Franz Eberhofer den Platz des James-Bond-Films beim bundesweiten Start am 12. November ein, erläutert Kino-Chefin Marion Closmann. Wird der „bayrische James Bond“ die Kino-Fans begeistern?

Auch das Finale der „Ostwind“-Filmreihe und der Film „Drachenreiter“ nach dem gleichnamigen Roman von Cornelia Funke sind weitere deutsche Filme, die in die Bresche springen könnten. Und auch auf einen weiteren Film aus europäischer Produktion setzt Marion Closmann große Hoffnungen: Dabei handelt es sich um „Made in Italy“ mit Liam Neeson.

Wie diese und vergleichbare Filme sich an der Kino-Kasse schlagen, das sieht Marion Closmann als entscheidenden Gradmesser dafür, wie die Öffnungszeiten der Marburger Kinos weiter gestaltet werden. „Wir müssen genau schauen, welche Filme da sind und welches Publikum es dafür gibt“, betont sie. Eindeutig spricht sie sich aber bisher dafür aus, die Kinos auf jeden Fall erst einmal täglich geöffnet zu haben.

Dankesbriefe von Marburger Kino-Fans

Momentan sieht auch ihr Vater Gerhard Closmann die wirtschaftliche Lage für die Marburger Kinos zwar als bedrohlich, aber nicht als existenzgefährdend an. Um Kosten zu sparen, wird das Kinoprogramm derzeit etwas reduziert gefahren. So geht es nachmittags erst ab 17 Uhr los. Das bedeute Entlastung bei den Strom-und Personalkosten.

Außerdem gibt es momentan auch eine Reihe von zusätzlichen Veranstaltungen im Cineplex-Kino, von Lesungen bis zu Versammlungen politischer Parteien. „Das wird auch weitergehen, aber es bedeutet kein weiteres wirtschaftliches Standbein“, meint Gerhard Closmann. Er betont, dass die Kinomacher damit auch eine Entwicklung fortsetzen, die es auch schon in der Vor-Corona-Zeit gegeben habe. „Wir sind von Anfang an offen für alles gewesen“, sagt Closmann. Durch die Größe der Kinosäle böte sich jetzt im Cineplex eben die Chance, auch etwas mehr Menschen zusammenzubringen als in anderen Marburger Locations.

Insgesamt sieht der Kinobetreiber jedoch die Attraktivität des Kino-Erlebnisses nach wie vor als gegeben – und das trotz Corona und der immer größeren Konkurrenz durch Netflix und Co. „Die Leute haben es dicke, immer zuhause zu sitzen“, meint Gerhard Closmann.

So habe es beispielsweise schon eine Reihe von Dankschreiben von Marburger Kinofans gegeben, die sich über die Wiedereröffnung der Kinos im Mai sehr gefreut hätten. „Und wir sind dankbar, dass die Gäste zu uns ins Kino kommen“, betont Marion Closmann.

Von Manfred Hitzeroth

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