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Marburg Kommen Stimmzettel pünktlich an?
Marburg Kommen Stimmzettel pünktlich an?
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00:18 29.10.2018
(Symbolfoto) Eine Mitarbeiterin der Deutschen Post sortiert Großbriefe in einem Briefzentrum. Quelle: Jan Woitas
Marburg

Am Dienstag berichtete die OP über einen Leser, der drei „herrenlose Postkästen“ an die Polizei übergeben hat. Denn ein Zusteller war nicht in der Nähe, die Postsendungen standen ungeschützt neben einem Verteilerkasten der Post – sie hätten also nicht nur von jedermann eingesehen, sondern auch gestohlen werden können.

Post-Pressesprecher Alexander Böhm hatte angekündigt, dass er dem Fall nachgehen werde. Er teilte nun mit, dass für das Bestücken des besagten Verteilerkastens ein „von der Post beauftragtes Fremdunternehmen“ zuständig sei. Im konkreten Fall habe es offenbar Probleme beim Bestücken des Kastens gegeben. Dafür gebe es jedoch klare Regelungen und Vorschriften.

„Das beauftragte Unternehmen und die Mitarbeiter verfügen über eine Notrufnummer, über die jederzeit ein Postmitarbeiter erreichbar ist“, erläutert Böhm im Gespräch mit der OP. Im besagten Fall habe der Mitarbeiter des Unternehmens offenbar in gutem Glauben – dass der Zusteller die Kisten schon mitnehmen werde – die Post vor dem Kasten stehen lassen. „Es geht gar nicht, dass uns anvertraute Sendungen so offen stehen gelassen werden. Letztlich tragen wir dafür die Verantwortung. Das ist uns auch bewusst“, sagte Böhm.

Er entschuldigt sich im Namen der Post bei den betroffenen Kunden, auch dafür, dass es dadurch zu Verzögerungen bei der Zustellung von Sendungen gekommen sei. Mit Verantwortlichen des beauftragten Unternehmens habe am Dienstag ein Gespräch stattgefunden, in dem über den Vorfall und die klaren Regelungen in solchen Fällen gesprochen worden sei.

Die OP erfuhr zudem, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelte: Eine Leserin berichtet, dass sie bereits im August an einem Verteilerkasten der Post in der Ockershäuser Allee drei gestapelte Kästen entdeckt habe – und als sie drei Stunden später dort vorbeigegangen sei, hätten die Kästen immer noch völlig ungeschützt dort gestanden – ebenso, wie am kommenden Morgen. Auch zu diesem Fall recherchierte Böhm – es habe sich „wahrscheinlich sogar um denselben Mitarbeiter“ gehandelt“, sagte der Sprecher.

Die Post habe gegenüber dem Unternehmen ganz klar verdeutlicht: „Offen herumstehende Post – aus welchen Gründen auch immer – darf es nicht geben, das darf nicht sein.“

Sehr interessante Erfahrungen machte OP-Leser Bernd Bünger aus Niederweimar. Er suchte sich Rat bei der Postverteilstelle in Gießen. „Die Dame versicherte mir, sich sofort um säumige Post zu kümmern“, sagt er. Und tatsächlich, nur eine Stunde später „rappelte“ der Briefkasten und Bünger fand die Post vor, die nach dem 10. Oktober an ihn aufgegeben wurde.

Am Freitag versuchte er erneut sein Glück in Gießen mit dem Hinweis, dass er noch Post vermisse, die ihn normalerweise Anfang des Monats erreicht. Dieselbe Mitarbeiterin der Post versprach erneut, sich umgehend darum zu kümmern. Und tatsächlich, wieder nur eine Stunde nach dem Telefonanruf rappelte es am heimischen Briefkasten. „Es war die Post, die ab dem 5. Oktober an mich ging“, sagt Bünger, der weiterhin auf andere Zusendungen warten musste.

Am Samstag tat sich gar nichts. Der Briefkasten blieb leer. Also rief Bünger noch einmal am Montag an. Wieder hatte er dieselbe Frau dran, die sich überrascht zeigte, so Bünger, dass noch immer Post an ihn irgendwo sein müsse. Auch zum dritten Mal versprach sie, sich umgehend darum zu kümmern. Und so bekam Bernd Bünger am Montag gleich zweimal Post, vormittags und nachmittags. Darunter waren aber arg ramponierte Zusendungen. „Das eine Päckchen war in einem Zustand, dass es ein leichtes gewesen wäre, den Inhalt einfach herauszunehmen. Bünger weiß, dass er nicht das einzige „Opfer“ in Niederweimar ist. Er erzählt von einem, der wichtige Medikamente über eine Online-Apotheke geordert hatte, die sonst immer verlässlich eintrafen, jetzt allerdings nicht. Er hatte auch die Beobachtung gemacht, dass offensichtlich niemand aus seiner Straße vom Sonderpostboten beliefert wurde. „Es kann ja immer mal was schiefgehen oder auch mal nicht möglich sein, aber über einen so großen Zeitraum ist es eine Zumutung. Die Post lässt die Betroffenen auch im Ungewissen. Es gab bisher keine Mitteilung an die Haushalte“, sagt Bünger. Das Engagement der Frau, mit der er telefonierte, wisse er hingegen sehr zu schätzen, aber diese Methode könne ja auch nicht die Antwort sein. Immerhin erhielt Bünger über drei Anrufe schon mal 30 Zusendungen, die wohl sonst immer noch irgendwo im Verteiler liegen würden.
Vor dem Hintergrund der derzeitigen Zustell-Probleme, die sich durch den gesamten Landkreis ziehen, machen sich die OP-Leser Sorgen darum, ob ihre Briefwahl-Unterlagen rechtzeitig in den Wahllokalen ankommen. So haben beispielsweise alleine in Marburg 9 620 Wahlberechtigte Briefwahl-Unterlagen angefordert, wie Patricia Grähling vom Presseamt mitteilt. Bis zum heutigen Donnerstag, 12 Uhr, könne man seine Wahlscheine noch anfordern, bis Freitag, 13 Uhr, auch noch persönlich im Wahlamt im Erdgeschoss des Rathauses abholen.

Zudem stelle das Wahlamt Wahlscheine und Briefwahlunterlagen auch noch am Samstag von 8 bis 12 Uhr und am Wahltag, Sonntag, von 8 bis 15 Uhr aus – jedoch „nur bei nachgewiesener plötzlicher Erkrankung oder der glaubhaften Versicherung an Eides statt, dass der beantragte Wahlschein und Briefwahlunterlagen nicht zugegangen sind“, so Grähling.

Um sicherzugehen, dass die Briefwahl-Unterlagen jedoch rechtzeitig ankommen und die Stimmen gezählt werden können rate sie jedoch dazu, die Briefwahl-Umschläge persönlich einzuwerfen.

Und was sagt die Post: Kommen die Umschläge pünktlich in den Wahlämtern an? „Alle unsere Mitarbeiter sind aufs Höchstmaß sensibilisiert“, verspricht Alexander Böhm. Es seien etliche Gespräche gelaufen, „jeder Briefkasten wird überwachst, dass er pünktlich geleert wird – wir stehen im Kontakt mit dem Landeswahlleiter und haben alle Vorkehrungen getroffen, dass die Unterlagen ankommen.“

von Götz Schaub und Andreas Schmidt