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Marburg Kölner „Tigermilch“ gewinnt
Marburg Kölner „Tigermilch“ gewinnt
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09:04 20.03.2018
Das Stück „Tigermilch“ mit Sibel Polat  (links) und Nadja Duesterberg und ­gewann den Festivalpreis. Quelle: Meyer
Marburg

Eine spannende, ebenso abwechslungsreiche wie qualitativ hochwertige Theaterwoche liegt hinter dem 13-köpfigen Organisationsteam von Festivalchef Jürgen Sachs und der siebenköpfigen Jury, der ­neben drei Erwachsenen auch vier Jugendliche aus der Zielgruppe des Theaterfestivals ­angehörten.

Die Jury, die die Preisver­leihung am Samstagabend im nahezu ausverkauften Theater am Schwanhof spielerisch inszenierte, vergab den mit 2 000 Euro dotierten ersten Preis an die Produktion „Tigermilch“ des Kölner Theaters Comedia. Das Stück mache „auf brennende Probleme unserer Gesellschaft und des Erwachsenwerdens aufmerksam.

Schweizer kommen auf Platz zwei

Themen wie die Suche nach der eigenen Identität, die erste große Liebe, eine unfreiwillige Zeugenschaft eines Mordes und Abschiebung berühren und machen nachdenklich“, heißt es in der Begründung der Jury. „Tigermilch“ sei „ein berührendes, mitreißendes, einprägsames Stück!“.

„Das es für uns der erste Preis geworden ist, ist der Hammer“, freute sich die künstlerische Leiterin des Kölner Theaters, Jutta Maria Staerk. „Das Stück ist uns sehr wichtig und wir haben zwei Darstellerinnen gefunden, die jeden Ton genau treffen.“

Auf den 2. Platz kam das Thé­âtre de la Grenouille aus Biel in der Schweiz mit dem Stück ­„Perô oder die Geheimnisse der Nacht“. Den 3. Platz belegte das Theater Junge Generation aus Dresden mit dem Stück „Der Junge mit dem Koffer“.

Gestiftet und vergeben wird der Festivalpreis seit 21 Jahren vom Freundeskreis des Hessischen Landestheaters. Der Vorsitzende Jürgen Bandte sagte der OP am Abend nach der Verleihung, dass der Verein überlege, nicht nur eine ­Urkunde und einen Scheck zu über­reichen, sondern den Preis mit einer Figur nach Vorbild der großen Festivals zusätzlich aufzuwerten.

Künstlerische Qualität und Vielfalt war sehr hoch

Das vom Hessischen Landestheater Marburg, von der Stadt Marburg und dem Staatlichen Schulamt Marburg-Biedenkopf organisierte Festival war einmal mehr nahezu komplett ausverkauft. Nach Auskunft von Festivalleiter Jürgen Sachs lag die Auslastung des von Stadt Marburg und Land Hessen mit rund 65 000 Euro unterstützten Festivals bei 98 Prozent.

Rund 100 Stücke hatten die Festivalmacher im Vorfeld gesichtet und 18 Produktionen zu dem Festival eingeladen. Die künstlerische Qualität und Vielfalt sei sehr hoch gewesen, sagt Sachs der OP. Dies hätten viele professionelle Festivalbesucher betont. So würden in Marburg immer wieder Stücke entdeckt, die dann zu anderen, größeren Festivals eingeladen würden.

Erstmals hat die Stadt Marburg im Zuge des sogenannten Gender-Budgetings die Besucher nach Geschlecht gezählt. Das Ergebnis: Mehr Frauen und Mädchen als Männer und Jungen besuchten das Festival. Das Verhältnis liege bei 60 zu 40 Prozent, sagte Kariona Kupka der OP. Dies gelte für nahezu alle bislang von der Stadt ­erfassten Kulturveranstaltungen – mit einer Ausnahme: Rock-Pop-
Konzerte würden mehrheitlich von Männern besucht.

Zum Abschluss ­begeisterte das Mumpitz-Theater aus Köln mit der skurril-witzigen Inszenierung „Kaschtanka“. Die fünf Darsteller erzählten Anton Tschechows Tierfabel mit viel Musik und schrägem Humor.

von Uwe Badouin