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Marburg Mit guten Manieren ans Ziel
Marburg Mit guten Manieren ans Ziel
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13:59 28.09.2021
Monika Huft ist Trainerin für moderne Umgangsformen und hat ein Knigge-Spiel für Kinder entwickelt.
Monika Huft ist Trainerin für moderne Umgangsformen und hat ein Knigge-Spiel für Kinder entwickelt. Quelle: Ina Tannert
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Marburg

Wer kennt ihn nicht, den „Knigge“ – die Hilfestellung rund um Benimmregeln für den Alltag oder für festliche Anlässe. Angelehnt an das Werk des deutschen Schriftstellers Adolph Freiherr Knigge. Und das ist auch heute noch aktuell, jüngst in Form eines Knigge-Spiels für Kinder, das in Marburg entstanden ist. Entwickelt hat es Unternehmerin und Spielautorin Monika Huft aus Hatzfeld-Reddighausen, die ein gutes Benehmen bei Kindern und nicht zuletzt bei Erwachsenen fördern möchte.

Ein kleines Spielbrett mit einem Dutzend Feldern, bunte Sterne als Spielfiguren und viele Karten aus Pappe bilden die Grundlage des Spiels, das Eltern oder Lehrer mit Kindern zwischen fünf und zwölf Jahren gemeinsam spielen können. Würfel gibt es keine, es geht auch weniger darum, einfach Feld um Feld vorzurücken, sondern um Gespräche, den Austausch, der sich im Spielverlauf entwickelt. Die Frage-Karten geben dazu Anreize: „Wie solltest du beim Essen am Tisch sitzen?“; „Du verlierst ein Würfelspiel, wie gehst du damit um?“; „Du bist bei Oma und Opa und deine Nase juckt – was tust du?“.

Gute Umgangsformen und höfliches Verhalten im Alltag, darum geht es beim Spiel "Knigge-Helden", das vor kurzem auf dem Markt erschienen ist. Quelle: Ina Tannert

Es gibt immer drei Antwortmöglichkeiten, jeder Spieler rät mit seinen Antwortkarten mit, ob „A“, „B“ oder „C“ korrekt ist. Der Spieler, der am Zug ist, ist als Erster an der Reihe. Wer eine gute Erziehung genossen hat, kennt die richtige Antwort, weiß, dass man nicht in der Nase popelt oder ausflippt, wenn man ein Spiel verliert und beim Essen nicht mit den Ellenbogen auf dem Tisch über dem Teller hängt, sondern aufrecht sitzt. „Auch die Kinder wissen was zu tun ist, das Spiel soll das vertiefen“, sagt die 54-Jährige.

Kinder sollen sensibilisiert werden

Sie möchte Achtsamkeit mit guten Umgangsformen kombinieren: Indem sich große und kleine Spieler gemeinsam mit den auf den insgesamt 50 Fragekarten dargestellten realen Alltagssituationen auseinandersetzen, entwickeln sie spielerisch einen stärkeren Bezug dazu, reflektieren das eigene Verhalten und sollen für ein höfliches Miteinander sensibilisiert werden. „Freundlich und höflich zu sein, bringt einen im Leben einfach weiter“, betont Huft.

Ihr gehe es dabei nicht um den erhobenen Zeigefinger, „ich möchte mich hier nicht als Moralapostel aufspielen, ich will nicht belehren, sondern sensibilisieren“. Sie wünsche sich, dass Kinder spielerisch Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft lernen, generell die Regeln kennen, zugleich „eine großartige Möglichkeit, Kindern Selbstsicherheit zu geben“. Denn heutzutage werde auf übliche Verhaltensregeln teils weniger Wert gelegt, selbst „Bitte“, „Danke“, „Entschuldigung“. Respektvolles Verhalten eben, „das eigentlich selbstverständlich sein sollte“.

Das fällt ihr bei manchen Kinder oder Jugendlichen auf, „sie verbauen sich damit Chancen und machen es sich unnötig schwer im Leben“, findet sie. Denn ein höflicher, respektvoller Umgang miteinander kann Türen öffnen, ob privat oder im späteren Berufsleben. Und das Erlernen des Knigge-Einmaleins beginnt im Kindesalter, „viele haben heute aber immer weniger Zeit, sich damit zu beschäftigen, dabei ist das so wichtig“.

Andere sehen und schätzen lernen

Sie hat seit Jahren beruflich damit zu tun, Monika Huft stammt eigentlich aus der Gastronomie- und Eventbranche, gründete vor Jahren in Marburg das Unternehmen „Gastronomie mit Herz“, für das sie den Hessischen Gründerpreis erhielt. Die Selbstständige vermittelt Serviceteams für Veranstaltungen, übernimmt als ausgebildete Trainerin für moderne Umgangsformen aber auch Schulungen für Servicemitarbeiter rund um Höflichkeit und den Umgang mit Gästen. Zudem weiß sie aus Erfahrung, wie sich manche Menschen gerade Dienstleistern gegenüber verhalten, würde sich bei einigen einen respektvolleren Umgang wünschen. „Man hat doch einen viel schöneren Alltag, wenn alle um einen herum höflich sind, man selber bemerkt und gesehen wird“, erklärt sie. Und das fängt bei der guten Kinderstube an.

Der Sprung zum Kinderspiel kam, nachdem sie vor drei Jahren zum ersten Mal in eine Grundschule eingeladen wurde, um der Klasse spielerisch gute Umgangsformen näher zu bringen. Dazu bereitete sie sich vor, erstellte Fragekarten und ein Konzept für den Besuch – die erste Grundlage für das heutige Spiel.

Monika Huft zeigt das Spiel „Knigge-Helden“. Quelle: Ina Tannert

Und dann kam die Corona-Zeit, ihr brachen die Aufträge komplett weg. Aus der Not machte sie eine Tugend, arbeitete im Lockdown an ihrem neuen beruflichen Standbein, investierte dazu einen Teil der Corona-Hilfen in das Spiel. Sie sprach sich zudem mit Pädagogen ab, die weitere Tipps für einen kindgerechten Spielaufbau gaben, und hielt Rücksprache mit Eltern, Lehrerinnen und Lehrern wie Kindern, darunter ihre eigenen. Ein Jahr dauerte die Entwicklung, seit September ist das Spiel „Knigge-Helden“ nun auf dem Markt.

Und Monika Huft arbeitet schon an der Fortsetzung: Ihr Traum wäre es, auch für Jugendliche ein Spiel zum selben Schwerpunkt zu veröffentlichen, verrät sie begeistert. Es hat sie sichtlich gepackt, sie brennt für ihre neue Arbeit. Das Konzept steht auch schon, nun wartet sie erstmal ab, wie der erste Teil bei Kindern und Erwachsenen ankommt.

Gute Manieren seien schließlich für jedermann eine wichtige Eintrittskarte ins Leben und für die Zukunft der Kinder „von entscheidender Bedeutung – ich freue mich einfach, wenn ich Kindern etwas auf dem Weg mitgeben kann“, betont die Spielautorin.

Das Spiel Knigge-Helden ist für 24,95 Euro erhältlich, sowohl online wie bei der Buchhandlung Jakobi in Frankenberg und Marburg. Weitere Informationen unter www.knigge-helden.de

Von Ina Tannert